Im fünften Anlauf hat es gestern Abend in namentlicher Abstimmung ein knappes Ja für die Neugestaltung im Bereich der maroden Ufermauer vor dem künftigen Saunabereich des neuen „Seebad Starnberg“ gegeben. Der Bauausschuss votierte mit 7:6 Stimmen für die von Landschaftsplanern und Stadtbauamt vorgetragene Lösung. Mit einer Änderung, die für die CSU der Grund war, am Ende doch noch für grünes Licht zu plädieren: Auf der Westseite des großen Steges wird es nun kein Schilf, sondern eine Uferbefestigung mit Wasserbausteinen und einer Bepflanzung mit Strauchweiden geben.

Die Abfolge der verschiedenen Ufergestaltungen noch einmal von West nach Ost: An der westlichen Grenze zu den Nachbarn wird es ein Schilffeld geben, dann folgt der kleinere Steg für die Saunagäste, anschließend eine Treppenanlage um ins Wasser gelangen zu können, dann die Wasserbausteine und Weiden sowie angrenzend der große Steg. Gibt es nun nicht nochmals, wie nach zwei ebenfalls schon positiven Beschlüssen des Bauausschusses geschehen, erneute Nachprüfungsanträge aus den Reihen der unterlegenen Stadträte, könnten es die Baufirmen gerade noch so schaffen, die Umgestaltung mit der Gesamtbaumaßnahme Seebad heuer abzuschließen (siehe auch Bericht und Kommentar vom 28.3.17 unten „Ufermauer: 4. Runde“). Hätte der Ausschuss mehrheitlich Nein gesagt, hätte dies nach Aussagen der Landschaftsplanerin Ursula Hochrein vom Büro „Lohrer.Hochrein“ bedeutet, dass der Saunagarten nicht fertiggestellt und trotz Eröffnung des Seebades abgesperrt geblieben wäre. „So lange das unsere Baustelle ist, hinterlassen wir Ihnen einen Bauzaun. Wir tragen die Haftung nicht, dass einem Badegast dort etwas passieren könnte“, sagte Hochrein nachdrücklich.

Besonders hartnäckigen Widerstand gegen die von Stadtbaumeister Stephan Weinl nochmals vorgestellte Lösung leistete Franz Heidinger (BLS): „Wir versuchen seit zwei Monaten mitzuwirken. Herr Weinl sagt aber immer nur, dass etwas nicht geht oder zu teuer ist.“ Der Stadtbaumeister dokumentierte, dass gemachte Vorschläge in voran gegangenen Sitzungen geprüft und diskutiert, aber nicht für gut befunden worden seien. Auf Unterstellungen, die Verwaltung gebe den Stadträten hinsichtlich der Aussagen des Wasserwirtschaftsamtes falsche Auskünfte, konterte Weinl: „Ich habe es schriftlich, was nicht genehmigungsfähig ist.“ Heidinger verlangte mehrmals eine Sanierung der bröckelnden Mauer. Die Argumente dagegen nahm er nicht zur Kenntnis: „Uns wird hier was vorgegaukelt. Sie können mir nicht weismachen, dass alles andere nicht geht.“ Die Fachplaner hatten schon in vorangegangenen Sitzungen ausgeführt, dass die Mauer, die den Saunagarten zum Seeufer hin abstützt, unterspült ist und bröckelt. Sie lasse sich nur sanieren, wenn ein Fundament – die Rede war auch von Bohrpfahlgründung gewesen – unter das 30 Meter lange Mauerstück eingebracht werde. „Das kann nicht wirtschaftlich sein, ist ganz sicher extremst teuer“, antwortete Hochrein. „So etwas macht man nur bei denkmalgeschützten Gebäuden, nicht bei 30 Meter zerstörter Ufermauer“, ergänzte Weinl. Einem Abbruch und Neubau einer Mauer oder das Einbringen von Metall-Spundwänden hätten die Behörden als „senkrechtem Verbau“ keine Genehmigung in Aussicht gestellt.

