Zum vierten Mal hat der Stadtrat über die nötige und eigentlich auch eilige Lösung für die Ufermauer vor dem Saunabereich am im Bau befindlichen neuen „Seebad Starnberg“ beraten. Weil es diesmal durch das Gesamtgremium wieder eine Ablehnung der Vorschläge des Rathauses und der Landschaftsplaner gab, ist nicht mehr damit zu rechnen, dass die Außenanlagen mit dem Seebad Ende dieses Jahres in Betrieb genommen werden können.

Es ist eine unendliche Geschichte. Am 26. Januar dieses Jahres beschloss der Bauausschuss mit 7:6 Stimmen, die betroffenen 30 Meter Uferlinie entsprechend der Pläne der Landschaftsarchitekten für rund 200000 Euro umzubauen. Es sollte für die Saunagäste einen Steg vor den neuen Saunahütten geben, der rechts und links zum Sichtschutz gegenüber Nachbarn und Gästen des Strandbades durch Schilfffelder eingegrenzt werden sollte. Neben dem Steg war eine Treppenanlage in den See geplant. Aus den Reihen der unterlegenen Fraktionen wurde ein Nachprüfungsantrag gestellt. Der Stadtrat entschied sich am 30. Januar mit 13:16 Stimmen gegen die Ausführung. Der Mehrheit aus CSU, UWG, BLS, DPF sowie Franz Sengl (Grüne) waren die Kosten, das Schilf, die für das Schilf nötige Sicherung am Seegrund mit einer Steinschüttung und einiges mehr ein Dorn im Auge. Am 16. Februar lagen Prüfaufträge verschiedener Fraktionen vor, weshalb Bürgermeisterin Eva John das Thema erneut im Bauausschuss behandeln ließ. Die Fachplaner machten mit Erfolg deutlich, dass es keine andere als die von ihnen vorgeschlagene Lösung bis zu einer Genehmigung aller beteiligten Behörden schaffen werde. Mit 10:3 Stimmen gab es diesmal grünes Licht vom Ausschuss. Dagegen waren BLS und DPF. In der Folgezeit wurde Patrick Janik (UWG) bei der Rechtsaufsicht vorstellig und beklagte dort, das es richtiger gewesen wäre, die letzte Beratung wieder im Stadtrat durchzuführen, schließlich habe der das Projekt zuvor abgelehnt. Angelika Kammerl (DPF) stellte erneut einen Nachprüfungsantrag. Der wurde nun gestern Abend im Stadtrat behandelt. In der Sache gab es nichts Neues. Vor allem die BLS-Fraktion glaubt den Aussagen der Verwaltung und der Fachplaner nicht und will, wie auch Teile der CSU, immer noch eine einfachere Lösung. Für Martina Neubauer (Grüne) ist es ein „Vertrauensthema“. Sie kritisierte zum wiederholten Mal das Vorgehen der Bürgermeisterin, die mit dem Bauamt zunächst eine genehmigungsfähige Variante erarbeitet und diese erst dann dem Stadtrat vorgelegt hatte. Der hätte aber lieber von Beginn an mitgeredet.

In namentlicher Abstimmung (13:15) sprachen sich WPS, BMS, FDP, Tim Weidner (SPD), Katja Fohrmann und Thomas Beigel (beide CSU) sowie Neubauer und Annette von Czettritz (beide Grüne) und John dafür aus, grünes Licht zu geben. Die Mehrheit votierte dagegen. Wie es weiter geht, darüber herrschte allgemeine Ratlosigkeit. Neubauers Antrag, nochmals  und letztmalig im Bauausschuss zu beraten, wurde mit Mehrheit angenommen. Dann sollen auf Wunsch von Michael Mignoli (BLS) auch Vertreter des Wasserwirtschaftsamtes anwesend sein. Die Prognose der Planerin war insgesamt eher düster: „Es wird keine Variante geben, die wir noch einflechten können.“

Kommentar:

Wenn Stadträte sparsam wirtschaften wollen, ist das ein durchaus löbliches Ziel. Doch manchmal sieht man vor lauter Sparzielen nicht, dass sich das fragliche Projekt mit jeder weiteren Beratung eher verteuert. Die Ufermauer ist ein solcher Fall, weshalb  am Ende dringend ein Vergleich gefordert sein wird: Was hätte es gekostet, die Ufermauer jetzt sofort mitzumachen? Was hat es dann im Vergleich gekostet, im nächsten Jahr eine neue Baustraße über den dann schon neu hergerichteten Außenbereich des Seebades anzulegen? In wie weit sind die Baukosten bis dahin gestiegen? Welche Einnahmeverluste hatte der Saunabereich, weil die Gäste wegen des unfertigen und wenig ansprechenden Saunagartens und Seeufers ausgeblieben sind? Und was kostete das neuerliche Herrichten der betroffenen Außenanlagen samt neuem Rückbau der Baustraße? Die Stadträte, die sich jetzt immer neu nicht mit einer sofortigen Umsetzung anfreunden konnten, sollten schon mal eine Sparbüchse füllen, um den entstandenen Schaden für den Steuerzahler zu begleichen. Dabei geht es ganz offensichtlich gar nicht vordringlich um die Sache. Es geht um Befindlichkeiten. Man ist sauer, weil man nicht gefragt worden ist, bevor die jetzige Lösung auf den Tisch gelegt wurde. Etwas zu verzeihen hilft manchmal aus der Bredouille.