Seit 2013 suchen Stadt und Katholische Kirche in Perchting schon gemeinsam nach einer Lösung, den immer zahlreicher werdenden jungen Familien im Starnberger Ortsteil zu einem Kinderbetreuungsplatz zu verhelfen. Diese Plätze sind dort aktuell nämlich immer noch Mangelware. Letztendlich hatte die Kirche an der Jägersbrunner Straße auf einem Flurstück gegenüber dem Sportplatz des TSV Perchting einen Grundstücksteil angeboten. Ein Architektenwettbewerb ist im vergangenen Jahr durchgeführt worden. Den ersten Preis ergatterte dabei wie berichtet das Starnberger Architekturbüro „Raumstation“, das inzwischen auch den Zuschlag des Stadtrates für die Realisierung erhalten hat. Ursprünglich war mit einem Baubeginn bereits 2017 geliebäugelt worden, doch so schnell ging es dann doch nicht. In der jüngsten Stadtratssitzung sollten die Entwürfe für die Änderung des Flächennutzungsplanes sowie für den neuen Bebauungsplan behandelt werden, nach dem Willen von Bürgermeisterin Eva John und dem Stadtbauamt am liebsten auch gleich das gemeindliche Einvernehmen zum Bauantrag erteilt werden, damit dann der Bauantrag beim Landratsamt eingereicht werden kann. Doch so schnell wollten nicht alle Stadträte mitgehen. Martina Neubauer (Grüne) hätte lieber noch eine Extrarunde mit Beratung im Bauausschuss gedreht, obwohl sie das Projekt genauso wie ihr Fraktionskollege Franz Sengl ohnehin ablehnt. Sie, weil das Kinderhaus am Ortsrand entsteht, er, weil der Stadtrat den diesjährigen Haushalt noch nicht verabschiedet hat. Auch Stefan Frey (CSU) stimmte dagegen. Ihm geht die Erschließung gegen den Strich.

Stadtbaumeister Stephan Weinl stellte das Projekt noch einmal vor. Geplant ist ein langgezogener Bau mit Kindergarten (25 Plätze), Hort (25 Plätze) und eine Kinderkrippe für die Kleinsten mit zwölf Plätzen. Weinl sprach von einer inzwischen „intensiven Entwurfstiefe“, weshalb die Kosten von 4,5 Millionen Euro ziemlich sicher seien. Erteile der Stadtrat das gemeindliche Einvernehmen, könne die Verwaltung das erste Vergabepaket in Auftrag geben. John erläuterte, warum es nichts wird mit der sowohl von den Perchtingern als auch vom TSV gewünschten neuen Erschließungsstraße von der Staatsstraße 2070 (Andechs-Starnberg) zum Sportplatz und damit auch zum neuen Kinderhaus: „Es waren nicht alle notwendigen Flächen dafür zu erhalten“, so John. Sie hoffe, dass die Eltern die Kinder überwiegend zu Fuß bringen, denn es gehe ja vor allem um Familien, die in Perchting wohnen, nur wenige aus Hadorf und Andechs. Gerd Weger (CSU) zeigte sich „traurig“, dass aus der neuen Straße nichts wird. Die Jägersbrunner Straße sei halt sehr eng. „Wir wollten doch auch den Sportverein entlasten“, so Weger. Das Rathaus nehme die Probleme mit der Jägersbrunner Straße zu leicht. Eine Ortsteilbürgerversammlung solle durchgeführt werden, forderte Weger. Die Bürgermeisterin bestätigte, dass eine solche bereits in Vorbereitung sei, und dass die Jägersbrunner Straße an einzelnen Stellen eng sei, versprach aber, dass bis zum Kinderhaus ein Gehweg gebaut werde. Sie gab zu Bedenken, dass der Ort mit der neuen Straße von der Staatsstraße aus vielleicht gar nicht so glücklich geworden wäre: „Die hätte sich zur zweiten Zufahrt zum Ort entwickeln und auf diese Weise viel Durchgangsverkehr nach Perchting bringen können.“ Frey will die nun einzig mögliche Lösung mit den Bürgern „sauber diskutieren“. Franz Heidinger (BLS) plädierte auch dafür, den Baubeschluss noch zurückzustellen. John erinnerte deshalb nochmals an den „sehr hohen Bedarf an Kinderbetreuungsplätzen in Perchting“. „Wir müssen mit der Entwurfsplanung weiterkommen“, mahnte sie. Christine Lipovec (BMS) zeigte sich zuversichtlich, dass die Eltern die Kinder später „nicht bis vor die Türe fahren“. Ihr Fraktionskollege Josef Pfister erteilte denen eine Absage, die mit der Enteignung von nötigen Flächen für die neue Straße liebäugeln: „Dann sind wir nie bis Ende 2019 fertig. Der größte Teil des Dorfes will das Kinderhaus doch.“ Die Mehrheit des Stadtrates plädierte für zügiges Weiterarbeiten (17:11). Dagegen waren Vertreter von SPD, Grünen, UWG und BLS.