Als es in der jüngsten Stadtratssitzung um den Stellenplan für 2018 ging, meldete sich Klaus Rieskamp (damals noch BLS, inzwischen DPF) hartnäckig und fragte mehrfach: „Frau Bürgermeister, wo finde ich den Kümmerer?“ Es sei doch beschlossen worden, dass der eingesetzt wird, meinte er sich zu erinnern. Bürgermeisterin Eva John belehrte ihn eines Besseren: Ja, die Stelle eines Verkehrsplaners hätte ausgewiesen werden sollen, eine Ausschreibung der Stelle sei schon einmal beschlossen und vorgenommen worden. Im ersten Anlauf habe sich aber kein geeigneter Bewerber gemeldet. Dann habe der Stadtrat den Beschluss wieder aufgehoben und gefordert, die Bürgermeisterin solle jemanden aus der Rathausverwaltung für die Aufgabe benennen. Wie berichtet hatte das Staatliche Bauamt Weilheim die Stadt gebeten, die Stelle eines sogenannten „Kümmerers“ zu besetzen, damit ihr Amt mit dem Starnberger Rathaus in Sachen Bau des B2-Tunnels kommunizieren und sich der neue Mann oder die neue Frau auch um die nötige Öffentlichkeitsarbeit während der Bauzeit des Tunnels kümmern könne.

Der damalige Amtsleiter aus Weilheim, Michael Kordon, hatte letztes Jahr gesagt, er stelle sich einen Bauingenieur vor. Es gehe nämlich um die Schnittstellen, an denen das Tunnelprojekt Belange von Bund, Freistaat und Stadt Starnberg berühre. John hatte immer wieder betont, ein solcher „Kümmerer“ müsse mit Weilheim auf Augenhöhe verhandeln und vor allem dort auch die Belange der Stadt fachlich vertreten können. Eine solche Kraft gebe es im Rathaus bisher aber nicht. Im Mai 2017 war der Sperrvermerk für die im Haushalt bereits vorgesehene Stelle durch den Hauptausschuss des Stadtrates aufgehoben worden. Rieskamp betrieb jedoch mit anderen Stadträten gemeinsam den Vorstoß, diesen Beschluss „nachprüfen“ zu lassen. Der Stadtrat, dem diese Aufgabe zufiel, hielt aber an der Stellenausschreibung fest, wenn auch nur mit ganz knappem Abstimmungsergebnis. Allerdings sollte die Bürgermeisterin sich den Text vom Rat vor dem Versand absegnen lassen.  Als dies geschah, war es wiederum Rieskamp, der es betrieb, dass die Qualifikation des gesuchten Ingenieurs heruntergestuft wurde (siehe Stellenbeschreibung abgeändert). Wie schon gesagt, meldete sich nicht sofort ein Interessent für den Posten. Im November lehnte die Stadtratsmehrheit die Einstellung eines Kümmerers auf Antrag von Stefan Frey (CSU) und Rieskamp – beide inzwischen zu Verkehrsreferenten des Stadtrates gewählt – aber ohnehin endgültig ab und verlangte, die Bürgermeisterin solle einen Rathausmitarbeiter für die Aufgabenerledigung benennen. Da ein fachlich geeigneter Mitarbeiter nicht zur Verfügung stand, haben Stadtbaumeister Stephan Weinl und zwei weitere Beschäftigte des Bauamtes laut John ein Team gebildet und erledigen anfallende Aufgaben so gut es geht. Keiner von ihnen sei Verkehrsplaner. „Das ist nicht das Vorgehen, was sich das Staatliche Bauamt wünscht“, machte John deutlich. Eine eigene Stelle für einen Kümmerer gebe es im Moment im Stellenplan der Stadt also definitiv nicht.

Frey war jetzt in der jüngsten Ratssitzung damit genauso wie Rieskamp nicht zufrieden. „Aber das geht doch so nicht, Frau Bürgermeisterin“, sagte Rieskamp mehrmals. „Wir wollten, dass sich ein Mitarbeiter ausschließlich um diese Themen kümmert. Ein Team mag ja jetzt in der Anfangszeit noch funktionieren. Aber die Aufgaben werden anspruchsvoller“, so Frey. Wenn es das Team nicht mehr schaffe, müsse John einen Mitarbeiter frei stellen oder einen einstellen. Die Bürgermeisterin gab zu Bedenken: „Die Drei tun ihr Bestes, aber es reicht nicht.“ Sie bat den Stadtrat, die Stelle nochmals zu beschließen. Frey dazu: „Wir brauchen keinen voll ausgebildeten Verkehrsplaner. Wenn das der Anspruch ist, werden wir derzeit auf dem Markt keinen finden.“ John konterte: „Das Staatliche Bauamt hat in Sachen Personal wegen des Tunnelprojektes aufgerüstet. Wenn wir mit den dortigen Planern auf Augenhöhe reden wollen, brauchen wir einen entsprechend qualifizierten Akademiker. Unter der Eingruppierung A11 brauchen wir da gar nicht anfangen.“ Und die Suche dauere etwas.

Aber weder Frey noch Rieskamp stellten den nochmaligen Antrag, einen Kümmerer zu suchen, weshalb es weiter keinen Beschluss dafür gibt.  Das Staatliche Bauamt in Weilheim ist in Sachen Tunnel ausschließlich im Auftrag von Bund und Freistaat tätig. Interessen der Bürger, somit die Belange der Stadt, deren Ortsstraßen, Geh- und Radwege an den neu gestalteten Knotenpunkten und im Bereich aller sonstigen Tunnelbaustellen berücksichtigt und gegenüber Bund und Land vertreten werden sollten, müssen geltend gemacht und auf ihre Berücksichtigung gedrängt werden. Zumindest sollten Entscheidungen aber fachlich ausreichend begleitet werden können. Auch steht ohne einen solchen Kümmerer im Rathaus kein Fachpersonal zur Verfügung, um die von Rieskamp neben dem Bau des B2-Tunnels verfolgte ortsferne  Umfahrung in der Planung voran zu bringen.