Drei Fragen hat Georg Jäger in der jüngsten Stadtratssitzung unter der Rubrik „Bürger fragen“ gestellt. Er wollte wissen, wann sich der Rat eine gemeinsame Meinung für die Mediation mit der Bahn zum Thema Seeanbindung bildet. Er bat bis Pfingsten zu entscheiden, ob ein Bürgerantrag unterstützt wird, der das Umschwenken des Stadtrates vom B2-Tunnel und der oberirdischen Gleisverlegung auf das von Jäger präferierte Projekt „Seetunnel“ nach den Plänen von Alexander Walther (wir berichteten) zum Ziel hat, und ob der Stadtrat bei den künftigen Beratungen und Beschlussfassungen zum Thema Seeanbindung UWG-Stadtrat Otto Gaßner ausschließen werde wegen persönlicher Beteiligung – so wie man es mit Klaus Huber (WPS) bei der Entscheidung über die Zulässigkeit des Bürgerbegehrens gegen den Tunnel getan habe. Bürgermeisterin Eva John vertröstete Jäger wegen der ersten beiden Fragen auf eine Sitzung, bei der es um die Mediation gehen werde. Die letzte Frage könne nur der Stadtrat beantworten, sagte sie.

Wie berichtet hat Gaßner sich schon vor 1987, dem Jahr in dem der den bisherigen Seeanbindungsplänen zugrunde liegende Vertrag zwischen Stadt Starnberg und Bahn AG geschlossen wurde, seine Idee einer Lösung, die dann auch in den Vertrag einfloss, urheberrechtlich sichern lassen. Ob da etwas dran sei, und ob er davon irgendeinen Vorteil habe, wollte Michael Mignoli (BLS) in der Ratssitzung von Gaßner wissen. Der antwortete, nicht er allein habe die Lösung entwickelt, sondern er gemeinsam mit anderen Stadtplanern und Architekten. Diese Ideen habe man dann der Bahn vorgestellt. Danach sei von ihm der Bahn-Vertrag ausgearbeitet worden,  in seiner Eigenschaft als Stadtrat und Rechtsanwalt im Auftrag der damaligen Stadtverantwortlichen. „Herr Jäger behauptet, ich könnte Loyalitätspflichten verletzt haben. Das ist Blödsinn, dass ich zugleich Anwalt der Bahn war“, so Gaßner. Auf Nachfrage von Iris  Ziebart (FDP), ob er gar nicht im Auftrag der Bahn tätig geworden sei, ergänzte er: „Nicht in dieser Sache“, und zählte eine Reihe von bedeutenden, ganz Deutschland betreffenden Rechtsangelegenheiten auf, bei denen er mit seiner damaligen Rechtsanwaltskanzlei zwischen 1997 und 2007 die Bahn AG beraten oder vertreten habe. Zu Zeiten des Abschlusses des Starnberger Bahnvertrags sei er an verschiedenen juristischen Universitätslehrstühlen tätig gewesen, ab 1987 als Syndikus einer Privatbank, betonte er. Markus Mooser (WPS) bat Gaßner um eine öffentliche Stellungnahme für Transparenz: Wenn die Funktionen und Tätigkeiten bei den Bahnverträgen sowie der Inhalt des Urheberrechts geklärt seien, dann könne der Stadtrat auch klären, ob Befangenheit bestehe.