Als Letzter im Bunde hat der Bürgerverein „Schöner zum See (SzS)“ sein Konzept (www.schoener-zum-see.de) für eine Seeanbindung Montagabend dem Stadtrat vorgestellt. Zweiter Vorstand Günther Krawitz und der Starnberger Architekt und Stadtplaner André Perret erläuterten ihr Projekt, das als einziges der im Gespräch befindlichen die heutige Gleislage nicht antastet und grundlegende Veränderungen am denkmalgeschützten Seebahnhof ablehnt. Laut Krawitz will der Verein Folgendes verhindert sehen: Bebauung im Seeuferbereich, die Beseitigung der traditionellen Fischerhütten, die Schließung der Undosa-Unterführung und den Ersatz der heutigen Seepromenade am Undosa durch einen „Bretter-Steg“. Die Gleistrassen dürften nicht in Richung Wohnbebauung verschoben werden, noch dazu bei dem Risiko, dass dort dann Lärmschutzwände entstünden. Zusammen mit unvertretbar hohen Kosten seien dies nur einige Argumente gegen das im Vertrag zwischen Stadt und Bahn AG vereinbarte Projekt, wie es unter Altbürgermeister Ferdinand Pfaffinger erarbeitet worden war. Es ließ die Gleise sehr nah an die Ostecke des Bahnhofsgebäudes rücken, sah für die Fischerhütten einen Standort weiter im See und die Promenadeführung auf der Seeseite vor dem Undosa-Restaurant über Holzstege vor. Das war laut Krawitz damals Anstoß für SzS, sich Gedanken über eine Alternative zu machen.

Ziel dabei sei die Bewahrung der historischen Identität Starnbergs, die Erneuerung und barrierefreie Sanierung von Bahnhof, Bahnsteigen und Umfeld gewesen. Man habe von den Bürgern gelernt, dass es diesen nicht nur auf den ungehinderten Zugang zum Seeufer ankomme, sondern ebenso auf den unverbauten See- und Gebirgsblick und auf einen verkehrsberuhigten Bahnhofsplatz mit Aufenthaltsqualität. So sei ein „Masterplan“ entwickelt worden, den die Bürger bereits in den letzten Kommunalwahlkämpfen unterstützt hätten. Der Verein glaube, dass das Konzept die grundsätzliche Zustimmung der Bahn finde.  Krawitz erinnerte an die Aussage eines Bahnvertreters, der Starnberger Bahnhof sei der schönstgelegene Deutschlands.

Das sehe der Masterplan von SzS vor: Die heute vier Gleise blieben unverändert in ihrer Lage, ebenso die Bahnsteige, die auf der Westseit aber in der Länge gekürzt würden, ohne dass der Halt von S-Bahnen oder Regionalzügen dadurch beschnitten würde. Die Bahnsteigdächer seien Bestandteil des denkmalgeschützten Bahnhofsgebäudes und müssten deshalb samt der Guss-Säulen restauriert und technisch aufgerüstet werden. Zwei Aufzüge auf der Südwestseite der großen Bahnhofsunterführung ermöglichten den barrierefreien Zugang von der Unterführung zu den Bahnsteigen. Die Unterführung selbst sollte saniert und hochwassersicher ausgestattet werden. Die dann schöner gestaltete Unterführung am Undosa sei auf die bereits mit der Bahn abgestimmte, für vier Gleise nötige Länge zu verkürzen, was der Stadtrat vor einigen Jahren auf Antrag von Iris Ziebart (FDP) schon beschlossen hat.

