Alexander Walther, Diplomingenieur und Architekt, hat Bürgermeisterin Eva  John in Kenntnis gesetzt, dass er sich weitreichend die Urheberrechte an der von ihm entwickelten Idee „Seetunnel“ –  eine unterirdische Trasse für die Bundesstraße 2 und die Gleise der Deutschen Bahn  durch die nördliche Bucht des Starnberger Sees – gesichert hat. Laut seinem Schreiben an John, das dem Blog vorliegt, will Walther auf diese Weise „für klare Verhältnisse sorgen und etwaige Begehrlichkeiten von Dritten bezüglich alternativer Planungsvorschläge zu einem Seetunnel verhindern“. Die Bürgermeisterin bittet er, ihn zu informieren, sollten solche Alternativprojekte, die „im“ Starnberger See verlaufen, in Starnberg auftauchen.

Walther ist nicht der Einzige, der sich die eigene Idee für eine technische Lösung einer Starnberger Seeanbindung urheberrechtlich sichern lässt. Wie berichtet, hat sich auch UWG-Stadtrat Otto Gaßner seine Vorschläge, die jedoch nur die Bahnanlagen am Seeufer betreffen, ebenfalls urheberrechtlich sichern lassen (siehe Geschichte der Seeanbindung). Was den Straßenverkehr angeht, hat sich die Stadtratsmehrheit aus CSU, UWG, Grünen, SPD, DPF und Teilen der BLS im Februar 2017 darauf festgelegt, dass der seit 2008 rechtskräftige Planfeststellungsbeschluss für den B2-Entlastungstunnel in den tatsächlichen Bau dieses Projektes münden soll. Laut Staatlichem Bauamt Weilheim beginnt man im Juli  mit den Arbeiten an der „Zulaufstrecke Nord“ zum Tunnel. Das Projekt war und ist seit Jahrzehnten in der Starnberger Bürgerschaft umstritten. Bei der letzten Kommunalwahl hatten die Wähler für eine Mehrheit pro Bau einer Umfahrung statt des Tunnels votiert. Fünf Stadträte stimmten jedoch im Februar 2017 entgegen dem Mandat, das ihnen ihre Wähler erteilt hatten, für den Bau des B2-Tunnels. Der verläuft grob skizziert ab der Bahnüberführung auf der Höhe des McDonalds unter der heutigen Münchner Straße und dem Schlossberg hindurch und kommt auf Höhe der Einmündung der Franz-Heidinger-Straße in die B2 wieder an die Oberfläche. Ein Bürgerbegehren gegen den Tunnelbau hat die obige Stadtratsmehrheit nicht zugelassen. Bürgerinitiativen haben dagegen geklagt. Die Entscheidung des Verwaltungsgerichtes steht noch aus. Die Gleisverlegungspläne nach Gaßners Vorstellungen, die bekanntlich in den von ihm im Auftrag der Stadt 1987 ausgehandelten Verträgen zwischen Stadt und Bahn niedergelegt worden sind, scheinen derzeit vom Tisch zu sein. Zumindest ist keine Stadtratsmehrheit dafür erkennbar. Stadt und Bahn haben sich kurz vor Weihnachten auf ein gemeinsames Schlichtungsverfahren verständigt, an dessen Ende eine Vereinbarung stehen soll, was an den Bahnanlagen am See verändert werden kann und wer dafür aufkommt.

Zum Nachweis seiner Urheberschaft hat Walther bei einem international anerkannten Notar diverse Zeichnungen, Pläne, Anlagen und Schriftverkehr zum Seetunnel hinterlegt. Seiner Ansicht nach wird sich irgendwann die Auffassung durchsetzen, dass die Missstände der Stadt Starnberg durch die besondere Lage am See nicht mit einem Kurztunnel für die Bahn beheben lassen. Dem widersprächen schon lange Rampen und hässliche Schächte in Verbindung mit einer zwei Meter hohen Geländeanhebung im Bereich des Seebahnhofs, schreibt er. Den B2-Entlastungstunnel für den Autoverkehr hält der Ingenieur für eine „vollkommen desaströse Planung“. Er verweist erneut darauf, dass Johns Amtsvorgänger seinen Seetunnel mit falschen Gutachten zu den Bodenverhältnissen und falschen Angaben zu den Tunnellängen zu teuer gerechnet hätten (siehe Seetunnel: “Totkalkuliert” ?). Damit hätten diese „Starnbergs Bürger und eine ganze Region um ihre Zukunft gebracht“. Wer den Straßen-Tunnel nicht gewollt habe, dem sei nichts anderes übrig geblieben, als sich dem alternativen Projekt einer Umfahrung anzuschließen. Von diesem hält Walther aber nichts: Zu lang, unglaublicher Naturverbrauch, sinnlose Verschwendung von Treibstoffen und gravierende Luft- und Umweltverschmutzung, schreibt er. Eine Kosten-Nutzen-Analyse werde das Projekt nicht überstehen. Sinnvoll sei eine Verkehrsentlastung seiner Meinung nach nur dort, wo sich Verkehr und Stau befinden, also an der Engstelle, an der Autos den Starnberger See passieren wollen. Der Seetunnel sei die kürzeste Verbindung der Hauptachse zwischen der nördlichen und südlichen Stadteinfahrt. Er könne – ohne dass Baustellen den heutigen Verkehrsfluss, Leitungen und Grundwasserströme beeinträchtigen oder zu Setzungen an der Oberfläche führen – gebaut werden. Die Baustelle im See lasse sich kostengünstig für Bahn und Straße errichten. Nichts müsse teuer unter „rollendem Rad“ gebaut werden.

Für Walther ist klar: Der Bund, der nur die eigenen Bundesstraßen verkehrsflüssig halten wolle, „hat keinerlei Interesse daran, die verkehrliche Situation in Starnberg selbst mit seinem Tunnelbauwerk zu verbessern“. Er werde sich also auch keine weitreichenden Gedanken über die verkehrliche Entlastung der gesamten Innenstadt mit Anbindung der Maximilianstraße und der Seepromenade machen. Dies sei ausnahmslos Aufgabe der Stadt. Er sei der „festen Überzeugung“, dass eine solche Entlastung nur über einen Seetunnel möglich sei und die oberirdische Veränderung der Bahntrasse keine Lösung sein werde. Die Sicherung seiner Urheberrechte sei bereits erfolgt, teilt Walther der Bürgermeisterin mit.