Die Kreissparkasse hat offenbar schon seit dem vergangenen Jahr den Wunsch, an der Nutzung des Erdgeschosses ihres Hauptgebäudes etwas zu ändern. Genauso lange ist auch schon das früher so beliebte Eis-Café „Il Moro“ verwaist. Zu konkreten Einigungen war es aber wohl nicht gekommen. Erst der heuer am 2. März bei der Stadt eingegangene „Antrag auf Vorbescheid für Umbau/Modernisierung der Kreissparkasse Filiale Starnberg“ hat wieder Bewegung in die Sache gebracht, zunächst in der Öffentlichkeit – schon im Vorfeld der gestrigen Sitzung des Bauausschusses des Stadtrates. Daran dürften auch einige Stadträte Anteil haben, die, wie gestern zu erfahren war, bereits im Vorfeld Gespräche mit Sparkassen-Verantwortlichen geführt hatten und glaubten, eine fertige Lösung präsentieren zu können. Federführend war dabei Otto Gaßner (UWG).

Das will die Sparkasse:

Die Kundenhalle soll künftig 24 Stunden täglich zugänglich sein. Sie wird verkleinert, indem heutige Laufflächen wie die Passage vom Kirchplatz zur Ludwigstraße in Beratungsbüros umgewandelt werden sollen. Nachts ist geplant, den nicht den Geld- und Service-Automaten vorbehaltenen, dann deutlich beschränkteren Foyer-Bereich mittels eine verschiebbaren Glaswand so abzusperren, dass ein Zugang zur Tiefgarage durch das Gebäude nicht mehr möglich ist. Dafür soll ein offizieller Nachtzugang am Kirchplatz (heute schon vorhandener Zugang) modernisiert und renoviert werden. Sowohl innen im Foyer als auch außen an der Ecke Wittelsbacher-/Ludwig Straße entfielen die Bereiche, in denen Tische und Stühle für die Gastronomie aufgestellt werden könnten.

Ungeklärt blieb trotz Nachfragen von Stadträten, was im Obergeschoss der Sparkasse künftig noch von dem Geldinstitut selbst genutzt wird, beziehungsweise ob hier die Vermarktung von Flächen angedacht ist. Seit längerer  Zeit gibt es im ersten Stock keine der früher sehr frequentierten und beachtenswerten Ausstellungen von Künstlern mehr. Auch wurde das Foyer im Erdgeschoss schon lange nicht mehr für Veranstaltungen genutzt.

Nach Aussagen von Stadtbaumeister Stephan Weinl weichen die neuen Wünsche des Geldinstitutes deutlich von den Vorgaben ab, die vor der Baugenehmigung 1999 in einem Durchführungsvertrag zwischen Stadt und Sparkasse festgelegt worden waren. So war ein fester Anteil der Erdgeschossflächen für Laden- und Gastronomienutzung gesichert worden. Der sinkt nach den Umbauplänen um rund 100 Quadratmeter. Außerdem hatte die Stadt sich damals die Passage zwischen Kirchplatz und Ludwig Straße gesichert. Die große Halle sollte als „multifunktionale Fläche für Präsentationen, Aktionen und so weiter genutzt“ werden und den anliegenden Geschäften eine verlängerte Nutzung der Freiflächen ermöglichen. Ziel des rechtsgültigen Bebauungsplanes sei es gewesen, so Weinl, die Nutzung des Erdgeschosses für die Öffentlichkeit sicher zu stellen und so zur Belebung der Innenstadt beizutragen. So sollte verhindert werden, dass der sehr große Baukörper nicht als Fremdkörper in der ansonsten kleinteiligen Innenstadt wahrgenommen wird. In der städtebaulichen Beurteilung der Sparkassenpläne durch das Stadtbauamt heißt es jetzt: „Das vom Antragsteller im Antrag auf Vorbescheid hervorgehobene Planungsziel  (größtmöglicher Service- und Beratungskomfort, gleichzeitig die Kundenhalle als Begegnungsstätte und Platz des öffentlichen Lebens für die Stadt Starnberg aufgewertet und weiterentwickelt)  wird durch die Planung konterkariert und führt zu einem massiven Verlust an Aufenthaltsqualität und Attraktivität für Besucher und Kunden.“

Christiane Falk (SPD) berichtete, die Kreissparkasse habe die Stadträte angeschrieben und um Vorgespräche gebeten. Ihr Antrag, den in der Sitzung anwesenden Vertreter des Geldinstitutes befragen zu können, wurde mit 6:7 Stimmen abgelehnt.Gerd Weger (CSU) forderte auszuloten, wo die Schmerzgrenzen von Stadt und Sparkasse liegen. Den Vorschlag des Rathauses, den Vorbescheid abzulehnen, wollte er nicht mittragen. Angelika Kammerl (DPF), die sich, wie Bürgermeisterin Eva John einen von Kammerls Beiträgen in den sozialen Medien zitierte, noch vor einer Woche gegen eine „Automatenwüste“ im Foyer ausgesprochen hatte, forderte die Stadt nun zu Zugeständnissen auf: „Es reicht, wenn die Nutzung des Cafés gesichert werden kann.“ Sie verwies darauf, dass die Sparkasse ein bedeutender Gewerbesteuerzahler sei. Dahinter machte aber Günther Picker (WPS) ein Fragezeichen. Annette von Czettritz (Grüne) meinte, sie habe in all den Jahren die Passage zur Ludwigstraße höchstens drei Mal genutzt und könne deshalb darauf verzichten. Picker hielt stattdessen entgegen, die Passage habe sich bewährt. Die Sparkasse solle nachweisen, dass sie vom Durchführungsvertrag mit der Stadt abweichen müsse. Schließlich könnten Beratungsräume für die Kunden auch im 1. Stock angeboten werden.

