Das Wetter am Donnerstag war ideal, um einen Vorgeschmack darauf zu bekommen, was der ab Ende April in Betrieb gehende runderneuerte ehemalige Wasserpark – künftig „Seebad Starnberg“ – seinen Besuchern bieten wird. Bei Sonnenschein aus allen Knopflöchern und gigantisch schönem Blick auf den Starnberger See und die Alpen ist der Aufenthalt in der großen Schwimmhalle und den neuen Saunahütten, alle mit großen Glasfronten nach Süden, schon jetzt ein besonderer Genuss. Auch wenn sie noch Baustellen sind. Bürgermeisterin Eva John sagte beim Pressertermin: „Ich bin überglücklich, dass Starnberg eine solche Perle sein Eigen nennen kann.“

Die Werbung um alte und neue Kunden ist bereits gestartet. Eine kleine Broschüre wurde dieser Tage in Starnberg an alle Haushalte verteilt. Für die Bürgermeisterin und Betriebsleiter Christian Herrmann Anlass, das vom Stadtrat beschlossene neue Betriebskonzept sowie die künftige Preisgestaltung des Bades der Öffentlichkeit vorzustellen. Außerdem ist auch schon die neue Internetseite online: http://www.seebad-starnberg.de. Dort kann man, falls man noch ein Weihnachtsgeschenk sucht, jetzt bereits Gutscheine für Seebad-Besuche selbst ausdrucken und erwerben.

Die Schwimmhalle wird täglich von 10 bis 21 Uhr und an drei Tagen pro Woche zusätzlich für Frühschwimmer ab 7 Uhr, am Wochenende und an Feiertagen von 9 bis 19 Uhr geöffnet sein, damit länger als der ehemalige Wasserpark. Herrmann kündigte an, bei schönem Wetter auch flexibel länger offen halten zu können. Die Saunazeiten sind täglich von 10 bis 22 Uhr. Montags ist Damen-Saunatag und jeden ersten Freitag im Monat kann man die „lange Sauna-Nacht“ genießen. Die Anlage schließt dann erst um 24 Uhr. Für Schulen und Vereine, wie zum Beispiel die Wasserwacht, die während der Wintermonate im Wasserpark ihr Training absolviert und ihre Rettungsschwimmerausbildung abgehalten hatte, werden laut John ausreichend Nutzungszeiten eingeplant, teils zur Alleinnutzung des Bades, teils zur parallelen Nutzung mit der Öffentlichkeit.

Die Eintrittspreise liegen deutlich unter denen anderer Schwimmbäder in der Umgebung. Der Sport- oder Abendtarif (maximal für 90 Minuten) kostet 3,50 Euro, die Tageskarte für Erwachsene 6 Euro. Es soll Mehrfach-, Familien- und Sommersaisonkarten geben. Jugendliche und Schwerbehinderte erhalten Ermäßigung. Die Saunapreise beginnen bei 19,50 für vier Stunden. Tages- und Mehrfachkarten gehören zum Konzept. In Ausarbeitung sind noch zusätzliche Kursangebote von Aquapower bis Schwimmkurse und Seniorengymnastik. Kindergeburtstage lassen sich wie früher im Wasserpark auch im neuen Seebad organisieren. Das alles wird, wenn es soweit ist, online buchbar sein. Bei den Preisen handelt es sich um Komplettangebote: Wer in die Sauna geht, kann auch die Schwimmhalle oder das Außen-Strandbad nutzen, wenn er den Saunatarif bezahlt hat. Wer nur die Schwimmbecken und Rutschen als Ziel hat, darf bei entsprechender Witterung auch das Strandbad nutzen. Allen offen stehen Besuche in der jetzt vergrößerten Gastronomie mit großer Sonnenterrasse, von der man einen Superblick Richtung See und Berge hat, sowie die Kioske für Innen- und Außenbereich und natürlich auch die ansprechend geplanten Aufenthalts- und Ruheräume.

