Über insgesamt 26 Seiten Einwendungen und Anregungen hatte der Bauausschuss in Sachen Einheimischenmodell Am Wiesengrund Donnerstagabend zu befinden. Viele Punkte waren von 30 Anwohnern vom Waldspielplatz und der Jahnstraße beigesteuert worden, die sich laut Peter Meinert vom Stadtbauamt mit fast identischem Vorbringen vor allem gegen die geplante Erschließung des neuen Wohngebietes über ihre Straßen wendeten. Auch wenn sich das Rathaus mit der Nachbargemeinde Pöcking um eine zweite Erschließungsmöglichkeit aus Richtung Süden bemüht, wird es vorerst bei der Zufahrt über die Straße „Waldspielplatz“ bleiben. Einige wenige Änderungen am Bebauungsplanentwurf musste die Verwaltung nach der Beteiligung der Öffentlichkeit und der Behörden, die vom 29. März bis 9. Mai stattgefunden hatte, doch noch vornehmen, so dass nun in Bezug auf diese Änderung eine erneute öffentliche Auslegung nötig ist. Zu den Änderungen gehörte auch eine flexiblere Gestaltung bei den Haustypen. Zeitliche Verzögerungen hinsichtlich des Starts für das Vergabeverfahren für die Reihenhaus-Grundstücke – bisher war die Rede von Sommer 2018 – waren aber kein Thema.

Die Anwohner der heute schon bestehenden Wohngebiete am Waldspielplatz und an der Jahnstraße befürchten mehr Verkehr auf ihren ihrer Ansicht nach nicht ausreichend dimensionierten Straßen. Sie lehnen es laut Meinert ab, dass der Baustellenverkehr während der Herstellung der neuen Häuschen für Starnberger Familien sowie der Mehrfamilienhäuser mit Eigentums- und Mietwohnungen durch ihr Gebiet erlaubt wird. Fakt ist aber, dass der Antrag der CSU, eine direkte Erschließungsstraße aus dem neuen Wohngebiet auf die Bundesstraße 2 (B2) zu erreichen, vom Staatlichen Bauamt Weilheim strikt abgelehnt worden ist. Wie berichtet hatten sich die Stadträte in der Vergangenheit schon mehrfach dafür ausgesprochen, als Ersatz dafür eine gemeinsame Lösung mit Pöcking zu verhandeln, das am Schmalzhof ein neues Gewerbegebiet bauen wird. Patrick Janik (UWG) verlangte Auskunft über  „Eifer und Kampfeswillen des Rathauses gegenüber dem Pöckinger Bürgermeister, damit wir den Anwohnern sagen können, wir haben getan was wir konnten“. Christiane Falk (SPD) kritisierte: „Das Bemühen für eine andere Erschließung wird mir nicht deutlich genug.“ Dieser ausschlaggebende Punkt müsse zuerst geklärt werden, auch wenn sich alle Fraktionen einig seien, möglichst schnell die Bauwünsche der Interessenten am Einheimischenmodell zu erfüllen. Iris Ziebart (FDP) warnte den Fortgang des Bebauungsplans mit dieser Diskussion zu gefährden: „Die hundert oder mehr Leute rechnen damit, dass sie in diesem Jahr noch kaufen und dann bald bauen können.“ Da das Modell sowieso in Abschnitten realisiert werden solle, würden sich im Laufe der Zeit vermutlich noch Lösungsmöglichkeiten für die Zu- und Abfahrten zum Gebiet ergeben. Auch Bürgermeisterin Eva John mahnte: „Fakt eins ist, dass die Kreuzung B2/Waldspielplatz sowieso überarbeitet werden muss, weil das Verkehrsgutachten schon die Sogwirkung des geplanten B2-Tunnels (Anm. d. Red.: gemeint ist damit, dass mit einer Zunahme des Verkehrs auf der B2 zu rechnen ist, wenn der Tunnel gebaut ist) festgestellt hat und die Wohngebiete dieser Straße sonst abgehängt würden. Laut Gutachter sei eine Ampel dort nötig. Fakt zwei sei, dass es Gespräche mit dem Pöckinger Bürgermeister Rainer Schnitzler