Im Rahmen eines Pressetermins haben der neue Erste Kommandant der Starnberger Feuerwehr, Markus Grasl, sein Stellvertreter Maximilian Maenner sowie der Feuerwehrreferent des Stadtrates, Franz Heidinger (BLS), erläutert, was sich seit Amtsantritt der neuen Führungsriege am 1. Februar schon getan hat und künftig noch tun sollte, damit die ehrenamtlich arbeitende Truppe ihre Aufgaben umfassend und gemäß dem gesetzlichen Auftrag erfüllen kann. Deutlich wurde dabei, dass die Stadtführung mehr als in den vergangenen Jahrzehnten mithelfen muss, dass ausreichend Personal für die Freiwillige Feuerwehr bereit steht, notfalls durch Einstellung von hauptberuflichen Kräften oder durch Gründung von Zweckverbänden in Zusammenarbeit mit Nachbargemeinden. Doch zuvor soll noch versucht werden, bei Behördendienststellen vor Ort Freiwillige mit Interesse an diesem Ehrenamt zu finden. Öffentliche Arbeitgeber müssen diese nämlich für den Dienst und die Ausbildung freistellen. Auf dem freien Arbeitsmarkt ist das nicht so. Da kommt es auf den „Good Will“ des Arbeitgebers an. Vielfach haben Feuerwehrangehörige hier berufliche Nachteile wegen Fehlzeiten im Betrieb. Und auch die Feuerwehr selbst will Aus- und Weiterbildung familienfreundlicher organisieren, also die Schulungen mehr während der Woche tagsüber anbieten. Derzeit ist noch ein Fragebogen bei den Mitgliedern im Umlauf, auf dem sie ihre Wünsche, Kritik und Anregungen vorbringen können. Das Ergebnis soll Eingang finden in die neue Führungsstruktur, die ab 1. April gelten soll.

Laut Grasl will man vom pyramidenförmigen Führungsmodell weg, hin zu einem Kreisführungsmodell, was bedeutet, dass der Erste Kommandant in der Mitte aller anderen Führungsebenen steht. Um die Aufgaben im Innendienst besser schultern zu können, wünsche man sich, einen Dritten Kommandanten benennen zu können. Kommissarisch übernehme vorerst Andreas Kraus, ein erfahrener Feuerwehrmann, die Vertretung der beiden Kommandanten. Der Stadtrat müsse diesen aber noch bestätigen, sollte er die Entscheidung mittragen. Jeder Kommandantenbereich habe dann ganz unterschiedliche Aufgaben. Ziel sei aber auch mehr und intensiverer Kontakt zu den einzelnen Mitgliedern der Wehr, damit die besser über alle Entscheidungen informiert seien und ihre eigenen Bedürfnisse besser berücksichtigt werden können. Auf diese Weise könnten Wünsche hinsichtlich Lehrgängen und Aufgaben viel besser erfüllt werden, und das Verhältnis der Mitglieder verschiedener Ebenen zueinander wäre besser.

Grasl widersprach Aussagen, die Starnberger Feuerwehr sei personell wieder auf der Höhe. Laut Feuerwehrgesetzt benötige man entsprechend des zu schützenden Gebietes 114 Aktive, um den vorhandenen, gut ausgestatteten Fuhrpark bedienen zu können. Aktuell seien aber nur 43 Erstmitglieder, davon nur 16 Atemschutzgerätetaugliche, einsatzfähig. Diese hätten, wenn vom Alarm der Piepser zum Einsatz gerufen, mit den verschiedendsten Problemen zu kämpfen, auf die bei der künftigen Organisation eine Antwort gegeben werden müsse. So arbeiten viele von ihnen tagsüber in München, so dass bei Tagesalarmen  zu wenig Einsatzkräfte zur Verfügung ständen. Bei den Atemschutzgeräteträgern meldeten sich immer weniger, weil die körperlichen und einsatztechnischen Anforderungen enorm gestiegen seien, bis hin zum nötigen medizinischen Nachweis der Leistungsfähigkeit. Je nachdem wo die Aktiven wohnen, haben sie vor allem in der Hauptverkehrszeit enorme Probleme, in Starnberg überhaupt zum Feuerwehrgerätehaus in der Rheinlandstraße durchzukommen, zum Beispiel morgens vom Waldspielplatz her oder über den Hanfelder Berg. Die künftig zu erwartenden Baustellen für den B2-Tunnel könnten das Problem weiter verschärfen. An Wochenenden und Feiertagen seien auch aktive Feuerwehrleute nicht nur zu Hause, sondern gingen ihrer Freizeitgestaltung abseits Starnbergs nach, so dass auch deshalb die Ausrückstärke oft reduziert sei. Kurz gesagt, mit der vorhandenen Personaldecke lasse sich die nötige Einsatzstärke nur durch die gleichzeitige Alarmierung von Ortsteilfeuerwehren sicher stellen. Schließlich ist die gesetzliche Hilfsfrist einzuhalten. Die bedeutet, dass die Einsatzstaffel innerhalb von längstens zehn Minuten nach Eingang der Meldung am Schadensort sein muss. Grasl erwartet ein Verkehrsgutachten von der Stadt, als Grundlage für die Alarmierungsplanung. Die neue Mannschaft wünscht sich zudem als kurzfristige Maßnahme einen dritten Feuerwehrstandort, an dem eine sechs Mann starke Staffel für einen Tageseinsatz  bereit steht – am städtischen Betriebshof. Das sei bereits beim Rathaus angestoßen, sagte Grasl. Bisher ist nur am Starnberger Gerätehaus und in Söcking das Personal dafür ausreichend. Die eigenen Werbeaktionen der Feuerwehr hätten bisher nicht den gewünschten Erfolg gebracht, bedauern die Kommandanten. Deshalb müssten jetzt andere Wege beschritten werden, um möglichst zu erreichen, dass ein Prozent der Bevölkerung bei der Feuerwehr Dienst tun. Notfalls erlaube das Bayerische Feuerwehrgesetz aber auch die Heranziehung von Bürgern zum Dienst oder die Gründung einer Pflichtfeuerwehr.