Gaßner begann seine Rede, indem er sich mit Blick auf die Bankenkrise froh zeigte, dass die Sparkasse habe erhalten werden können. Er sei auch für die Belebung der Innenstadt, das könne aber auch geschehen, indem in der Bank mehr Personal eingesetzt werde. Nach seinen Gesprächen sei die Sparkasse bereit, das Eiscafé wieder als Gastronomie nutzen zu lassen und dem Betrieb auch die Bespielung der Außenflächen zu ermöglichen. Josef Pfister (BMS) erinnerte daran, dass nur der Durchführungsvertrag es dem Geldinstitut damals ermöglicht habe, das sehr umstrittene „Riesengebäude“ an der Stelle der Innenstadt zu bauen. Er befürchtet, dass sich in der Ludwigstraße „nichts mehr tut“, wenn die Passage geschlossen wird. Und Pfister erinnerte darüber hinaus an die Rücksichtslosigkeit, mit der CSU- und Sparkassenvertreter bei der Einweihung mit dem damaligen Starnberger Bürgermeister Heribert Thallmair umgegangen seien. Zur Erinnerung: Die eng befreundeten Stadträte Gaßner und Heiner Janik hatten die CSU wegen unüberbrückbarer Differenzen verlassen. Beide schlossen sich dem CSU-Verband München -Land an. Janik wurde dort Landrat und war somit auch zuständig für die Kreissparkasse München. Für die Kreissparkasse Starnberg zeichnete der damalige CSU-Landrat Heinrich Frey verantwortlich. Janik, Frey und die Chefs der beiden Kreissparkassen einigten sich hinter dem Rücken von Thallmaier auf eine Fusion, die sie genau am Tag der Einweihung bekannt gaben. Thallmaier hatte sich vehement für die Kreissparkasse und ihren Wunsch, im Starnberger Zentrum ihr großes Bürogebäude zu etablieren eingesetzt – gegen viele Kritiker, die damals bereits voraussagten, was kurz danach eintraf: Das fusionierte Bankhaus reduzierte Personal und konzentrierte vieles in München, so dass es Zeiten gab, zu denen der Starnberger Bau mehr zu Ausbildungszwecken statt dem Bankgeschäft genutzt wurde. Thallmaier sagte bis zum Ende seiner Amtszeit mehrfach er habe sich hintergangen gefühlt. Auch Iris Ziebart (FDP) erinnerte sich: „Es war das Feigenblatt für den Klotz, dass das Foyer für die Öffentlichkeit zugänglich war.“ Viel Schlimmeres habe zur Debatte gestanden. „Auch die Ludwigstraße wird sich verändern“, mahnte Ziebart die Passage zu erhalten und sie nicht kampflos aufzugeben. Markus Mooser (WPS) hing dagegen nicht an der Passage, wohl aber an der Gastronomie.

Weger wollte die Entscheidung gestern Abend zurückstellen und zuerst verhandeln. Bürgermeisterin John wies aber darauf hin, dass das nicht möglich sei, weil ein Vorbescheid nach Ablauf von zwei Monaten als erteilt gelte. „Es muss heute entschieden werden“, sagte sie. Dem widersprach Gaßner. Die Sparkasse habe den falschen Antrag gestellt, denn eigentlich gehe es um die Änderung des Bebauungsplanes. Deshalb müsse man nicht an diesem Abend entscheiden. Für John war aber allein relevant, wie das Schreiben lautet: „Antrag auf Vorbescheid“. Gaßner hielt es dagegen für ausreichend, dem Geldinstitut eine Zustimmung zu den Plänen in Aussicht zu stellen, wenn es die Gastronomie samt Außenflächen ermögliche. Picker war der Ansicht, es sei nicht Aufgabe des Ausschusses, etwas anderes in den Antrag der Sparkasse hinein zu interpretieren. Er plädierte für Ablehnung und Aufnahme von Verhandlungen. Diesen Weg empfahl auch Ludwig Jägerhuber (CSU), der sich zudem dafür aussprach, die Passage zu erhalten. Schließlich sei das einmal eine „historische Wegeverbindung“ gewesen.

Am Ende wurden die im Antrag auf Vorbescheid von der Sparkasse gestellten Fragen einstimmig negativ beantwortet. Das Rathaus erhielt den Auftrag die Gastronomienutzung der ehemaligen Flächen des Eiscafés mit Nutzung des Innen- und Außenbereiches zu verhandeln. Kein Thema mehr ist die Passage, weil die Ausschussmehrheit mit 5:7 Stimmen darauf verzichtete.