Die Stadt Starnberg will das schon seit vielen Jahren existierende „Sanierungsgebiet Innenstadt“ um drei Bereiche erweitern und zudem den Bereich um den Bahnhof Nord neu zum Sanierungsgebiet erklären. Diese Absichten sind kürzlich im Amtsblatt für den Landkreis Starnberg veröffentlicht worden. Kurz darauf fand im Kleinen Saal der Schlossberghalle dazu eine Informationsveranstaltung statt, zu der Eigentümer, Mieter, Pächter und in sonstiger Weise Betroffene eingeladen worden waren. Das Interesse war sehr überschaubar. Nur rund 20 Bürger waren gekommen, und neun Stadträte. Anregungen der Bürger wurden aufgezeichnet. Sie sollen bei einem fortgeschritteneren Stadium dem Stadtrat zur Abwägung vorgelegt werden. Die Veranstaltung war Teil der förmlichen Beteiligung der Bürger.

Stadtbaumeister Stephan Weinl erläuterte, worum es geht. Am 9. Oktober 2017 hatte sich der Stadtrat dafür ausgesprochen, auf der Grundlage des beschlossenen integrierten Stadtentwicklungskonzeptes (ISEK), das bisherige städtebauliche Missstände aufzeigt, ein Sanierungsgebiet neu um den Bahnhof Nord abzugrenzen und das Sanierungsgebiet Innenstadt um die Bereiche zwischen Vogelanger und Schlossweg (schlechte Erreichbarkeit, zu schmale Gehwege), zwischen Rheinlandstraße und Münchner Straße (hier soll der Fuß- Radweg, den es neu vor dem Gymnasium gibt, nach Westen fortgesetzt werden), für das Umfeld des Museums (Hoher Versiegelungsgrad, schlechte Gestaltung) sowie für das Seeufer zwischen Georgenbach und dem neuen Seebad (unterbrochene Wege, schlechte Aufenthaltsqualität) zu ergänzen. All diese Maßnahmen sind Voraussetzung dafür, dass die Stadt für Verbesserungen Städtebaufördermittel abrufen kann. Zu rechnen ist, so Weinl, mit Zuschüssen in Höhe von 60 Prozent der förderfähigen Kosten. Was den Bahnhof Nord angeht, ist das Umfeld strikt definiert: Es betrifft nur die Park&Ride-Anlage mit dem Hans-Zellner-Weg, den gesamten Bereich des Lebensmittelsmarktes (ehemals Tengelmann) mit dem nördlich davon brach liegenden Grundstück zwischen dem Markt  und der Gautinger Straße, das Vorfeld des Bahnhofsgebäudes und die Straßen, die zur Grundschule an der Ferdinand-Maria-Straße führende Himbselstraße. In diesem Gebiet sind gravierende Veränderungen zu erwarten. So ist eine Aufstockung des Parkdecks ein Thema, der Lebensmittelmarkt soll nach Plänen eines privaten Investors einem großen Fachmarktzentrum weichen, mit dem zugleich ein neuer Busbahnhof für Starnberg (Mobilitätsdrehscheibe) konzipiert werden soll, und  nach der Bahnüberführung entsteht gerade das Projekt der Wohnungsgenossenschaft Starnberger See eG für Seniorenwohnen. Hier und bis zur Grundschule muss der Straßenraum dringend neu geordnet und auf Schulwegsicherheit überprüft werden. Als Misstand definiert ist, dass der Einzelhandel im Gebiet nicht den modernen Anforderungen entspricht und vielfach die Barrierefreiheit fehlt. Zu den Zielen, die für die Innenstadt schon immer attraktivere öffentliche Flächen, die Stärkung der Versorgungsfunktion, Entlastung vom Durchgangsverkehr, Umstrukturierung und Aufwertung des Bereiches der Seeanbindung vorsahen, kommen mit den drei Ergänzungen die folgenden Sanierungsziele hinzu: Entwicklung von verkehrssicheren, barrierefreien Fuß- und Radwegeverbindungen zwischen dem Stadtkern und wichtigen Zielen wie Bahnhöfen, öffentlichen Einrichtungen und dem See, die Vernetzung und Aufwertung des öffentlichen Raumes sowie die Schaffung eines durchgängigen und barrierefreien  Uferwegs für Fußgänger und Radfahrer.

Die Erklärung der Gebiete zu Sanierungsgebieten bedeute für Eigentümer von Grundstücken in den fraglichen Bereichen die Möglichkeit der Mitwirkung, räume der Stadt ein Vorkaufsrecht ein und schaffe  den Rahmen, durch Verträge Sanierungsziele zu sichern, sagte Weinl. Weil die Stadt nur das einfache Sanierungsverfahren wähle, würden keine Vermerke ins Grundbuch eingetragen, eigene Maßnahmen bedürften nicht einer besonderen Genehmigung und es werde auch keine Sanierungsumlage von den Betroffenen erhoben.

Diese Vorschläge wurden von den Besuchern der Veranstaltung  der Verwaltung mit auf den Weg gegeben: Rafael Reitzig wünscht sich, dass in Starnberg noch mehr für Radfahrer getan wird, zum Beispiel an der Hanfelder Straße und am Seufzerberg (Bahnhofstraße). Andreas Lintl bat um einen genauen Blick auf die Kreuzung Himbselstraße/Ecke Riedener Weg. Das dort verbreitete Parken von Kfz bis zur Kreuzung mache das Überqueren der Straßen gefährlich. Ein Dorn im Auge ist ihm auch „wildes Parken am Ludwig-Thoma-Weg“. KLaus Urbasch verlangte einen Taxistand am Bahnhof Nord. Die Pläne für den neuen Busbahnhof, die vor einigen Jahren jedoch nur grob vorgetragen worden waren, sahen so etwas vor. Bisher waren die Taxiunternehmer nicht geneigt, am S-Bahn-Haltepunkt Nord auf Fahrgäste zu warten. DPF-Stadträtin Angelika Kammerl äußerte sich ablehnend: Die Stadt habe bereits genug Projekte, die erhebliche finanzielle Mittel erforderten. Neue Maßnahmen seien da nicht zu vertreten. Bürgermeisterin Eva John bat, diese Diskussion in den politischen Gremien zu führen. An diesem Abend gehe es um den „Input, den die Bürger geben“. Ulrich Beigel wünschte sich eine Aufwertung des Grünbereiches dort wo die Ferdinand-Maria-Straße in die Münchner Straße einmündet. Lutz Janssen regte Kamera-Überwachung überall dort an, wo in der Stadt Vandalismus und Graffity vorkomme.