Einstimmig hat der Stadtrat entschieden, sich mit der im Rahmen des Projektes „Beteiligungsprozess zur Stärkung und Aktivierung der Innenstadt“ zusammengetragenen Ideensammlung – Vorschläge der Bürger, was wie in Starnberg besser werden sollte und könnte – zunächst in den einzelnen Fraktionen zu beschäftigen. Durchgeführt worden war das Projekt von dem österreichischen Architekten-Büro „nonconform“. Erst nach der Beratung in den Fraktionen will man über das weitere Vorgehen entscheiden. Es soll um die Frage gehen, was man kurz-, mittel- und langfristig umsetzen kann.

Etwa 1500 Ideen hatten Starnberger Bürger, Schüler und Passanten in den Ideenwerkstätten und über das Internet für die Zukunft der Stadt Starnberg samt der möglichen Überwindung heutiger Schwachstellen beigetragen. Katharina Forster von nonconform erläuterte den Beteiligungsprozess für die Stadträte noch einmal. Er hatte von Dezember 2016 bis März dieses Jahres stattgefunden (siehe Bericht vom 11. März 2017 „Festival der Ideen für die Innenstadt“). Dass die Stadträte mit den als dringlichste Wünsche genannten Dingen – neben Verbesserungen für Innenstadt und See – auch etwas zu tun haben könnten, schien in der Debatte  nur wenigen von Ihnen bewusst zu sein. Die Beteiligten hatten sich nämlich gewünscht: „Mehr zusammen, weniger getrennt“ und „Uns mehr wertschätzen“. Lediglich Winfried Wobbe (UWG) meinte: „Das ist eine wertvolle Sache, nichts für die Schublade.“ Michael Mignoli (BLS) kritisierte dagegen: „Eigentlich ist nur rausgekommen, was wir schon lange wissen. Wozu brauche ich das, wenn ich zur Zeit eh nichts ändern kann?“ Er verwies auf die offenkundig schwierigen Genehmigungen für Radfahrstreifen auf der Hauptstraße, die von ihm beantragte geänderte Ampelschaltung über die Münchner Straße beim Landratsamt oder die von der FDP schon mehrmals geforderten Sitzstufen am Schifffahrtssteg am Bahnhof See, die allerdings der Stadtrat immer wieder abgelehnt hatte. Gerd Weger (CSU) fehlte ebenfalls ein „Aha-Effekt“: „Das hat uns nicht viel weiter gebracht.“ Bürgermeisterin Eva John hielt dagegen: „Das sind Forderungen unserer Bürger. Es ist unsere Aufgabe, etwas daraus zu machen.“ Martina Neubauer (Grüne) stellte den Antrag, die Angelegenheit in die Fraktionen zu verweisen, danach einen Fachausschuss aus Stadträten zu bilden, der Strategien entwickeln könne. Jetzt sollte die Debatte aber beendet werden, forderte sie, was Protest der Kollegen hervorrief.

„Enttäuscht“ äußerte sich Christiane Falk (SPD): „Das sind ein paar nette Kindergartenideen.“ Sie grollt weiterhin mit der Bürgermeisterin, die wie berichtet den Beteiligungsprozess ohne vorherige Stadtratsentscheidung angestoßen hatte. „Ich möchte mitbestimmen wie so etwas abzulaufen hat und welche Ziele es haben soll“, sagte Falk aufgebracht. Franz Sengl (Grüne) empfahl Forster, sie hätte statt der gelben Bänder, mit denen im März auf die Ideenwerkstatt hingewiesen worden war, besser „rosarote“ nehmen sollen. Es gehe nämlich überhaupt nicht, wenn die Stadt zum Beispiel am Seespitz das „Starnberger Wohnzimmer“ – so lautete die zusammenfassende Forderung der Teilnehmer für den Seespitz – einrichten wolle. Schließlich gehöre der Grund der Bahn AG. Forster verteidigte das Prozedere: „Es ist trotzdem wichtig, sich auf kleine umsetzbare Dinge zu konzentrieren, damit die Starnberger sehen, dass etwas passiert.“ Otto Gaßner (UWG) relativierte: „Strategie kann nur sein, weiter an den großen Dingen zu arbeiten, und die Liebe zum Detail nicht aus den Augen zu verlieren.“ „Ohne Visionen kommt man gar nicht voran“, hielt Josef Pfister (BMS) den Kollegen vor. Es sei einmalig, dass die Bevölkerung auf diese Weise eingebunden worden sei. Der Stadtrat solle nun einen Entwicklungsbeirat bilden und überlegen, was sich umsetzen lasse. Auch Markus Mooser (WPS) fand es gut, dass man die Bürger nach ihren Ideen gefragt habe. „Lassen wir sie doch auch etwas umsetzen.“ Thomas Beigel (CSU) fand dagegen, die Ideen kämen fünf Jahre zu früh. Schließlich müsse zunächst die Innenstadt vom Verkehr befreit werden, und die Stadt müsse sich mit der Bahn geeinigt haben.