Stundenlang hat der Bauausschuss über den Bauantrag für den Neubau eines Wohn- und Geschäftshauses an der Hauptstraße 12 – südlich des Alten Rathaus, in dem sich die Stadtbücherei befindet – debattiert. Grund: Die Bauherren und Architekten haben zwar die Vorgaben des rechtskräftigen Bebauungsplanes mustergültig eingehalten, doch eine für mehrere Stadträte schwierige Gestaltung gewählt. Nach dem Abriss des heutigen alten Hauses soll dort ein in der Form ähnlicher Baukörper entstehen, mit einer Putzfassade in unterschiedlichen Strukturen, doch – und jetzt kommt es – mit einem Dach aus goldfarbenen Schindeln und einer ebensolchen Wandverkleidung am Giebel und dem zur Hauptstraße gerichteten obersten Geschoss. Fensterlaibungen und Markise würden, so zeigte es zumindest die Skizze des geplanten Hauses, farblich angepasst gestaltet. Um es vorweg zu nehmen: Eine Entscheidung fiel nicht. Auf Antrag von Annette von Czettritz (Grüne), die selbst Architektin ist, findet vor der nächsten Bauausschusssitzung eine Ortsbesichtigung statt, bei der Bauherren und Architekten mit technisch aufbereiteten Skizzen, eventuell Fotomontagen, noch genauer zeigen sollen, wie man sich den Neubau vorstellen muss. Die Abstimmung dafür fiel mit großer Mehrheit aus.

Würden die Pläne realisiert, bekäme das neue Haus auch eine Tiefgarage. Die Mauer zur Hauptstraße fiele weg, das Erdgeschoss mit zwei Ladeneinheiten und dem Hauseingang würde dann nicht mehr erhöht, sondern auf dem Niveau der Straße liegen. Die Wandhöhe hier betrüge 10,80 Meter (vier Geschosse). Am Aufgang zum Vogelanger müsste eventuell auf die heute neben dem Altbau vorhandene Treppe verzichtet werden, um weiterhin eine ausreichend breite Auffahrt zum hinter dem Bau liegenden, der Stadt gehörenden Mehrfamilienhaus zu ermöglichen, in dem früher der Seniorentreff untergebracht war.

Hier ein paar Reaktionen, die sich in erster Linie auf die Gestaltung des Neubaus bezogen: „Ungezogen, für die Hauptstraße erwarte ich etwas anderes.“ (Gerd Weger, CSU) – „Einfach rücksichtslos gegenüber den sonstigen Gebäuden an der Hauptstraße.“ (Otto Gaßner, UWG) – „Dieses Goldrahmenmodell passt nicht zum Alten Rathaus. Man darf die Hauptstraße von Starnberg nicht zum Jahrmarkt machen.“ (Angelika Kammerl, DPF) – „Kann man gestalterisch einwirken? Der Bau sollte die Straße schön machen, nicht greislich.“ (Christiane Falk, SPD) – „Wir haben die Möglichkeit einzugreifen, wo Blendwirkungen von der Schindelfläche ausgehen.“ (Günther Picker, WPS) – „Ich halte den Entwurf auch für etwas misslungen.“ (Ludwig Jägerhuber, CSU).

Aber es gab auch andere Reaktionen: „Der Wegfall der Stützmauer ist ein ganz großer Gewinn, weil mehr Platz für Fußgänger entsteht. Es kann nicht jedem alles gefallen. Man muss einem Bauwerber Freiheit bei der Gestaltung lassen.“ (Iris Ziebart, FDP) – „An das goldene Dachl in der Mximilianstraße haben wir uns doch auch gewöhnt.“ (Anton Summer, BMS) – „Sie müssen sich auch überlegen, was da sonst noch hätte entstehen können. Die Bauherren sind so ehrlich und fordern uns zur Diskussion heraus. Dabei hätten sie die geplante Gestaltung hier gar nicht zeigen müssen. Wenn wir weiter nur 08/15-Fassaden bauen, dann schaut unsere Stadt halt auch so aus wie es hier ausschaut.“ (Annette von Cettritz, Grüne).

Bestrebungen, den Bebauungsplan zu ändern, was Gaßner forderte, lehnten Bürgermeisterin Eva John und Ziebart sowie Stadtbaumeister Stephan Weinl ab. „Der persönliche Geschmack darf uns nicht leiten. Es geht nur um die Frage, ob die Vorgaben des Bebauungsplanes eingehalten sind, und das ist hier der Fall“, sagte John. Weinl unterstrich: „Das ist kein städtebaulicher Missgriff.“ Gaßner hätte sich gewünscht, dass im südlichen Teil des Grundstücks das Haus verlängert wird, somit eher eine geschlossene Häuserfront entlang der Hauptstraße entsteht. Dem widersprach Ziebart vehement: „Wir haben uns seit Jahren bemüht, die Starnberger charakteristischen Bebauungsgrundlagen zu erkunden und herausgefunden, dass das die offene Struktur ist. Sie wollen jetzt das Alte Rathaus zwischen zwei durchgehende Zeile einzwängen. Das ist nicht zielführend. Dagegen könnte der Bauherr den Rechtsweg beschreiten.“ Von Cettritz bat die Ratskollegen, bis zum Ortstermin mit dem Handy in Starnberg Häuser zu fotografieren, die man sich an der fraglichen Stelle vorstellen würde. „Mir läge viel an guter Gesprächs- und Baukultur“, sagte sie.