Bisher haben sich die Anlieger der Petersbrunner Straße immer erfolgreich gegen einen Umbau gewehrt. Seitdem feststeht, dass der B2-Tunnel gebaut wird und damit auch ein Durchstich von der Petersbrunner auf die Münchner Straße erfolgen wird (geplant 2020), haben sie voraussichtlich keine Wahl mehr. Aber sie können Anregungen einbringen, was sie demnächst in einem Gespräch zwischen Rathaus und Anliegern tun sollen. In der jüngsten Bauausschusssitzung wurde schon mal ein Plan erläutert, wie die Aufteilung der Verkehrsflächen im kommenden Jahr vorgenommen werden könnte.

Franz Heidinger (BLS) versuchte, die Beratung nochmals aufzuhalten. Am 21. Juni soll beim Staatlichen Bauamt Weilheim eine Besprechung zum Thema „Sicherheit im Tunnel“, stattfinden, sagte er, die solle noch abgewartet werden. Als Referent für die Rettungsdienste liegen Heidinger unter anderem die Belange der Feuerwehr sehr am Herzen, deren Sicherheit er auf Grund der bisherigen Tunnelplanung im Falle eines Einsatzes im Tunnel noch nicht ausreichend gewährleistet sieht. Sein Antrag, den Tagesordnungspunkt zu vertagen, wurde aber mit den Stimmen von CSU, UWG, Grünen, SPD und DPF abgelehnt (5:8). Heidinger hatte kritisiert, es gebe noch kein Gesamtsicherheitskonzept für den Tunnel.

Bürgermeisterin Eva John berichtete dem Ausschuss, das Rathaus habe nach Kenntnis der Erfordernisse, die die Umwandlung der Petersbrunner Straße in eine künftige Staatsstraße mit erheblich höherem Verkehrsaufkommen mit sich bringe, Gespräche mit der Regierung von Oberbayern, der Obersten Baubehörde und dem Staatlichen Bauamt über eine mögliche Kostenaufteilung geführt. Die Kosten für den reinen Straßenraum trägt der Freistaat. Geh- und Radwege samt Beleuchtung bleiben in der Verantwortung der Stadt und sollen im Zuge des Umbaus neu, für Radfahrer zum großen Teil erstmals hergestellt werden. Die Planung war schon im Frühjahr vorgestellt worden (siehe Tunnel erfordert neue Geh- und Radwege). Auf der Nordseite der Straße soll ein 3,50 Meter breiter kombinierter Geh- und Radweg durchgängig zwischen der Gautinger- und der Münchner Straße entstehen. Die Gesamtkosten von 2,2 Millionen Euro wollen sich Stadt  und Land nun teilen: 51 Prozent für die Stadt Starnberg, 49 Prozent für den Freistaat. Starnberg kann darüber hinaus noch mit staatlichen Fördermitteln in der Höhe zwischen 40 und 60 Prozent rechnen, hat aber laut John, die die sehr kooperativen Gespräche lobte, noch keine verbindliche Zusage dafür. Ob es die höchstmögliche Förderung gebe hänge auch von der Nachfrage im gesamten Freistaat ab. Offen ist auch, ob es bei den 1,1 Millionen Euro bleibt, die die Stadt berappen muss. Die Erfahrung der jüngeren Zeit hat gezeigt, dass sich insbesonders bei der Beseitigung von Altlasten beim Straßenneubau unerwartete Überraschungen auftun. Ein Problem gibt es in Zukunft nicht mehr: Die Anlieger müssen nicht mehr befürchten, an den Umbaukosten beteiligt zu werden. Die Straßenausbaubeiträge will der Freistaat abschaffen. Damit die Petersbrunner Straße der künftigen Verkehrsbelastung besser Herr werden kann, hat die Weilheimer Behörde geplant, sie im Bereich der Kreuzung mit der Gautinger Straße aufzuweiten und dort eine eigene Rechtsabbiegespur Richtung Norden anzulegen. Die zweite Spur ist für die Richtungen geradeaus und links. Die Gautinger Straße wird wie berichtet eine geringere Verkehrsbedeutung haben als heute, weil man an ihrem Ende an der Münchner Straße nur noch nach rechts stadteinwärts abbiegen kann.

Ludwig Jägerhuber (CSU) lobte: „Das ist ein gut ausgehandeltes Zwischenergebnis.“ Sein Fraktionskollege Gerd Weger plädierte dafür, noch keine Beschlüsse zu fassen, sondern zunächst die Reaktionen der Anlieger abzuwarten. Stadtbaumeister Stephan Weinl betonte jedoch den Zeitdruck: „Wir können den Umbau nur machen in der Zeit, in der es den Durchstich noch nicht gibt. Also muss das 2019 geschafft werden.“ Klaus Rieskamp (DPF) findet die Maßnahme „in jedem Fall gut – egal ob mit oder ohne Durchstich und Tunnelbau“. Klaus Huber (WPS) richtete daraufhin das Augenmerk auf die Familie, deren Doppelhaus für den Durchstich abgerissen wird und fragte, ob es schon zur Enteignung der Familie gekommen sei. Bürgermeisterin John antwortete, das Rathaus habe darüber keine Kenntnis. Huber kritisierte, die Umplanung werde vorgenommen, ohne dass die von der Obersten Baubehörde zugesagte Verkehrserhebung durchgeführt worden sei. Günther Picker (WPS) stellte klar: „Die WPS stimmt der Vereinbarung nicht zu, denn Starnberg bekommt keinen Ent- sondern einen Belastungstunnel, der mehr Verkehr in die Stadt hineinziehen wird.“ Das beantragte Picker als Protokollnotiz festzuhalten. Für seine Fraktion sei es „unverständlich“, warum die Stadt für den Umbau überhaupt Kosten übernehme. Einen Gehweg gebe es doch auch heute schon. Einen neuen plus Radweg zu bauen, sei Sache des Freistaates, ebenfalls die Beseitigung und Bezahlung möglicher Altlasten, die dabei auftauchen. Der Kostenaufteilungsvertrag, den der Ausschuss absegnen und die Bürgermeisterin unterzeichnen solle, entspreche nicht dem Prinzip der Verursachung der Kosten. SPD und Grünen warf Picker vor, sonst stets zu klagen, die Stadt habe kein Geld, hier aber zu schweigen. Franz Sengl (Grüne) zeigte Unverständnis: „Gegen den Bau von Fuß- und Radweg kann man doch nichts haben.“

Der Ausschuss stimmte der Kostenübernahmevereinbarung gegen die Stimmen von WPS und BLS (10:3) zu. Der Punkt muss aber auch noch vom Gesamtstadtrat abgesegnet werden. Dass eine Anliegerversammlung durchgeführt wird unterstützten alle Fraktionen einstimmig. Der Beschluss, den Geh- und Radweg auszubauen, die Planung und Ausführung auszuschreiben und die Fördermittel zu beantragen fiel ebenfalls ohne die Stimmen von WPS und BLS (10:3).