„Seetunnel statt Amtstunnel und Umfahrung“ lautete das Motto einer Veranstaltung, zu der der Perchaer Georg Jäger wie berichtet in den Bayerischen Hof eingeladen hatte. Wie Jäger nach dem Treffen, zu dem nach seinen Angaben rund 20 Interessierte gekommen waren, berichtete, ist die von ihm im Vorfeld überlegte Gründung eines Vereins, der sich die Unterstützung des Seetunnelprojektes des Ingenieurs Alexander Walther hätte auf die Fahne schreiben sollen, „bis auf weiteres verschoben“ worden. Man wolle sich noch Zeit geben die Grundzüge von Walthers Planung bekannter zu machen, so Jäger.

Da „Lokales-aus-Starnberg“ durch die Berichterstattung über den zeitgleich stattfindenden Hauptausschuss des Stadtrates gebunden war, basiert dieser Bericht ausschließlich auf Angaben von Jäger und Walther, die dem Blog in schriftlicher Form vorliegen. Jäger bedauert darin, dass die Realisierung des Seetunnels (siehe Seetunnel: “Totkalkuliert” ?) aufgrund von Täuschungen der Öffentlichkeit seit Jahren als utopisch abgetan werde. Gleiches geschehe im Moment mit Walthers aktualisiertem Projekt „Seetunnel 2022“. Die Jahreszahl steht für das angestrebte Fertigstellungsdatum. Jäger prophezeit, das diejenigen, die aktuell glaubten, es werde eine Umfahrung für Starnberg geplant, mit dieser Aussicht nur abgelenkt werden sollen von dem Umstand, dass „Frey, Gaßner  & CO“ den Bau des Amtstunnels ungehindert fortsetzen wollten. Aber auch von einer ortsfernen Umfahrung hält Jäger wenig: die würde  seiner Ansicht nach in Wahrheit nur ein Ersatz für den Münchner Südring und die Verbindung der Autobahnen sein. „Entrüstung“ hat er beim Publikum seiner Veranstaltung darüber ausgemacht, dass den Starnbergern zum Amtstunnel dazu eine auf 150 Jahre zementierte Bahnlösung am See in Haus stehen soll, die etliche Millionen Euro koste, aber nicht zu einer Seeanbindung führe. Jäger wirbt stattdessen für Walthers Projekt, bei dem die B2 und die Bahn in je einem Tunnel geführt würden –  parallel unter Wasser durch die Starnberger Bucht. Er glaubt, der Straßentunnel würde vom Bund bezahlt werden können, wenn dieser auf die Realisierung des planfestgestellten B2-Entlastungstunnels verzichten würde. Außerdem, dass der Seetunnel in der halben Bauzeit zu erstellen sei, noch dazu ohne Belastungen für die Innenstadt. Auf die skeptische Frage der Besucher, ob das Seetunnelprojekt politisch noch zu erreichen sei, empfahl Jäger, sich „von oben und von unten“ dafür einzusetzen, also beim Bayerischen Landtag genauso wie beim Starnberger Stadtrat. Eventuell müssten Unterschriften für einen Bürgerantrag gesammelt werden.

Walther stellte den Besuchern sein Projekt vor. Nach seinen Angaben hat er darauf hingewiesen, dass Änderungen an den Gleisen im Bereich des Seebahnhofs neue Untersuchungen nach dem Bundesimmissionsschutzgesetz nach sich zögen. Für verlegte Gleistrassen könnten deshalb bei oberirdischen Bahnlösungen Lärmschutzwände nötig werden. Bei der Realisierung von kurzen Bahntunneln sehe er die Gefahr von langen Rampen. Diese und Lärmschutzwände am See seien aber „untragbar“. Konsequenz ist für ihn, die Bahn in den Seetunnel zu verlegen, damit überall die Sichtachse auf den See frei werden. Gemäß einer Expertise eines Ingenieurbüros könne der Seetunnel allein für die Bahn für 215 Millionen Euro gebaut werden (Stand 2005). Den B2-Entlastungstunnel, dessen Bau derzeit vom Staatlichen Bauamt Weilheim vorbereitet wird, hält Walther für einen „der teuersten Tunnel überhaupt“. Er bezieht sich auf eine ihm vorliegende statistische Auswertung des Bundes. Die eigentlichen Tunnelbaukosten betrügen jedoch nur höchstens 47 Prozent der Gesamtkosten, denn den Rest beanspruchten „Verkehrsumlenkungsmaßnahmen, Umlenkungen der Grundwasserströme, Injektionsstollen und Gebäudesicherung“. Eine Entlastung Starnbergs vom Verkehr sieht der Ingenieur durch dieses Bauwerk nicht, wohl aber durch den von ihm konzipierten „Seetunnel Straße B2“, an den auch die Innenstadt angebunden werden könne. Walther glaubt, dass der vom Bund geplante Tunnel schon bei der Eröffnung höhere Verkehrszahlen aufweisen wird als prognostiziert und somit eigentlich vierspurig gebaut werden müsste, was man beim Seetunnel machen könne. Die Kosten seines Straßenprojektes beziffert er mit etwa 250 Millionen Euro, wenn Synergie-Effekte mit dem Seetunnel Bahn genutzt werden könnten. Die geologischen Verhältnisse in der Starnberger Bucht können nach seinen Angaben „laut Expertenmeinung als gut bezeichnet werden“. Sollte sein Projekt realisiert werden, würden laut seinem Bericht 100000 Quadratmeter wertvolle Fläche am Starnberger Seeufer frei. Für ihn ist es der „Königsweg“, Straße, Bahn, Fußgängerwege, Seepromenade und Schifffahrt an einem Punkt zu verknüpfen. Starnberg und der See würden dann schallfrei und verkehrstechnisch saniert sein. „Starnberg hat noch jetzt, dann nie mehr die Chance, diese einmalige Optimierung realisieren zu können“, sagt Walther.