Bevor das neue „Seebad Starnberg“ im Juni eröffnet, muss noch eine umfangreiche Testphase der gesamten Schwimmbadtechnik samt neuer Räumlichkeiten durchlaufen werden. „Jetzt dürfte sich eigentlich nichts Gravierendes mehr ergeben“, sagte Anne Hugues von „von Seifert Hugues Architekten GmbH“ aus München in der jüngsten Stadtratssitzung. Zuvor hatte Projektsteuerer Jens Jedamzik einen Überblick über den aktuellen Sachstand und die Kostenentwicklung bei dem Bauprojekt gegeben.

Jedamzik klagte dabei, manche Auftragnehmer hätten die Bearbeitung „durchaus schleppend“ ausgeführt. Es habe Insolvenzen von Baufirmen und Bearbeiterwechsel gegeben, auch das ein Grund, warum der Eröffnungstermin Ende April nun auf Ende Juni korrigiert werden müsse. Am Stand der Kosten habe sich im ersten Quartal 2018 nichts mehr verändert. Aber es gebe noch Forderungen aus der Bauzeitverlängerung, dadurch bedingter Behinderungen von Firmen untereinander bis hin zu Stillständen. Nach Einholung von rechtlicher Beratung habe man diese alle abgelehnt, weshalb im Moment „relative Ruhe“ eingekehrt sei. Man rede da noch über 350000 Euro. Nach Einschätzung der Fachleute werde es für die Firmen aber sehr schwer werden, diese Forderungen durchzusetzen. Ein gewisses „Restrisiko“ wollte Jedamzik nicht ausschließen und empfahl mit Blick auf den städtischen Haushalt als Abschlusssumme 22,8 Millionen Euro einzustellen.

Gestartet war das Projekt mit einer Prognose von 18,58 Millionen Euro. Posten, die wesentlich zum Anstieg beitrugen war die Nutzungsänderung im Obergeschoss, in die wie berichtet nicht eine Fitness-Einrichtung sondern eine zweite Gastronomie einziehen wird. Dies hatte der Stadtrat genehmigt. Abdichtungen an der Glasfassade des Bades und am Familienbad rissen das nächste Loch in den Stadtsäckel. Völlig ungeplant musste dann in der zweiten Hälfte 2017 eine undichte Stelle am Dach saniert werden, ebenso das große Becken, das während der zweijährigen Bauzeit zum Schutz vor Schäden abgedeckt gewesen war. Die schon vorher vorhandenen Schäden am Fliesenboden, so dass dieser getauscht werden musste, ergaben sich erst nach dem Abdecken. So kam der Kostenstand 22,5 Millionen Euro Ende 2017 zustande. Jedamzik listete auf: Neben diesen Steigerungen an der Bauwerkskonstruktion, die auch ein Anwachsen der Baunebenkostet bedeutete, hatte es auch Verluste bei den Ausschreibungen gegeben, und rund eine Million Euro mehr kosteten Abbruchmaßnahmen am Bestandsgebäude, weil sie sich schwerer gestalteten als gedacht. Die „klassischen Sowieso-Kosten“ beim Bau, Leistungen, die erst im Zuge der Ausführung notwendig werden, lägen hier so niedrig, dass Jedamzik sie als „absolute Spitzenklasse“ bezeichnete (593886 Euro).

Weiter zur Kostensteigerung beigetragen haben nach seinem Bericht Ereignisse, die während der Bauzeit den Firmen das Leben schwer machten, wie ein erhöhter Grundwasserstand bei der Gründung, ein korrodiertes Schwallwasserbecken, Hochwasser vom See im Gebäude und bei Fundamentierungsarbeiten, eine undichte Naht am Dach, das nur punktuelle Erneuern von Fliesenbereichen im Schwimmbecken, und dass der Beckenboden am Ende unter Schutzzeltbedingungen abgebrochen werden musste, damit nicht die bereits fertigen Seebad-Bereiche durch Staub, Dreck und Bauschutt beschädigt werden. Am Schluss stellte sich auch noch heraus, dass falsche Rinnensteine für die Beckeneinfassung geliefert worden waren. „Das bedingte, dass das Wasser jetzt erst vier Wochen später ins Becken kommt“, so Jedamzik. Ungeachtet der Verzögerung beim Hallenbad, solle aber der Strandbadbetrieb wie in den letzten Jahren auch provisorisch ermöglicht werden und ab Mai möglich sein.

Thomas Beigel (CSU) wollte den Kostenverfolgungsplan und den aktuellen Kostenstand mit dem Rechnungsprüfungsausschuss „in Ruhe lesen und kontrollieren können. Wie berichtet, wurde deshalb die Entscheidung über die Genehmigung der notwendigen Nachträge durch den Stadtrat bis nach dieser Prüfung einstimmig zurückgestellt.