Als mittelfristige Maßnahme hat Heidinger im Januar bei der Bürgermeisterin die Erstellung eines Brandschutzbedarfsplans beantragt. Diesen in Auftrag zu geben, ist eine Entscheidung des Stadtrates. Der Plan liefere dann die Grundlage, wie die Struktur der Feuerwehr am besten aufzubauen ist. „Der kostet richtig viel Geld“, so Heidinger. Er sei aber nötig, weil Starnberg immer weiter wachse und große Projekte wie der B2-Tunnel oder das erweiterte Gewerbegebiet in Schorn anstünden. Außerdem gebe es auch bisher schon mit dem Klinikum eine wichtige Aufgabe. Heidinger glaubt persönlich, dass in Wangen gerade die falsche Entscheidung hinsichtlich des dortigen neuen Feuerwehrgerätehauses getroffen werde. Die Lösung auf dem Spielplatz in der Ortsmitte sei nicht die richtige Antwort auf die Anforderungen der Zukunft. Der dortige Kommandant  Florian Feuerlein hatte wie berichtet ebenfalls über zu wenig Aktive geklagt und deshalb für ein kleineres Feuerwehrhaus in der Ortsmitte plädiert. Heidinger empfiehlt, mit der Standortentscheidung zu warten, bis der Bedarfsplan vorliegt. Grasl glaubt, dass die Argumentation gegenüber dem Kreisbrandrat und den politisch Verantwortlichen leichter fällt, wenn „Zahlen, Daten, Fakten“ in Form des Brandschutzbedarfsplans auf dem Tisch liegen. Er rechnet, dass dessen Erstellung zwei Jahre dauern wird. Als weitere mittelfristige Maßnahme wird die Einrichtung von drei Planstellen im mittleren feuerwehrtechnischen Dienst für eine Ausbildungsoffensive genannt. Denn die Ausbildung soll deutlich verbessert werden. Die Stellen wären beim Rathaus angesiedelt. Als langfristige Lösung müsste der neue Bedarfsplan dann aller fünf Jahre fortgeschrieben, eine Organisationseinheit Feuerwehr bei der Stadt Starnberg angesiedelt und Tagesdienst-Planstellen im feuerwehrtechnischen Dienst geschaffen werden. Die Verantwortlichen betonten: „Die Festlegung der Ausstattung der Feuerwehren unterliegt dem politischen Willen und letztlich der Verantwortung der Stadtverwaltung und des Stadtrates. Wir sind absolut unpolitisch.“ Würden Mängel offensichtlich, habe die Kommune die Verpflichtung laut Bayerischem Feuerwehrgesetz, die Mängel zu beseitigen. Zu berücksichtigen sind bei der Bedarfsplanung sowohl die Einsätze bei Brand, nach Naturereignissen und anderen technischen Gefährdungen, Gefahren, die vom Wasser ausgehen, sowie durch Gefahrstoffe (ABC-Gefahren) je nach Gefährdungsklasse der Stadt oder Gemeinde. Starnberg wird laut Grasl überwiegend dem mittleren Bereich der Gefährdungsklasse 3 zugeordnet. „Spezial- und Sonderobjekte bisher noch ausgeklammert“, sagt der Kommandant. Seiner Ansicht nach sind die Diskrepanzen zwischen Anspruch und Wirklichkeit bisher zu wenig aufgezeigt worden.

Deshalb gibt es weitere Anforderungen, die nach Ansicht der Kommandanten erfüllt werden sollten: Ein Personalkonzept für die vorhandene Feuerwehreinsatzzentrale, das einen 24-Stunden-Schichtdienst erlaubt; eine konzentrierte Ausbildungseinheit in Starnberg, die auch die Ortsteilfeuerwehren ausbildet; die Wiedereinführung von Sirenen auf den Dörfern; einen Feuerwehrübungsplatz beim städtischen Betriebshof; ein neues Feuerwehrgerätehaus in Starnberg, wofür ein Standort erst noch gefunden werden muss; eine Feuerwehr-Bootsstation an anderer Stelle, als der bisherigen Bootsgarage des Landratsamtes, wo Algen den Jet-Antrieb der Feuerwehrbootes beeinträchtigen; ein internetgestütztes Feuerwehr-Informationssystem für die Mitglieder, damit alle stets auf einen einheitlichen Info-Stand sein können; Brandschutzerziehung in den Schulen als eigenes Schulfach; eine bessere Statistik und Aufzeichnungen, ob die Hilfsfrist bei Einsätzen eingehalten werden konnte.