John, Herrmann und Stadtbaumeister Stephan Weinl lobten das neue Konzept des Foyers des Seebades, von dem aus alle Nutzungseinheiten gemeinsam erschlossen werden. Ein 22köpfiges Mitarbeiterteam soll laut Herrmann mit rundum persönlicher Betreuung für das Wohlbefinden der Gäste und ihre gute Orientierung im Bad sorgen. Vom Wasserpark gebe es bereits 15 Mitarbeiter, die seit Beginn der Bauarbeiten im Oktober 2015 in anderen Einrichtungen der Stadt beschäftigt gewesen seien. Sieben Mitarbeiterstellen seien derzeit ausgeschrieben, wobei es Herrmann, der 35 Jahre Wasserpark-Erfahrung mitbringt, als sehr schwierig bezeichnete, gute Fachangestellte für den Bäderbetrieb zu finden. Gefühlt sei ganz Bayern auf der Suche. 800 Stellen seien im Freistaat derzeit unbesetzt. Der Betriebsleiter hofft: „Die gute Lage, und dass unser Bad ganz neu ist, zieht vielleicht.“

Laut Bürgermeisterin sind die Baukosten, wie sie es schon in der Bürgerversammlung genannt hatte, von der ersten Prognose vor der Detailplanung 19 Millionen Euro auf die jetzt für die Schlussrechnung prognostizierten 22,5 Millionen Euro gestiegen. Den von einzelnen Stadträten mehrfach angemahnten Bericht dazu im Ratsgremium habe dieses selbst inzwischen sechs mal vertagt. Als Gründe für die Kostenssteigerungen gab John die Hochkonjunktur im Baugewerbe mit teils deutlich überhöhter Angebotsabgabe an, ebenso unvorhergesehene Abbruchmaßnahmen und Altlastenbeseitigungen (900000 Euro), eine nötige Planänderung – Verzicht auf einen Fitnessraum zu Gunsten einer Erweiterung der Gastronomie – sowie die durch alle diese Steigerungen auch höher ausfallenden Planerhonorare. Weinl sprach von einer „moderaten“ Kostensteigerung: „Da gibt es in Bayern ganz andere Beispiele.“ Es sei normal, dass bei  einem bis zum letzten Tag betriebenen Bad beim Abbruch bis auf den ehemaligen Rohbauzustand Unvorhergesehenes auftauche. Eigentlich bestand ursprünglich die Absicht, schon in diesem Herbst das Seebad zu eröffnen, doch habe sich dies durch überraschend aufgetretene Schäden am nicht erneuerten Dach sowie großen Schwimmbecken und andere nicht vorhersehbar gewesene Ereignisse nicht halten lassen. Herrmann erläuterte, wo an den Becken der Untergrund samt Fliesen erneuert werden müssen. Stolz sind er und die Bürgermeisterin auf die Barrierefreiheit des Bades.

Fast fertiggestellt ist inzwischen auch die umstrittene Ufermauer (siehe Ufermauer: Die 4. Runde und Ufermauer: Knappes Ja) vor den Saunahütten. Sie kostet, wenn auch die Treppenanlage mit Natursteinstufen in den See und die begeleitenden Grünplanungen rechts und links des Saunastegs abgeschlossen sind, 225000 Euro. Dieser Betrag ist noch nicht in den Gesamtkosten enthalten, wohl aber die Kosten der Außenanlagen.

Johns Fazit: „Die Abwägung Sanierung und moderate Erweiterung des alten Wasserparks statt Neubau eines Schwimmbads ist richtig gewesen. Man hätte ansonsten auch ein Problem mit der Gründung eines neuen Bades auf dem Seeufergrundstück bekommen.“ Das habe schon die geringfügige Erweiterungsmaßnahme gezeigt. Fachleute hätten der Stadt übrigens geraten, sehr bald über eine nochmalige Erweiterung des Saunabereiches nachzudenken. Sie erwarteten einen Besucheransturm. Man kann es sich gut vorstellen: In den drei hinsichtlich Temperatur (30 bis 90 Grad) und Art der Aufgüsse unterschiedlichen Saunahütten hat jeder einen gigantischen Ausblick auf den Starnberger See und die Alpen, wenn sie sich zeigen. Dazu mit Naturmaterialien gestaltete Aufenthalts- und Ruheräume, Tauchbecken und natürlich blickgeschützem Zugang zum See dürfte das ein Renner werden, nicht nur bei den Starnbergern. Das wiederum ist dann gut für den Stadtsäckel.