Für den Stadtrat der Grünen, Franz Sengl, ist es ein erneuter Fall „mit krasser Wirkung“. Auf einem Grundstück am Söckinger Berg seien alle Bäume komplett abgeräumt worden. Er beantrage eine Ortsbesichtigung, um den Ratskollegen vor Augen zu führen wie schlimm das ist, damit sie danach dann entscheiden, ob sie dem Antrag der Grünen zustimmen, die Baumschutzverordnung in Starnberg – zu Beginn der Ratsperiode von einer Mehrheit auf Antrag der WPS abgeschafft – erneut einführen wollen. Sengl musste sich von Klaus Rieskamp (DPF) zunächst belehren lassen, dass das von ihm benannte Beispielgrundstück im Außenbereich liegt und dort eine städtische Baumschutzverordnung, so es sie denn wieder gäbe, keine Anwendung finden könne. Den Antrag auf Ortsbesichtigung von wirklich relevanten Flächen der Innenstadt nach Fällungen befürwortete aber auch Bürgermeisterin Eva John. Eine knappe Mehrheit des Ausschusses für Umwelt, Energie und Mobilität folgte ihr am Dienstagabend und beschloss den Ortstermin mit 7:6 Stimmen. Erst danach soll man sich mit der Frage beschäftigen, ob es eine neue Baumschutzverordnung braucht.

Gerd Weger (CSU) plädierte für die Wiedereinführung: „Sorge macht uns, dass sich manche Bürger nichts um den Baumschutz scheren.“ Ihm hielt Iris Ziebart (FDP) die nach früheren Erfahrungen festgestellte mangelnde Praktikabilität, den hohen Verwaltungsaufwand und das fehlende Personal, das die Einhaltung der Vorgaben überprüfe, entgegen: „Wir müssen den mündigen Bürger sehen und seine Verantwortung einfordern.“ Es sei der falsche Weg, es gebe schon genug Bürokratie. Markus Mooser (WPS) stellte fest: „In der Zeit ohne die Vorordnung hat es in Starnberg keinen Kahlschlag gegeben.“ Die WPS wollte das Regelwerk damals abschaffen, weil es für Bürger und Verwaltung zu erheblichen Kosten, zum Beispiel für Sicherungsmaßnahmen an Bäumen und Gutachten geführt, am Ende meist aber nicht zum Erhalt des Grüns beigetragen habe. „Stadtbildprägende Bäume lassen sich auch ohne eine Verordnung schützen“, so Mooser: „Ich will mal sehen, wer sich wie für den Baumschutz einsetzt, wenn an der Münchner Straße schützenswerte Bäume für den Umbau für die nördliche Zulaufstrecke zum geplanten B2-Tunnel gefällt werden?“, warf er in die Runde.

Auch Franz Heidinger (BLS) sieht in einer neuen Verordnung nur die Produktion von „Kosten, die man sich sparen kann“. Seine Erfahrung als Verantwortlicher bei der Feuerwehr: „Wir müssen viel Bruchholz wegarbeiten, nur weil eigentlich kaputte und nicht mehr sichere Bäume bei einem Sturm dann doch umgestürzt sind.“ Sengl hielt den Kritikern entgegen, dass der Siedlungsdruck auf Starnberg zunehme und das Grün gefährde. Dementgegen betonte Patrick Janik (UWG), dass Baurecht immer vor Baumrecht gehe – ob mit oder ohne Verordnung, obwohl er selbst dann dafür plädierte „dieses vernünftige Stück Kommunalrecht wieder einzuführen“. Angelika Wahmke (UWG) ist es ein Dorn im Auge, dass ohne rechtliche Vorgaben „jeder in seinem Garten machen kann was er will“. Die Bürgermeisterin hat mit den Fachleuten im Rathaus aber die Erfahrung gemacht, dass sich sehr viele Eigentümer durchaus verantwortungsvoll verhalten und das Förderprogramm der Stadt zur Baumberatung und finanziellen Unterstützung von Baumsicherungen sehr gut laufe. Für Christine Lipovec (BMS) ist wichtig, dass die schützenswerten Bäume in Starnberg immer noch stehen, obwohl es ein paar Jahre lang keine Baumschutzverordnung gegeben hat: „Dann kann sie nicht so bedeutend sein“, vermutete sie. Erfahrung von früher sei, dass Leute ihre Bäume damals gefällt hätten, bevor sie die für die Verordnung relevante Größe erreichten. Die Verwaltung des Rathauses wieder mehr zu belasten lehnte sie ab. Ebenfalls nicht für die Wiedereinführung stimmen wollte Rieskamp: „Wer die Bürger gängelt, erzieht sie zur Unmündigkeit.“ Laut John kommen Fälle von Kahlschlag auf Grundstücken zumeist dann vor, wenn ein Altbestand durch einen Neubau ersetzt werden soll. Die Frage der dann nötigen Ersatzpflanzung habe nichts mit der Baumschutzverordnung zu tun. Ihr Fazit: „Unerlaubte Fällungen wird es mit und ohne Verordnung geben.“ Sie versprach, die Verwaltung werde für die Ortsbesichtigung zwei bis drei beispielhafte Grundstücke aussuchen. Danach komme die Angelegenheit erneut in den Ausschuss zur Beratung.