Für Angelika Kammerl (DPF) ist Schilf vor dem Saunagarten „eine reine Geschmackssache“. Die Anpflanzung sei nicht zwingend. Sie hatte schon früher einen Schutz gefordert, der verhindert, dass sich Kinder, die vom großen Steg fallen, an den großen Steinen verletzen. Die Steine sollten das daneben liegende Schilffeld gegen Wellenschlag befestigen. Trotzdem die Planung um einen Handlauf auf dem Steg und eine Kiesüberdeckung für die großen Steine ergänzt wurde, lehnte sie „kategorisch“ ab: „Wir müssen eine preiswertere Lösung suchen, dürfen nicht Geschmacksfragen an erste Stelle setzen.“ Ihr hielt Weinl entgegen, richtig teuer werde es erst, wenn nächstes Jahr erneut eine Baustraße eingerichtet werden müsse, um die jetzt versäumte Maßnahme nachzuholen. Dann seien zudem die Baupreise gestiegen. Seiner Ansicht nach wäre die Schilffläche Teil des Gesamtkonzeptes Seebad gewesen. Gerd Weger (CSU) hatte damit aber „Probleme“: „Es ist die Frage, ob man Schilf hier wirklich künstlich aufbauen muss?“ Er fragte außerdem: „Warum ist die Planung schon vom Landratsamt genehmigt, wenn die Stadtratsgremien sie noch nicht gebilligt hatben?“ John erinnerte daran, dass es zwei zustimmende Bauausschussbeschlüsse gegeben habe. Für Franz Sengl (Grüne), der nach eigenen Worten das gesamte Projekt Seebad ablehnt, ist das Vorgehen der Verwaltung exemplarisch: „Nicht beachten, dass wir das entscheidende Gremium sind und immer wieder den gleichen Entwurf vorlegen. So macht man das nicht.“ Auch ihn erinnerte John an die vorangegangenen positiven Entscheidungen des Bauausschusses: „Mit 10:3 war es nicht mal knapp.“

FDP-Stadträtin Iris Ziebart appellierte mehrfach an die Kollegen, sich nicht in Befindlichkeiten zu verstricken. Die Stadt wolle doch im November das neue Bad der Öffentlichkeit präsentieren. Die vorgeschlagene Gestaltung sei Teil des Wettbewerbsergebnisses gewesen, dass alle gut gefunden hätten. Die Gretchenfrage sei doch nun, ob man zustimmen könne, bei der Eröffnung ein gutes Bild abzugeben. „Bei dieser Haltung hier kann es doch nur noch teurer werden. Lasst uns das bitte beschließen. Es ist doch unsere Aufgabe, Ergebnisse zu erzielen“, so Ziebart. Josef Pfister (BMS) verlangte namentliche Abstimmung: „Ich vermisse, dass wir etwas weiter bringen wollen.“ John mahnte angesichts tumultartiger Szenen bei der Frage, über was jetzt abgestimmt werden solle: „Der Beschlussvorschlag der Verwaltung gilt nicht mehr. Ich bitte um Vorschläge, wie wir das Problem lösen. Das ist Ihr Thema, nicht das der Verwaltung. Seit zehn Wochen flüchten Sie vor der Verantwortung.“ Sie unterbrach die Stitzung für eine kurze Beratungspause. Die nutzte Ziebart zu einem erkennbar intensiven Gespräch mit Ludwig Jägerhuber (CSU) und Weger. Bei der dann folgenden Abstimmung lag der hier erzielte Kompromiss zu Grunde, ein Schilffeld durch Wasserbausteine und Strauchweiden zu ersetzen. Christiane Falk (SPD), Sengl, Patrick Janik (UWG), Kammerl, Johannes Bötsch (BLS) und Heidinger stimmten dagegen.

John sagte nach der Abstimmung: „Ich glaube, Sie werden sich überzeugen können, dass das, was für die Besucher gemacht wird, gut wird.“ Sie dankte denen, die am Ende den Kompromiss ermöglicht hätten. Die Verwaltung hat nun den Auftrag, die Planung wie beschlossen umzusetzen.