Perret erläuterte, wie der künftige Bahnhofsplatz aussehen könnte. Er sieht diesen, aufgewertet und mit Aufenthaltsqualität ausgestatten, als Scharnier zwischen See, Bahn und Stadtzentrum, oder als „Entree zur Stadt“. Schon beschlossen sei vom Stadtrat, den Bahnhof als kulturelles Zentrum zu etablieren. Die niedrigen Bauten auf der Westseite, angefangen von der Bäckerei bis zum Modeladen, sollten bis auf das ehemalige Bahnmeisterhaus (heute Taschengeschäft) abgerissen werden. Das Bahnmeisterhaus gehöre nach den Plänen des Architektes Friedrich Bürklein (1813-1872) zum Bahnhofsensemble dazu. Neu entstehen müsste auf der Ostseite des Bahnhof  das ehemals vorhandene Pendant dazu. Weil es hier heute schon schönsten See- und Gebirgsblick von der Stadt aus gebe, denkt der Stadtplaner an Gastronomie und Cafes. Aber auch an die Unterbringung der für einen Bahnhof nötigen Nebenanlagen, wie Toiletten, Automaten und mehr. Zwischen den dann drei freistehenden Gebäuden ließen sich Fahrradstellplätze, Terassen und Grünanlagen anlegen. Auf der Stadtseite des Bahnhofsensembles möchte Perret den neuen Platz zwischen Bayerischer Hof und Kaiser-Wilhelm-Straße etablieren. Damit es auch im Osten einen Platzabschluss gibt, sei der Neubau eines Gebäudes geplant, der eine Verschwenkung der Straße mit eckiger Einmündung in die Kaiser-Wilhelm-Straße erfordere. Dahinter ließen sich Parkplätze anordnen. Durch diese Maßnahme entstünde für die Stadt ein neues, großes Baugrundstück, das nach der Bebauung die Stadtkante komplettiere. Der Platz werde mit Bäumen eingefasst, erhalte breite Gehwege und sollte idealerweise von allen Verkehrsteilnehmern gleichberechtigt nutzbar sein. Den Platzabschluss auf der Westseite bilde der Bayerische Hof. Das heutige, als Parkplatz genutzte Rondell davor, ehemals die Wendeanlage der Züge, sollte von Autos befreit  und in einen schönen Hotelvorplatz verwandelt werden. Entlang der Gleise gegenüber müsste die jetzt noch hohe Hecke bis zur Undosa-Unterführung beseitigt werden. Perret glaubt, nach dieser Umgestaltung werde sich der Starnberger Bahnhof einreihen in die Abfolge der sanierten Bahnhöfe Feldafing und Possenhofen. Auf der Seeseite der Gleise wäre eine neue Hecke nötig, die gerade so hoch sein müsse, um die Gleise dahinter zu verbergen. Die mit den maroden Bauten noch verstellten Grundstücke am Seespitz auf der Ostseite der Promenade ließen sich als großzügige Terrassen und Grünanlagen nutzen. Zwischen Promenade und See stellt sich der Stadtplaner Sitzstufen wie am Georgenbach vor. Die historischen Fischerhütten, die nach seinem Verständnis zur Starnberger Identität gehören, bleiben unangetastet.

Krawitz betonte am Ende der Präsentation, dieser Masterplan sei kein „geschlossenes Großprojekt“, sondern bestehe aus „einer Reihe unabhängiger und flexibel realisierbarer Einzelmaßnahmen“. Voraussetzung seien einvernehmliche Gespräche zwischen Stadt und Bahn über Gestaltungs- und Grundstücksfragen. Geklärt werden müsse auch, in welcher Höhe der Freistaat nach dem Ende der 1987er Bahnverträge die Kosten für den barrierefreien Ausbau des Seebahnhofs übernehme und wann die Maßnahme umgesetzt werden könne. Krawitz geht für die parallele Umsetzung aller Vorschläge von einem Zeitrahmen von drei Jahren aus und schätzt die Kosten auf bis zu 26 Millionen Euro. Davon sollte aber nur die Hälfte die Stadt belasten. Die andere Hälfte sei durch Fördermittel des Staates oder den Verkauf  der beiden Nebengebäude des Bahnhofs zu erzielen. 15500 Quadratmeter nicht mehr betriebsnotwendiger Bahnflächen wären von der Planung betroffen, davon 1500 am Seespitz auf der Seeseite. Hier denkt SzS an Kauf, Pacht oder Nutzungsüberlassung durch die Bahn. Krawitz Fazit: „Unser Vorschlag ist für die Stadt sicher bezahlbar, erfüllt die Erwartungen der Bürger und verspricht eine relativ schnell machbare Beseitigung der unhaltbaren Zustände im Bereich des Bahnhofs See.“

