Neun mögliche Standorte für das geplante neue Feuerwehrhaus in Wangen waren im Herbst letzten Jahres noch besichtigt worden. Seit Mittwochabend sind nur noch zwei davon im Rennen, nämlich der Kinderspielplatz in der Dorfmitte und das in Privatbesitz befindliche Areal des ehemaligen Gasthofes Holzeder mitsamt der Alten Schmiede an der Olympiastraße. Favorit der Feuerwehr selbst bleibt, das zeigte die Ortsteilbürgerversammlung am Mittwoch, der Standort Kinderspielplatz.

Dort gibt es jedoch ein Problem: Würde hier ein den Vorschriften genügendes neues Feuerwehrhaus gebaut, bliebe nur ein sehr beschränkter Teil des der Stadt Starnberg gehörenden Grundstücks für das Spielen der Kinder  übrig – noch dazu in einer Senke auf der vom neuen Gebäude verschatteten Nordseite. Bürgermeisterin Eva John sicherte den rund 50 zur Versammlung erschienen Wangenern zu, dass man ihre Anregungen mitnehme und Möglichkeiten zur Änderung der Planung prüfe. Mit dem Ziel, dass der Spielplatz so groß wie möglich bleibt. Auch will die Stadt das Raumprogramm für ein neues Feuerwehrhaus, das überwiegend durch gesetzliche Vorgaben bestimmt ist, nochmals intensiv mit den Aktiven diskutieren. Nach einem Zwischenbericht im Stadtrat über die Ergebnisse der nochmaligen Überarbeitung sollen die Wangener erneut ihre Meinung dazu sagen können. Erst wenn über den endgültigen Standort für das Feuerwehrhaus entschieden ist, kann der im Sommer 2015 begonnene Dorferneuerungsprozess abgeschlossen werden. Da die Wangener, die sich an dem Projekt beteiligt hatten,  das neue Haus mehrheitlich als künftiges Zentrum des Dorflebens gestaltet wissen wollten, kommt dem zu findenden Standort eine ganz besondere Bedeutung zu. Die Idealvorstellung sah so aus: Das neue Feuerwehrhaus auf dem Spielplatz in der Dorfmitte. Für Dorffeste sollten die Toiletten und eine kleine Teeküche mitbenutzt werden können. Gedacht war an Sommerfeste,  Christkindlmärkte und mehr.

Die Stadt hatte das Architekturbüro „baehr-rödel, necologix architects“ mit der Standortuntersuchung beauftragt. Architekt Nicolai Baehr erläuterte seine Ergebniss in der Bürgerversammlung in der Wangener Mehrzweckhalle. Vier Standorte waren bereits vor Beginn seiner Prüfung weggefallen, entweder mangels Eignung oder weil die Eigentümer signalisiert hatten, dass sie keine Flächen zur Verfügung stellen wollen. Neben den beiden obigen Standorten Spielplatz und Holzeder hatte Baehr noch die Varianten an der Buchendorfer Straße – „durchbricht die Ortskante“ -, am Ortseingang an der Olympiastraße sowie im Wasserschutzgebiet an der Neufahrner Straße – „in beiden Fällen stünde die Feuerwehr einsam und allein am Ortsrand“ – untersucht und aus den genannten Gründen gleich wieder verworfen. Was den geforderten Raumbedarf und die von der Feuerwehr selbst genannten Wünsche angeht, hielt er die Holzederfläche für geradezu ideal. Hier sei Platz zwei, wenn nötig später auch eine dritte Garage,  die nötigen Werkstatt- und Lagerflächen, den gewünschten Gemeinschaftsraum und auch noch zwei Wohnungen für aktive Feuerwehrler unterzubringen, noch dazu alles ebenerdig unter Nutzung der Bestandsgebäude. Besonderes Zuckerl: Das heute das Dorfbild prägende, aber kaum mehr betriebene Gasthaus könnte in seiner Erscheiungsform zur Olympiastraße erhalten bleiben, sogar die beiden Kastanien müssten nicht gefällt werden. Auch Stadtbaumeister Stephan Weinl machte keinen Hehl daraus, dass dies eine besondere Chance wäre. Er sprach sogar von einem „Glücksfall“, dass hier ein für Feuerwehrzwecke geeignetes Grundstück ohnehin eine neue Zukunft suche. Mit Blick auf die Lösung am Spielplatz warnte er: „Die Ortsmitte würde dann durch den Neubau und die großen Fahrflächen bestimmt, nicht mehr durch den heute grünen Spielplatz.“ Und für die Feuerwehr plane man doch jetzt für die nächsten 50 Jahre. „Beim Holzeder hat man halt gewisse Luft für Erweiterungen“, so Weinl. Im Hinterkopf haben er und der Kommandant der Wehr, Florian Feuerlein, die Ungewissheit, welche Anforderungen an die Wangener Wehr gestellt werden, wenn das Gewerbegebiet in Schorn wesentlich erweitert und in Starnberg der Tunnel gebaut ist.

Feuerlein hielt trotzdem am Favoriten Spielplatz fest: „Die Ortsmitte ist von allen Aktiven am schnellsten zu erreichen. Wenn wir bei der privaten Anfahrt zum Einsatz von der Wildmoos- in die Olympiastraße einmünden müssen – ohne Blaulicht, weil wir das auf unseren privaten Pkw nicht haben –  ist das eine Gefährdung für die vielen Radfahrer auf der Olympiastraße.“ Aus zahlreichen Äußerungen anderer Bürger wurde aber auch deutlich, dass ein ganz anderes „Gespenst“ in Wangen herumgeistert: Es wird befürchtet, die Stadt Starnberg könnte die Spielplatzfläche zu Wohnzwecken verkaufen. Angeblich habe es unter Bürgermeister Ferdinand Pfaffinger einen solchen Versuch gegeben, hieß es mehrfach. In dem Fall sei es besser, dieses Grundstück durch den Bau des Feuerwehrhauses auf immer für die Dorfgemeinschaft zu sichern. Aber nicht alle Wangener sind mit dieser Lösung einverstanden. Einige wollen den Spielplatz in seiner heutigen Größe erhalten. Bürgermeisterin Eva John konnte, wie bei früheren Versammlungen, auch diesmal nicht die Hand dafür ins Feuer legen, dass nicht ein späterer Stadtrat entscheidet, den Spielplatz zu versilbern. Ganauso wenig konnte sie aber versprechen, dass es mit dem Eigentümer des Gasthofs Holzeder zu einem Kaufvertrag zu Gunsten eines neuen Feuerwehrhauses kommen wird. „Da muss man erst einmal verhandeln“, sagte sie.