Der Bauausschuss hat Donnerstagabend einstimmig den von der Verwaltung vorgelegten Entwurf für den Bebauungsplan des Einheimischenmodells Am Wiesengrund gebilligt. Die Architekten hatten nur geringfügige Änderungen am Ergebnis des Wettbewerbs vorgenommen. Es folgt jetzt die öffentliche Auslegung. Laut Bürgermeisterin Eva John soll der Stadtrat im kommenden Monat besprechen, welche Grundstückskosten und Erschließungsbeiträge die Stadt den künftigen Erwerbern der  Parzellen in Rechnung stellen will. Entscheidend könnte dabei sein, welche oder in welchem Umfang Grün- und Regenrückhalteflächen mitverkauft oder in der Hand der Stadt behalten werden. Wie berichtet lautet das Ziel, bezahlbaren Wohnraum für Starnberger Bürger zu schaffen. Das Modell war insgesamt für rund 120 Wohneinheiten konzipiert worden und beinhaltet Miet- und Eigentumswohnungen sowie 51 Reihenhäuser verschiedenster Ausprägung. (siehe Siegerentwurf wird weiter verfolgt und Am Wiesengrund: Weiterer Meilenstein)

Sandra Urbaniak vom Siegerbüro „AKFU Architekten“ stellte die Veränderungen des Projektes auf dem Weg vom Wettbewerbsentwurf zum Entwurf eines Bebauungsplanes vor. So sollen die Zufahrten zu den Garagen der Reihenhäuser und zu den Tiefgaragen des Geschosswohnungsbaus am Nord-Westrand des Bebauungsgebietes um eine ausreichend große Wendefläche ergänzt werden, damit dort auch große Fahrzeuge, wie die des Müllentsorgers, umkehren können. Die kleinsten Reihenhausvarianten bekommen genauso wie alle anderen Reihenhäuser zwei Stellplätze, jedoch einen vor dem eigenen Garten und einen auf einer zentralen Stellplatzanlage in der Nähe der Häuser. Bei den anderen Hausvarianten sind die Stellplätze entweder als Doppelgaragen im Haus oder mit zwei Stellplätzen am Haus angeordnet. Urbaniak hob hervor, dass zahlreiche Fußwege zusammen mit der Ortsrandeingrünung Qualität schaffen. Die Zufahrt bleibt wie geplant vom Waldspielplatz aus festgelegt. Das neue Wohngebiet erhält eine zusätzliche „Notzufahrt“ in der Südostecke entlang des Kinderspielplatzes, allerdings nur für den wirklichen Notfall, wenn die Ein- oder Ausfahrt über Am Waldspielplatz blockiert sein sollte. Die Vertreterin des im Wettbewerb mit ausgezeichneten Landschaftsarchitekturbüros HinnenthalSchaar lobte die zahlreichen öffentlichen Grünflächen im Baugebiet. Der Wald auf der Ostseite solle als Sturmschutzwald erhalten bleiben. Im Wohngebiet werde es zwischen Reihenhauszeilen zwei Retentionsmulden geben – sanfte mit Gras bewachsene Geländemulden, die das sich dort sammelnde Regenwasser über Gräben und unterirdische Leitungen nach und nach an den das Gebiet heute schon durchziehenden namenlosen Bach abgeben. Der Bach wird für das Baugebiet nach Südwesten verlegt. Es wird damit gerechnet, dass sich die Mulden innerhalb von 30 Stunden leeren. Das sei nach einem Starkregenereignis beobachtet worden, sagte Peter Meinert vom Stadtbauamt. Eine Mückenplage aufgrund der zeitweise mit Wasser gefüllten Retentionsflächen befürchtet er deshalb nicht. Die zehn drei- bis viergeschossigen Mehrfamilienhäuser (je zwei bekommen zusammen eine Tiefgarage) bleiben wie im Wettbewerbsentwurf westlich und östlich der Reihenhausgruppen angeordnet. Genauso bleibt es dabei, dass zwei dieser Häuser auf der Ostseite über untere Geschosse miteinander verbunden werden, in denen eine Kinderbetreuungseinrichtung ihren Platz findet.

Er erläuterte die Anregungen und Stellungnahmen aus der öffentlichen Präsentation des Wettbewerbsergebnisses durch Bauwillige und Träger öffentlicher Belange. Meinert verwies unter anderem auf die deutliche Stellungnahme des Staatlichen Bauamtes Weilheim, dass es keine Anbindung des neuen Wohngebietes an die Bundesstraße 2 (B2) geben werde. Die Untere Verkehrsbehörde im Landratsamt habe Bedenken geäußert, der Knoten B2/Am Waldspielplatz könnte nicht leistungsfähig genug sein, weshalb der Verkehr über mehrere andere Straßen verteilt werden solle. Das lehnt die Stadt jedoch ab, insbesondere den Bau eines Durchstichs zur Franz-Heidinger-Straße, was Gerd Weger (CSU) als „Utopie“ bezeichnete. Nach Auskunft von John hat die Stadt bei den Verkehrsbehörden bereits vor fünf Monaten den Bau einer Ampel für die Einmündung der Straße Am Waldspielplatz in die B2 beantragt, denn der Knoten sei schon heute überlastet und die Ampel längst überfällig. Linksabbieger kämen hier aktuell –  ohne das neue Wohngebiet – kaum aus dem Waldspielplatz heraus. Die nötige Trafo- sowie Pumpenstation für das Neubaugebiet wurde vom Kinderspielplatz weg an die Einfahrt ins Wohngebiet zu einer der Stellplatzanlagen verlegt.

Laut John ist mit der Ausschreibung der Parzellen zur Bewerbung im Juni, mit der Vergabe im Frühherbst zu rechnen. „Wir arbeiten mit Hochdruck an dem Projekt“, versicherte sie auf Anfrage. Dass die Erschließung fremd vergeben werden soll an einen privaten Unternehmer, hatte sie jüngst bekannt gegeben. Der werde nach Abschluss der Maßnahme mit den einzelnen Bauherren abrechnen. Die Arbeiten für die Erschließung könnten beginnen, wenn die Lage der Baufelder im Rahmen des Bebauungsplanverfahrens abschließend geklärt sei, so die Bürgermeisterin.