Ludwig Jägerhuber (CSU) urteilte: „Das ist nichts anderes als die Verschönerung des Ist-Zustands.“ Er sieht Probleme, den Niveau-Unterschied zwischen dem Bahnhofsplatz und den Bahnsteigen am Bayerischen Hof auszugleichen: „So wird sich der freie Blick von der Stadt Richtung See sicher nicht herstellen lassen.“ Krawitz hielt dagegen, es gebe zwischen dem dortigen Rondell und den Gleisen nur 70 Zentimeter Höhendifferenz. Der Seeblick sei durch die heutigen Hecken verstellt. Außerdem lasse sich der Bahnhofsplatz auch „modellieren“. Das bezweifelte Jägerhuber. Für Klaus Rieskamp (BLS) ist der Vorschlag „eine Vision, die ich gern akzeptiere“. Die Frage sei aber, ob sich die Bahn darauf einlasse. Die Stadt solle Flexibilität in den Verhandlungen zeigen. Franz Sengl (Grüne) beurteilte das von SzS gezeigte Bild als „unglaublich geschönt“. Auch sei beim Grunderwerb von Bahngrundstücken „mit einem ziemlich fetten Betrag“ zu rechnen. Und die Stadt gewinne nichts auf der Seeseite. Angelika Wahmke (BLS) glaubt, dass die Bäume den Seeblick verstellen und die Gegenfinanzierung nicht gelingt. Sie halte das Bild nicht für umsetzbar. Schließlich komme viel Verkehr über die Possenhofener Straße. Ihr hielt Perret entgegen, der Bahnhofsplatz müsse nicht unbedingt in beiden Richtungen befahrbar bleiben. Er hielt auch den Einwand, es bleibe nicht genug Platz für Rampen für Rollstuhlfahrer für entkräftbar.  Für Gerd Weger (CSU) geht es um „Wunschdenken“, Christiane Falk (SPD) sah es als „Werbung für eine nicht realistische Lösung“. Iris Ziebart (FDP) will den Ratskollegen noch beweisen, dass es am Bayerischen Hof „den perfekten Seeblick“ gibt. Sie forderte auf, sich an den Aufgang zum Cafe Stellwerk zu stellen. Dort könne man ihn gut sehen, den See. Annette von Czettritz (Grüne) gehörte auch zu den Zweiflern und bat um Vorlage von Höhenschnitten für diesen Bereich. Stefan Frey (CSU) glaubt: „Das ist nicht das was wir wollen.“ Eine große Gegenleistung bekomme die Stadt in diesem Fall nicht. Auch werde sie es wohl aus eigenen Mitteln stemmen müssen. Aber man müsse mit der Bahn darüber reden. Er brauche fachlichen Input. Für Sieglinde Loesti (DPF) ist es „von allen Lösungen die beste“. Für Josef Pfister (BMS) wäre wichtig: „Das ist jetzt eine Chance, das Juwel, das wir seit Jahrzehnten verstauben lassen, endlich aufzupolieren.“ Er warnte vor den Folgen einer Baustelle am Seeufer für Großprojekte wie die Tunnel. Krawitz versprach, die nachgefragten Details nachzuliefern. Weger bat, die Unterlagen den Fraktionen zur Verfügung zu stellen, was Krawitz umgehend tat. Ziebart beantragte, die Stadt möge die Höhenquoten liefern. Eine Abstimmung fand nicht statt.