gebe. Beide Rathauschefs hätten mehrere planerische Lösungen in Auftrag gegeben, mit bisher noch offenem Ergebnis. Fakt drei sei, dass der Stadtrat den an dem Einheimischenmodell interessierten Menschen geförderten Wohnraum versprochen habe. „Jetzt kann man nicht alle Bedenken dieser Welt auf das Projekt übertragen. Die Leute warten darauf“, so John. Stadtbaumeister Stephan Weinl erläuterte, dass zwei Erschließungen möglich sein könnten. Rechtlich gesichert sei bereits die über den Waldspielplatz, gearbeitet werde an einer Lösung von der Prinzeneiche über die Straße Am Wiesengrund auf den Oberen Seeweg. Weinl versicherte, das heute bestehende Straßensystem könne die anstehende Mehrbelastung durch die Neubauten „bewältigen“. Gerd Weger (CSU) will die Parzellen an die Bauwilligen aber erst vergeben, wenn alle Fragen zum Projekt geklärt sind. Sein Fraktionskollege Ludwig Jägerhuber wollte nicht so weit gehen: „Ich lasse es nicht gelten, wenn die Anwohner sagen, nach mir darf keiner mehr bauen. Aber wir müssen ihnen auch ganz klar sagen, dass über die Erschließung von Süden weiter nachgedacht und verhandelt wird. Außerdem sollte die Idee weiter verfolgt werden, vom Oberen Seeweg über den Wirtschaftsweg parallel zur B2 entlang des Schmalzhofgeländes einen Anschluss an den Maxhof-Kreisverkehr zu erreichen. Die Abwicklung des Baustellenverkehrs erfordert eine die Anwohner schonende Lösung. Dann liegen dem Projekt auch keine Steine mehr im Weg.“ Das wurde beim Beschluss in einer Protokollnotiz festgehalten.

Sandra Urbaniak vom Architektenbüro „AKFU“ aus Germering (Gewinner des Architektenwettbewerbs für das Einheimischenmodell) machte noch einen Vorschlag, der den Bewerbern für die Reihenhausparzellen eine weitere Wahlmöglichkeit gibt. Bisher enthielt das Modell drei Haustypen: H1 mit kleiner Grundfläche aber drei möglichen Geschossen, H2 und H3 mit etwas größerer Grundfläche aber nur zwei Geschossen. Insbesondere beim Haustyp H2, der im gesamten Gebiet rund 20 mal angeboten werden soll, war die Wohnfläche mit etwa 100 Quadratmeter relativ klein. Urbaniak begründete dies zum einen mit dem Wunsch des Stadtrates, die Kosten für die Erwerber niedrig halten zu wollen, zum anderen mit den kleinen Grundstücksgrößen. Es habe aber eine Anregung aus dem Rat gegeben, zumindest für einen Teil dieser Häuser eine Erweiterungsmöglichkeit zuzulassen. Die Architektin schlug nun vor, bei neun Häusern des Typs H2 ein drittes Geschoss zu erlauben, wenn es der Bauherr wünsche. Vornehmlich solle dies auf Eckgrundstücken möglich sein. Weger lehnte das mit der Befürchtung ab, das werde zu teuer und die Grundstück könnten bei der Vergabe dann übrig bleiben. Ziebart konnte sich die Lösung gut vorstellen, denn es gebe ja auch Familien mit mehr als zwei Kindern. Klaus Rieskamp (DPF) befand: „Das ist eine Erhöhung des Wohnraums für wirklich wenig Geld.“ Falk urteilte: „Eine bestechende Idee. Dann kann ein Elternteil auch von zu Hause aus arbeiten, weil ein Arbeitszimmer möglich ist. Gibt es zu wenig Nachfrage, kann man auf die Erhöhung ja auch verzichten.“ Urbaniak bestätigte, das dritte Geschoss müsse nicht zwingend gebaut werden, es sei lediglich ein Angebot, was auch Janik „durchaus sinnvoll“ fand. Die doch starke Dichte im Gebiet werde so aufgelockert, urteilte Josef Pfister (BMS). Er glaubt, die Nachfrage nach diesem Typ könnte hoch sein.