Mehr oder weniger hat der Stadtrat nun doch den Beschluss des Hauptausschusses bestätigt. Die Stadt wird einen Straßenbauingenieur suchen und in Vollzeit einstellen. Sein Aufgabenbereich ist vielfältig. Er soll der „Kümmerer“ sein, den sich wie berichtet das Staatliche Bauamt Weilheim für die Zusammenarbeit zwischen Stadt und Behörde beim Bau des B2-Tunnels wünscht, soll die Ausschreibung für eine ortsferne Nord-Ost-Umfahrung vorbereiten, sich um den für das geplante erweiterte Gewerbegebiet in Schorn nötigen Autobahnanschluss kümmern und um das bereits im Bau befindliche Projekt Westumfahrung.

Wie berichtet hatte der Hauptausschuss die Einstellung bereits am 20. März mit 8:5 Stimmen befürwortet, somit zugestimmt, dass der Sperrvermerk für diese Stelle im Haushalt aufgehoben wird. Eine Woche später stellten jedoch die bei der Abstimmung unterlegenen Stadträte Michael Mignoli, Klaus Rieskamp (beide BLS), Tim Weidner (SPD) und Winfried Wobbe (UWG), unterstützt von den Ratskollegen Stefan Frey (CSU), Otto Gaßner (UWG), Christiane Falk (SPD) und Angelika Wahmke (BLS) den Antrag, der Beschluss möge im Stadtrat „nachgeprüft“ werden. Diese Möglichkeit besteht nach Artikel 32 der Gemeindeordnung. Zur Begründung hatten die obigen Stadträte laut Bürgermeisterin Eva John auf den von diesen Fraktionen initiierten Beschluss hingewiesen, Innenstadt-Verkehrsplanungen erst weiter zu führen, wenn man Erfahrung mit der Westumfahrung habe sammeln können (siehe Bericht unten vom 29. März 2017, John: ‚Die Stadt ist tot‘). Außerdem seien die Antragsteller der Ansicht, dass die personellen Kapazitäten des Rathauses bis 2018 ausreichend seien. Ihnen widersprachen sowohl John als auch Stadtbaumeister Stephan Weinl: „Wir sehen die Einstellung als dringend erforderlich an.“ Der scheidende Leiter der Weilheimer Behörde, Michael Kordon, habe deutlich gesagt, er wünsche sich einen Bauingenieur als Ansprechpartner. „Wenn Sie die fraglichen Projekte bearbeitet sehen wollen, müssen Sie auch für das nötige Personal sorgen. Das Staatliche Bauamt Weilheim macht es nicht anders (siehe Bericht vom 18. Mai 2017 „Tunnel: Baubeginn im Oktober“)“. Man habe in Starnberg zwar eine leistungsstarke Verwaltung, aber eben nur eine begrenzte personelle Kapazität. Zudem gebe es keinen Mitarbeiter, der im Straßenbau qualifiziert sei. „Das ist keine Aufgabe nebenbei“, warnte John.

Rieskamp legte einen offensichtlich unter den die Nachprüfung verlangenden Fraktionen abgestimmten Antrag mit eigenem Beschlussvorschlag vor. Demnach hätte kein Bauingenieur, sondern ein Projektkoordinator im mittleren oder gehobenen Dienst der Verwaltung gesucht werden sollen. Frey sprach von „einem verkehrlichen Handwerker, der nach außen kommunizieren kann“. Die ortsferne Umfahrung müsse ohnehin von einem externen Fachbüro bearbeitet werden. Gaßner war der Ansicht, die Arbeit solle niemand machen „der neu in der Stadt ist“. Neubauer stimmte der Bürgermeisterin zu, dass ein Verwaltungsangestellter der mittleren Ebene von seiner Qualifikation her kein technischer Ansprechpartner sein könne. Iris Ziebart (FDP) mahnte nochmals eindringlich: „Wenn unsere Planungen ein Mindestmaß an Erfolg haben sollen, sollten wir eine qualifizierte Kraft einstellen.“

Daraufhin wurde der Antrag von Rieskamp abgeändert zur Abstimmung gestellt: Der Stadtrat stimmt der Aufhebung des Sperrvermerkes zu. In einer öffentlichen Ausschreibung wird ein Straßenbauingenieur der dritten Qualifikationsebene (Fachhochschulstudium) gesucht. An der Abfassung des Ausschreibungstextes werden der Hauptausschuss und der Personalreferent des Stadtrates, Michael Mignoli, beteiligt. Wer von den Bewerbern am Ende das Rennen macht, entscheidet der Stadtrat.

Gegen diese Vorgehensweise stimmten nur Franz Sengl (Grüne) und die DPF (27:3).