Eine Ortsbesichtigung  und 14 Tage später hat der Bauausschuss gestern Abend dem von der „Wohnbau Starnberg am See GmbH“ geplanten Neubau mit goldbronzefarbenen Dach an der  Hauptsstraße 12 nun doch das gemeindliche Einvernehmen erteilt (8:5). Vor allem zur äußeren Gestaltung hatte es Anfang des Monats noch heftig ablehnende Aussagen gegeben (siehe Lange Debatte wegen goldenem Dach). Manche Stadträte konnten sich aber auch jetzt nicht damit abfinden.

Die Mehrheit der Ausschussmitglieder hatte gestern vor Beginn der Sitzung an der Führung von Stadtbaumeister Stephan Weinl teilgenommen, der anhand mehrerer alter Häuser entlang der Hauptstraße aufzeigte, was eigentlich für die Bauweise in Starnberg als typisch und prägend gelten kann. Dabei wurde auch deutlich, wie wenig sensibel in der Vergangenheit mit einstigen Perlen der Architektur umgegangen worden ist. Dennoch war Ergebnis, dass die Architekten des geplanten Neubaus eigentlich nichts falsch gemacht haben. Bauvolumen, Aufteilung der Fenster in der Fassade, Wandhöhe, Dach passen zur Umgebung und die Vorgaben des rechtskräftigen Bebauungsplans waren schon vor zwei Wochen als absolut eingehalten beurteilt worden. Wenn nur nicht der goldbronze Ton der Metall-Dachschindeln wäre. Im Vorfeld der neuen Sitzung hatte übrigens auch die Grünen-Stadträtin Annette von Czettritz, von Beruf Architektin, eine Fotoreihe von Gebäuden entlang der Hauptstraße erstellt, damit die Ratskollegen eine Grundlage haben sollten, was ihnen tatsächlich gefällt. Aussagen dazu machten diese in der Beratung jedoch keine. Vielmehr brachte Angelika Kammerl (DPF) den alten Wunsch auf den Tisch, die Stadt möge einen Gesaltungsbeirat einsetzen, der dann solche Dinge beurteilen müsse. Bürgermeisterin Eva John bestätigte, dass die Rathausverwaltung den Auftrag hat, die Grundlagen dafür zu erarbeiten. Das werde geschehen, „sobald wir wieder einen Hauch von Luft bekommen und etwas anderes tun können als Listen schreiben“, lautete ihr Seitenhieb auf jene Fraktionen, die sich die Arbeit des Rathauses seit zwei Jahren akribisch dokumentieren lassen und Beschlussfassungen oft unter den Vorbehalt stellen, dass diese Listen vorgelegt werden.

Zum Neubau selbst noch einmal: Das neue Haus steht genausoweit von der Fahrbahn der Hauptstraße entfernt wie heute, jedoch mit dem Eingang auf Straßenniveau. Die jetzt noch vorhandene Mauer, die den Gehweg verschmälert, verschwindet. Im Süden schließt sich die erdgeschossige Einfahrt in die Tiefgarage an. Im ersten und zweiten Obergeschoss sind Büros und auch Wohnungen geplant, und das Dach wird für ebensolche Nutzungen ausgebaut. Das Dach war und ist nicht nur wegen der Metallschindeleindeckung in der Kritik, sondern auch wegen der Fenster in Bullaugenform, die im Kniestock des Dachgeschosses für Belichtung sorgen. Laut Weinl nimmt der Entwurf durchaus die ortstypischen Elemente auf. Der Stadtbaumeister mahnte: „Das ist hier keine rechtliche Diskussion, denn das Gebäude hält alle Vorgaben des Bebauungsplans ein. Es ist nur eine baukulturelle Diskussion.“ Weinl dankte den Bauherren, dass sie sich dieser stellen. Die Bürgermeisterin berichtete, auch Kreisheimatpfleger Gerhard Schober habe sich geäußert, kritisch ausschließlich zur Dacheindeckung. Von Czettritz urteilte: „Das Typische der Hauptstraße wird aufgenommen, die Materialien sind vergleichbar, warme Farbtöne werden verwendet. Ich würde unbedingt zustimmen wollen.“ Ludwig Jägerhuber (CSU) war zufrieden, dass seiner Anregung folgend nun doch eine Treppe neben dem Neubau – wie heute schon beim Altbau – Richtung Schloss eingeplant wurde. Sein Fraktionskollege Gerd Weger konnte sich mit dem Bau „nach wie vor nicht anfreunden“. Iris Ziebart (FDP), von Beruf auch Architektin, warb um Verständnis: „Das ist im Grundsatz genau richtig und tut der Hauptstraße gut.“ Sie richtete den Blick auf das leer stehende Centrum im Norden der Neubaufläche und meinte augenzwinkernd: „Als das genehmigt wurde, saßen von Ihnen schon einige im Bauausschuss.“ Otto Gaßner (UWG) ist „nach wie vor unglücklich“. Er regte trotzdem an, sich über eine Platzgestaltung zwischen Neubau und Centrum, vor der Stadtbücherei Gedanken zu machen. Ein schon alter Vorschlag.  Seiner Meinung nach müsse die Bücherei (Altes Rathaus) den dort nötigen Akzent setzen, nicht der Neubau. Auch Franz Heidinger (BLS) wollte das Alte Rathaus „nicht in den Schatten stellen“. Josef Pfister (BMS) empfand den Anblick von Alt- und Neubestand auf der vom Bauherrn mitgelieferten Fotomontage so, „als ob der Neubau schon immer da steht“. Er erinnerte an die vielfältigen Bausünden in Starnberg, die vor 35 Jahren entstanden seien, zum Beispiel an den Abriss des schönen alten Bader-Hauses genau gegenüber dem geplanten Bauvorhaben. Klaus Huber (WPS) freut sich auf mehr Belebung des Bereiches, zumal statt des heute nur 1,80 Meter breiten Gehwegs ein erweiterter Freiraum entstehe.