Sechs Mal stand der Bericht zum Stand, den Kosten und Terminen des künftigen Seebades laut Bürgermeisterin Eva John am Montag auf der Tagesordnung des Stadtrates oder Ausschusses. Zum vierten Mal waren die Architektin und der Projektsteuerer deshalb in die Abendsitzung eingeladen worden. Jedes Mal mussten sie unverrichteter Dinge wieder abreisen, weil der Stadtrat durch Änderungen an der Tagesordnung oder schlichte Vertagung den Punkt nicht abarbeitete. Jetzt wollte Angelika Kammerl (DPF) dieses Vertagen wie berichtet erneut durchsetzen (siehe Der Stadtrat und die Tagesordnung). John wies eindringlich darauf hin, dass das wieder mit Kosten verbunden sein werde, denn den Gästen entstehe finanzieller Aufwand, den die Stadt zu ersetzen habe. „Ich habe kein Verständnis“, sagte die Bürgermeisterin. Michael Mignoli (BLS) erkundigte sich, ob Fristen zu beachten seien, bei der Ufermauer im Saunabereich des Seebades, die im folgenden Tagesordnungspunkt behandelt werden sollte, den Kammerl aber ebenfalls vertagen wollte. John verneinte: „Es wird weiter gebaut.“ Josef Pfister (BMS) erinnerte daran, dass es der Stadtrat selbst sei, der immer wieder aus Gründen der Transparenz die Sachsstandsberichte gefordert habe. Otto Gaßner (UWG) schlug vor, die Angelegenheit als Punkt eins in einer kürzeren Sitzung anzusetzen, was John mit der Aussage: „Tagesordnungen werden durch Verschieben nicht kürzer“ quittierte. Markus Mooser (WPS), erinnerte daran, dass bereits einmal eine Sondersitzung zu dem Thema terminiert war, die dann abgebrochen werden musste, weil die Grünen eine öffentliche statt nichtöffentliche Behandlung durchsetzten, die Öffentlichkeit an dem fraglichen Tag aber gar nicht eingeladen war. Mooser warf den Kollegen vor, zu Lasten der Starnberger Bevölkerung „massiv gegen das Projekt“ vorzugehen. Thomas Beigel (CSU) war dagegen der Ansicht, der Stadtrat benötige zwei bis zweieinhalb Stunden für die Diskussion der Punkte und forderte die Bürgermeisterin auf: „Planen Sie eine Sitzung, die machbar ist. Eine eigene Sitzung für diesen Punkt.“ Dennoch wurde Kammerls Antrag mit 14:15 Stimmen abgelehnt.

Die Bürgermeisterin resümierte, was seit der Schließung des Wasserparks am 30.9 2015 geschehen sei, welche Arbeiten abgeschlossen sind – zum Beispiel der Innenausbau der neuen Saunen – , erinnerte an außerplanmäßige Kosten durch die erst spät erkennbar gewordenen Schäden am Dach und am großen Schwimmbecken, und zeigte die Kostenentwicklung auf. Die Steigerung von 19 auf 22,5 Millionen Euro sei unter anderem dem öffentlichen Vergaberecht geschuldet. „Wir konnten nicht immer den günstigsten Bieter nehmen.“ Wegen der Hochkonjunktur am Bau habe man überhöhte Ausschreibungsergebnisse erhalten und teils lange auf Zulieferungen warten müssen, unerwartet seien Altlasten im Boden, der für eine Erweiterung vorgesehen war, aufgetaucht und ebenso nicht eingeplante Abbruchkosten. Als Folge erhöhten sich auch die Planungskosten für das Projekt. So habe der Eröffnungstermin vom Herbst 2017 auf Ende April 2018 verschoben werden müssen. „Momentan befinden wir uns in der Phase der Fertigstellung, Reinigung, Inbetriebnahme und Mitarbeiterschulung“, so John. Beigel hatte Detailfragen zur Abrechnung und monierte, nicht alle Beträge seien in der dem Stadtrat zur Verfügung gestellten Liste enthalten. Der Vertreter des Projektsteuerungsbüros versicherte, man könne jeden Cent belegen. Trotzdem stellte Ludwig Jägerhuber (CSU) den Antrag, den Tagesordnungspunkt Seebad zurückzustellen, bis eine vollständige Liste zur Kostenverfolgung vorliege. Die Mehrheit war dafür (20:9). Kammerl unkte: „Die  22,5 Millionen sind falsch, weil die schon Ende September genannt worden sind.“

In Sachen Ufermauer (siehe Ufermauer: Knappes Ja), berichtete John, sei der Auftrag sofort nach dem Beschluss des Bauausschusses vom 6. April 2017 an die Baufirma erteilt worden. Die Firma meldete laut John dann aber Bedenken an. So wie geplant, werde die neue Mauer den Wasser- und Windverhältnissen in der Starnberger Bucht nicht gerecht werden. Umplanungen wurden erforderlich. Zum Beispiel ist nun eine Betonplatte nötig, auf der die Treppe von den Saunen zum See gegründet wird. Um auch bei Stürmen auf der sicheren Seite zu sein, wählte man zudem eine andere Verankerung der Sitzstufen. Das alles erforderte eine neue wasserrechtliche Genehmigung, die erst Anfang Okober vorlag. Seit Ende Oktober wird nun gebaut. Aber die Ufermauer hat sich dadurch verteuert, und zwar um rund 60000 Euro.  „Die Hälfte der Leistung ist derzeit erbracht“, so John. Kammerl fand das alles „mehr als merkwürdig“ und plädierte dafür, nichts zu verabschieden, da der Stadtrat dafür konkrete Summen benötige. Martina Neubauer (Grüne) kritisierte, dass der Bauausschuss nicht früher informiert worden sei. Gerd Weger (CSU) regte sich auf, anfangs habe es geheißen, das sei alles ganz dringend, weshalb der Beschluss, das Geld für die Mauer frei zu geben, unter Zeitdruck gefällt werden musste. Er fühlte sich „vergackeiert“. Franz Heidinger (BLS) war der Meinung, die Planer müssten die Mehrkosten jetzt tragen, denn der Bauausschuss habe von Beginn an Zweifel gehabt, dass die Gründung der Treppe funktioniere. Franz Sengl (Grüne) fand, es sei ein Witz, sich erst so spät Gedanken über die Gründung zu machen. Christiane Falk (SPD) bezeichnete es als „dramatisch“, dass die Stadträte im April einen Beschluss unter Zeitdruck hätten fassen müssen, obwohl es keine Baugrunduntersuchung gegeben habe. Sie befand: „Das Vertrauen ist damit verwirkt.“ In wen, sagte sie nicht, stellte aber den Antrag, den Punkt zu verschieben, bis eine Liste mit den geplanten Zahlen und den Ist-Zahlen den Stadträten vorliege. Die Mehrheit aus CSU, UWG, Grünen, SPD, BLS und DPF unterstützte dies. Bisherige und neue Kosten lagen den Stadträten jedoch zur Sitzung vor.