Erneut gab es in der jüngsten Stadtratssitzung große Aufregung um die Ufermauer im Bereich des neuen Saunagartens für das modernisierte Seebad Starnberg, ehemals Wasserpark. Grund war, dass die Mauer auch ein Vierteljahr vor der schon zweimal verschobenen Neueröffnung des Seebades (Mitte des Jahres) immer noch nicht fertig ist und teurer als vom Rathaus ursprünglich veranschlagt wird, nämlich 231906 Euro netto. Ursprünglich war das Projekt auf 152000 Euro netto geschätzt worden. Es geht um ein 30 Meter langes Stück Mauer, dass vom Seewasser unterspült ist und durch Sitzstufen für die Saunabesucher ersetzt werden soll. Am Ende der stundenlangen Debatte, die hauptsächlich von Schuldzuweisungen an die Adresse der Bürgermeisterin geprägt war, forderte Franz Heidinger (BLS) in einer Protokollnotiz zu prüfen, ob die Stadt die bisherigen Planer, die nicht erkannt hätten, dass die Sitzstufen eine stabilere Verankerung im Seeboden benötigen, in Regress nehmen kann.

Zur Erinnerung: Anfang 2017 hatte das Stadtbauamt den Räten mitgeteilt, dass bei genauerer Untersuchung festgestellt worden sei, die Ufermauer vor den neuen Saunahütten sei nicht mehr standfest und müsse möglichst schnell ersetzt werden, damit der Eröffnungstermin für das Seebad nicht durch diese offene Baustelle verzögert werde. Erst nach mehreren Anläufen, schon damals Beschwerden, der Rat sei zu spät informiert und in Entscheidungen nicht einbezogen worden, gab es eine knappe Mehrheit dafür, die Mauer zu ersetzen und nach weiteren Diskussionen einigte man sich auf den Bau von Sitzstufen. Der Auftrag wurde im Februar 2017 vergeben. Wie Bauleiter Roland Großberger dem Stadtrat berichtete, meldete die beauftragte Baufirma jedoch Bedenken wegen der Gründung an und empfahl eine Überarbeitung der Planung, was letztlich eine Tektur nach sich gezogen habe, die vom Landratsamt genehmigt werden musste. Dafür sei auch ein Baugrundgutachten nötig gewesen. Im Juni 2017 habe die Genehmigung dann vorgelegen, im Herbst sei begonnen worden und nach der Winterpause gehe es jetzt zügig weiter. Großberger versicherte, an dem Erscheinungsbild oberhalt der Seeoberfläche habe sich gegenüber der vom Stadtrat genehmigten Planung nichts geändert, nur bei der Gründung unter dem Wasserspiegel.

