Ohne Gegenstimmen hat der Hauptausschuss in zwei Fällen Unterstützung für Kindertagesstätten fremder Träger bewilligt. Beim katholischen Kindergarten Sankt Nikolaus ging es um die Übernahme des Betriebskostendefizits für 2016 und 2017, bei der Kinderkrippe des Barbara-Eberhard-Kinderhauses der Lebenshilfe um die Verbesserung des Personalschlüssels. Letztgenanntes bedingt ebenfalls ein höheres Betriebskostendefizit, das die Stadt nun tragen will.

Wie Bürgermeisterin Eva John erläuterte, steigen die Kosten, wenn man pädagogisch wertvolle Arbeit leisten möchte. Im Kindergarten Sankt Nikolaus sei zunächst eine halbe Hort-Gruppe eingerichtet worden, die aber natürlich mit dem kompletten Personalschlüssel für eine ganze Gruppe betreut werden musste. Einnahmen und Ausgaben fielen somit auseinander. Inzwischen würden in der Gruppe aber nicht mehr nur zwölf sondern die vorgesehenen 25 Kinder betreut. Außerdem habe der Träger bereits in Aussicht gestellt, dass die Elternbeiträge angehoben werden. Für 2016 bewilligte der Ausschuss des Stadtrates einen Betrag von 54000 Euro, für 2017 von 50000 Euro. Künftig wird der Defizitausgleich auf 30000 Euro begrenzt, was doppelt so viel ist wie bisher.

Der Freistaat empfiehlt laut John in Kinderkrippen einen Personalschlüssel von 1:10. Das bedeutet, dass sich eine Erzieherin um zehn Kinder kümmern sollte. Die Fachstelle im Landratsamt empfehle dagegen einen Schlüssel von 1:8, jedoch ohne Mehrkosten zu übernehmen. Eine einheitliche Regelung gebe es nicht, sagte John. Sollte die Lebenshilfe ihren bisherigen Personalschlüssel für ihre beiden Krippen von 1:9 wie geplant auf 1:8 verändern, werde das jährlich von der Stadt auszugleichende Defizit von derzeit maximal 8000 auf maximal 25000 Euro steigen. Die Bürgermeisterin empfahl, trotzdem zuzustimmen. Winfried Wobbe (UWG) wollte lieber einen Schlüssel von 1:8,5. John mahnte noch einmal: „Wir können sehr froh sein, wenn ein fremder Träger die Kinderbetreuung stemmt und die Stadt damit entlastet.“ Dies sei sicher nicht der richtige Punkt, um „über die letzten 1000 Euro“ zu reden. Die Lebenshilfe kann nun ab dem neuen Kindergartenjahr mit der Übernahme des höheren Betriebskostendefizits rechnen.  Christine Lipovec (BMS) bedauerte, dass die Kommunen Mehrkosten allein tragen müssen, wenn der Fachempfehlung für den besseren Betreuungsschlüssel angewendet werde. Für sie ist das dennoch „gut angelegtes Geld“.