Der Bauausschuss des Stadtrates will den Plänen des Freistaates nicht einfach zustimmen. Auf der heute vom Finanzamt als Parkplatz genutzten Fläche neben der immer mehr verkommenden Villa hinter dem Rathaus, in der früher die Leiter des Finanzamtes gewohnt hatten, will der Freistaat einen Neubau errichten, den Altbestand abbrechen oder stattdessen sanieren und erweitern. Zum einen widerspräche dies den Zielen des gültigen Bebauungsplanes, zum anderen wolle man lieber erst einmal mit einem Vertreter des Finanzministeriums reden, hieß es im Ausschuss. Zum Beispiel auch darüber, ob die Steuerbehörde das Schloss – und damit die Stadtkrone Starnbergs – auf ewig besetzen und nutzen soll. Einstimmig wurde deshalb die Bebauungsplanänderung abgelehnt und das Rathaus gebeten, einen Ministeriumsvertreter in eine Sitzung einzuladen.

Der inzwischen unansehliche Rest der ehemals schönen historischen Villa „Dederer“ steht schon lange leer, genauso wie das nach Norden anschließende Gebäude. 2011 wurde aus der Gartenfläche der Villa ein notdürftig befestigter Parkplatz für Bedienstete des Finanzamtes gemacht, was nicht durch den rechtsgültigen Bebauungsplan gedeckt ist. Schon seit 2003 war dort wild geparkt worden. Keine Verbesserung für das Gesamtbild dieses Bereiches unterhalb des Schlosses. Vorstöße des Freistaates, die ihm gehörende Immobilie zu sanieren und zusätzlich mit einem Neubau zu verbinden aus 2003 sind von den Stadträten schon damals mit dem Hinweis auf den Bebauungsplan „Schlossberg Nord“ und die darin festgelegten Ziele abgelehnt worden. Überhaupt war das Verhältnis zwischen den vormaligen Starnberger Bürgermeistern und dem Freistaat in dieser Angelegenheit nicht das beste. Die Stadt konnte nicht verzeihen, dass der Staat das Schloss, dessen Entste­hungsgeschichte immerhin bis ins 11. Jahrhundert zu­rückreicht, zwischen 1969 und 1972 innen fast voll­ständig entkernen und in ei­nen kühlen Behördebau verwandeln ließ, zudem das historische Amtsgerichtshaus am Viadukt abgerissen hat. Damit ist zweifelsohne ein bedeutendes Stück Starnber­ger Geschichte nicht mehr erlebbar. Zudem hat die Finanzbehörde im Laufe der Jahre jeden Quadratzenti­meter im Schloss für eigene Zwecke genutzt, statt in bestimmtem Umfang auch eine kulturelle Nutzung zuzulassen. Die Durchsetzung des jährlichen „Burghofsingen“ im Innenhof soll zumindest damals eine schwierige Geschichte gewesen sein. Aktuell zeigten sich die Ausschussmitglieder verärgert darüber, dass der Freistaat die Villa so verfallen lässt. Sie steht nach Auskunft des Stadtbauamtes nicht unter Denkmalschutz. Errichtet worden ist sie um 1899 von einem Karl Dederer. Das Grundstück ist nach Angaben in Band 9/1 „Siedlungs- und Baugeschichte von Starnberg“ aus der Reihe „Starnberger Stadtgeschichte“ Teil des ehemaligen „Tanzbichls“, einer größeren, terrassenartig geebneten Fläche auf dem Schlossberg. In der Renaissance könnten hier kleine Turniere oder Scheibenschießen der Schlossherren stattgefunden haben.

Seit 2008 hat es zumindest offiziell weder von Seiten des Freistaates noch von Seiten der Stadt einen neuen Vorstoß gegeben, den Zustand des Grundstücks zu verändern oder einen Tausch zustande zu bringen, wie es Vorgänger-Stadträte schon einmal ins Gespräch gebracht hatten. Sie wollten dem Freistaat eine der Stadt gehörende Fläche am Seilerweg für einen Neubau zu Gunsten des Finanzamtes anbieten, wenn der der Stadt das Schloss wieder überlassen würde. CSU-Stadtrat Ludwig Jägerhuber erinnerte jetzt daran: „Nach dem Landesbank-Debakel sind die Pläne aufgegeben worden.“ Aber man sei durch die Kontakte mit dem Freistaat damals ins Gespräch gekommen und habe die Hälfte der Schifffahrtswiesen erwerben können, auf der heute der Bürgerpark angelegt ist. „Aus Sicht der Stadt macht es also durchaus Sinn, es neu zu versuchen, Positives für die Stadt zu gewinnen“, sagte Jägerhuber. Markus Mooser (WPS) ergänzte, auch die Villa Dederer könnte für Starnberg lohnend sein. Sie und das Schloss gehörten schließlich zur „Stadtkrone“. Laut Bürgermeisterin Eva John waren solche Pläne auch eines der Ziele des Rahmenplans aus 2001. Der Antrag, einen Vertreter des Finanzministeriums in den Ausschuss einzuladen, stammte von Otto Gaßner (UWG) und wurde mit 10:3 befürwortet.