Thomas Beigel (CSU) wollte das „nicht einfach zur Kenntnis nehmen“. Er sei „völlig entsetzt“ echauffierte er sich und unterstellte, im vergangenen Jahr sei „mit aller Gewalt was hingerotzt“ worden. Bürgermeisterin Eva John erinnerte daran, dass man sich einig gewesen sei, einen hochwertigen Zugang von der Saunalandschaft zum See zu schaffen. Sie bat auf Widrigkeiten beim Bauen „angemessen zu reagieren“, sehe aber, dass Beigel das Verständnis nicht aufbringen wolle. Für Beigels Fraktionskollegen Gerd Weger war die nötig gewordene neue Gründung der Sitzstufen „völlig neue Pläne“. Er fühle sich von der Rathausverwaltung „getäuscht und unredlich unter Zeitdruck gesetzt“. John bedauerte noch einmal, dass man die Bedenken der Fachfirma nicht habe ausräumen können. Die Schwierigkeiten seien eben erst nach der Auftragserteilung aufgetaucht: „Wir finden das auch nicht besonders toll. Aber die Mehrkosten werden ja dort verbaut. Es ist doch keiner mit dem Geld weggerannnt“, beschwichtigte die Rathauschefin. Für Angelika Kammerl (DPF) „stinkt die ganze Geschichte zum Himmel“. Ihrer Meinung nach sollte der Tagesordnungspunkt zurückgestellt und die Baumaßnahme neu beschlossen werden. Es könne nicht sein, dass der Stadtrat das nur abnickt. „Sie hätten uns vorher fragen müssen“, so Kammerl an die Adresse von John, „ich toleriere diese Vorgehensweise nicht.“ John konterte, der Abschluss zum See hin werde im Juni fertig werden, das Material sei schon bestellt. Im Übrigen verwies sie auf den Umstand, dass der Punkt „Ufermauer“ mehrmals auf der Tagesordung für Stadtratssitzungen gestanden habe, vom Gremium selbst aber vertagt oder abgesetzt worden sei. Sie habe den gefassten Beschluss vom April letzten Jahres vollzogen und müsse sich bei solchen Themen auf die Fachleute verlassen. Stadtbaumeister Stephan Weinl warnte vor Schnellschüssen: „Wenn man einen Auftrag vergeben hat, hat die beauftragte Firma einen Anspruch darauf, die Aufgabe zu erfüllen.“ Die Änderung der Planung sei erforderlich gewesen, die gefundene Lösung entspreche den vom Stadtrat beschlossenen Zielen. Leider koste es jetzt mehr und dauere länger. „Ich rate, es zu Ende zu führen, damit der Wasserpark fertig gestellt werden kann.“ Iris Ziebart (FDP) bat die Kollegen sich in Erinnerung zu rufen, welches Ziel sie verfolgen wollen: „Den Abend mit Schuldzuweisungen verbringen, das Seebad möglichst schnell eröffnen oder einen möglichst großen Eklat zu produzieren? Ich frage mich, was unsere Aufgabe ist?“, schaute sie in die Runde.

Klaus Rieskamp, damals noch Mitglied der BLS, jetzt DPF, monierte: „Das ist mit heißer Nadel gestrickt. Das kommt mir spanisch vor. Die Beschlussvorlage kam erst heute Vormittag um 9 Uhr. Das ist rausgecrasht und vorgesetzt. Mein Vertrauen ist Null.“ Landschaftsarchitekt Großberger rückt richtig: „Die Kostenaufstellung ist vom 16. März.“ Sie war damit sechs Tage alt. Christiane Falk (SPD) fand, es sei „eine unprofessionelle Art“ die Sitzung vorzubereiten. Wenn sie morgens in die Arbeit gehe, lese sie E-mails, die tagsüber kommen, nicht mehr. Sie habe „schlechte Erfahrungen damit“ wie die Bürgermeisterin Fakten schaffe und den Rat unter Druck setze. „Wir sind die Bürger“, so Falk. „Wir leisten uns ein neues Bad und es ist unsere Pflicht alles zu kontrollieren.“ Beigel sagte, er habe sich eine schnellere Information aus dem Rathaus erwartet. Die finanziellen Nachträge auf Grund der Planänderung dürfe der Stadtrat nicht genehmigen. An diesem Abend die Planung zum ersten Mal zu sehen war für Ludwig Jägerhuber (CSU) „fehlende Tranparenz“. Er mahnte John, den Rat nicht „pausenlos vor vollendete Tatsachen zu stellen“. Man wolle „mitgenommen“ werden. Für ihn und die anderen zählt die Bürgermeisterin alle Versuche auf „wo der Stadtrat mitgenommen werden sollte“, die Angelegenheit von diesem aber zurückgestellt worden sei. Mit Blick auf die Tatsache, dass zu jeder dieser nicht stattgefundenen Beratungen schriftliche Unterlagen übersandt worden waren, meinte sie: „Sie können nicht so tun, als wäre Ihnen der Fortgang des Projekts nicht dargestellt worden.“ Josef Pfister (BMS) stellte die Ufermauer noch einmal in Relation zum Gesamtprojekt Seebad: „Eine Kostenerhöhung um 0,3 Prozent. Dafür haben wir jetzt eineinhalb Stunden diskutiert.“

Wie berichtet, wollten zwei Stadträte die Kostendarstellung nicht einmal zur Kenntnis nehmen, mit 19:6 Stimmen entschied der Rat, die durch die Planänderung nötigen finanziellen Nachträge von insgesamt rund 71000 Euro nicht zu genehmigen.