Es ist eine verfahrene Situation. Starnberg wartet dringend auf die Eröffnung der Westumfahrung, die nach Aussagen des Staatlichen Bauamtes Weilheim 2018 in Betrieb gehen kann. Damit ihre Entlastungswirkung für die Hanfelder Straße möglichst deutlich spürbar wird, ist an der Waldkreuzung noch ein Bypass geplant, der von Gilching kommend am Kreisel vorbei direkt auf die neue Westumfahrung leiten soll. Dieser Bypass kann laut Michael Kordon von der Weilheimer Behörde aber nur dann zeitgleich mit der neuen Umfahrung eröffnet werden, wenn alle Beteiligten zustimmen. Da gibt es noch ein großes Fragezeichen: Bisher verschließt sich die Eigentümerin von Gut Mamhofen, Gräfin Stephanie von Pfuel, jeglichem Vorschlag, ein noch fehlendes Stück Wegeverbindung entlang der neuen Straße zuzulassen. Sie müsste dafür eventuell weiteren Grund zur Verfügung stellen. Ohne diesen Weg wollte der Stadtrat in seiner jüngsten Sitzung aber der Straßenplanung nicht zustimmen. Bürgermeisterin Eva John erhielt den Auftrag, nochmals mit der Gräfin zu verhandeln.

Zu Beginn der Stadtratssitzung hatte Renate Richter John eine Liste mit nahezu 450 Unterschriften überreicht. Die Unterzeichner hätten sich für den Erhalt der heutigen Wegeverbindung und gegen eine Verlegung ausgesprochen, erläuterte Richter. Sie appellierte an die Stadträte sich für dieses Anliegen einzusetzen. Heute müssen Reiter, Radfahrer und Wanderer, die die beliebte Wegeverbindung zwischen Hanfeld und Unering nutzen, im Bereich des Gutes der Gräfin nur ein kurzes Stück an der Kreisstraße 3 entlang, um von der Hanfelder Seite  des Weges auf die Uneringer zu kommen. Laut Kordon ist eine Unterführung unter dem neuen Bypass in mehreren Varianten geprüft worden. In allen Fällen hätte man aber weiteren Grund vom Gut beanspruchen müssen. Von Pfuel hatte kürzlich öffentlich Stellung bezogen. Sie wies darauf hin, dass sie bereits für die Verlegung der jetzigen Kreisstraße (ein ganzes Stück nach Nordwest, damit die heutigen Kurven entschärft werden können) viel Wald hergegeben habe und nicht zu weiteren Opfern bereit sei. Der neue Bypass, der irgendwann Teil einer Staatsstraße sein soll, wird für eine Geschwindigkeit von 100 Kilometer pro Stunde (heute Tempo 70) ausgelegt. Das bedeutet, dass es in Zukunft für Mensch und Tier, die die Straße queren wollen, äußerst gefährlich wird. Die Weilheimer Behörde hat deshalb zusammen mit dem Allgemeinen Deutschen Fahrradclub eine Verlegung des Kreisradwanderweges erarbeitet, die der Stadtrat absegnen sollte. Danach verliefe die neue Verbindung künftig von Hanfeld Richtung Hadorf und von dort nach Unering, oder von Hanfeld über Taubenhüll, Hausen, Oberbrunn nach Unering. So sei das Radwegenetz wieder geschlossen. Wie lang der Umweg wirklich ist, darüber bestand keine Einigkeit. Die Bandbreite reichte von 200 Meter bis zu fast zwei Kilometer. Knackpunkt: Wenn die Stadt weiter nicht zustimmt, muss für den Bypass ein Planfeststellungsverfahren durchgeführt werden. Bis es damit eine Baugenehmigung gibt, das kann dauern. Nur mit einem solchen Verfahren ließe sich Grund der Gräfin für den Weg enteignen.

In der Diskussion ging es mehrfach um Fledermäuse. Damit sie gezwungen sind, die neue Straße in mehr als vier Meter Höhe zu überfliegen, damit sie nicht mit Lkws kollidieren, wird auf der Seite des Guts ein hoher Lärmschutzwall gebaut. Anton Wiesböck (FDP) mahnte: „Bitte die Menschen nicht hinter den Fledermäusen anstellen.“ Winfried Wobbe (UWG) erinnerte daran, dass die neuen Verbindungen durchwegs mit Autoverkehr belastet seien, während es vorher nur über Waldwege ging. Josef Pfister (BMS) befürchtete: „Wenn wir zustimmen, manifestieren wir einen unhaltbaren Zustand für ewig.“ Auch er wollte den gleichen Schutz für die Menschen, wie für die Fledermäuse. Stefan Frey (CSU) beantragte, die Bürgermeisterin solle nochmals mit von Pfuel verhandeln. Michael Mignoli (BLS) schlug vor, den geplanten Lärmschutzwall durch eine Lärmschutzwand zu ersetzen. Sie beanspruche in der Breite weniger Platz, so dass entlang der neuen Straße Raum für einen Weg bleibe. Gegen zwei Stimmen der WPS wurde die Angelegenheit zurückgestellt, bis John verhandelt hat. Es hieß, sie habe ein Pfund zum Wuchern, denn es gebe noch der Stadt gehörende Flächen, die die Gräfin gern erwerben würde.