Die Erweiterung des bestehenden Gewerbegebietes in Schorn ist eines der bedeutendsten Wirtschaftsprojekte für die Stadt Starnberg, genauso aber für den Landkreis und die Region. Dementsprechend soll es nach dem Willen der Verantwortlichen nicht nur einfach ein zusätzliches Gewerbegebiet werden, sondern etwas ganz Besonderes. Das haben die beiden geschäftsführenden Gesellschafter der ASTO Business Group, die eigens für das Projekt die Campus Starnberg GmbH & Grundstücks KG gegründet hat, Ekkehart Fabian und Bernd Schulte-Middelich, sowie Bürgermeisterin Eva John bei einem Gespräch mit der Presse am Montagvormittag im Starnberger Rathaus betont und die geplante Vorgehensweise erläutert. Am Abend beschäftigte sich der Stadtrat mit dem Thema. Dieser ist nicht einverstanden damit, die Ergebnisse des von der ASTO geplanten Workshopverfahrens mit nur externen Experten abzuwarten, sondern will sich selbst beteiligen, die Grundlagen für den vorhabenbezogenen Bebauungsplan zu erarbeiten, den er später genehmigen soll. Eine Rats-Mehrheit hat sich dafür ausgesprochen, den Gewerbereferenten des Rates, Johannes Boetsch (BLS), und die Stadtplanungsreferentin Angelika Kammerl (DPF) in den Workshop zu entsenden. Ob die ASTO, die zugleich Planer und Investor des Projektes in Schorn ist, das akzeptiert, ist aber offen.

Die Erweiterung des Gewerbegebietes in Schorn geht auf einen Antrag aus dem Sommer 2009 zurück. Damals hatten der Fraktionsvorsitzende der CSU Ludwig Jägerhuber und seine Stellvertreterin Eva John ihn gestellt. 2010 beschloss der Stadtrat die Erweiterung als städtebauliche Entwicklungsmaßnahme und sicherte sich das Vorkaufsrecht für alle in Frage kommenden Grundstücke des 43 Hektar umfassenden Geländes zwischen der Autobahnmeisterei im Norden und dem bestehenden Gewerbegebiet Schorn. Inzwischen ist die ASTO Campus Starnberg GmbH & Grundstücks KG Eigentümerin aller Flächen und wird diese auch vermarkten. Der Workshop am 9. Juli 2018, mit namhaften Architekten wie den Professoren Markus Allmann und Thomas Auer, der Landschaftsarchitektin Professor Susanne Burger, dem Stadtplaner Professor Franz Pesch sowie den Experten Hans Michael Schober (Ökologie), Professor Gebhard Wulfhorst (Verkehrsplanung) und Heike Piasecki (Immobilienwirtschaft), ist eine Veranstaltung von Stadt und KG. Ziel ist ein Leitbild für die Ansiedlung von Unternehmen aus dem innovativen Bereich: Luft- und Raumfahrt, Spezialmaschinenbau, Medizintechnik oder Forschung und Entwicklung und ein städtebaulich-landschaftliches Konzept dafür.  Die Experten sind zusätzlich als Beiräte für die weitere Begleitung des Projektes gefragt. Für die Attraktivität der Arbeitsplätze sowie als Anreiz für die Ansiedlung der Unternehmen soll ein herausragendes Infrastrukturangebot sorgen – mit Läden für den täglichen Bedarf, Gastronomie, Kinderbetreuung, innovativen Mobilitätskonzepten und einer Energieversorgung aus regenerativen Quellen. Im Gespräch ist eine Wärmeerzeugung aus tiefer Geothermie, eventuell in Zusammenarbeit mit anderen Kommunen oder der Landeshauptstadt München. Von der Gesamtfläche sollen nur etwa 20 Hektar bebaut werden. Laut Fabian will man mit einem Planungshorizont von zwei bis drei Jahren zukunftsfähige Arbeitsplätze im vierstelligen Bereich schaffen, die Menschen „lange Zeit in Lohn und Brot halten“. Ab 2020 sollte es Baurecht geben. Angesprochen wird der Mittelstand, Unternehmen mit 5 bis 500 Mitarbeitern. Möglichkeiten zum Sport nach der Arbeit sowie Konzepte zur Beschränkung des Individual- und Lieferverkehrs im Gebiet sollen auch umzugswillige Unternehmen nach Schorn locken. Was sich Unternehmer und Arbeitnehmer wünschen ist bereits in einem kleinen Workshop abgefragt worden. „Die Unternehmen müssen sich heute etwas einfallen lassen, um gute Leute zu gewinnen“, sagte Schulte-Middelich. Sie seien deshalb auch bereit, die Kosten der Infrastruktur zu tragen. Da hat sich laut Fabian viel geändert: „Junge Menschen kommen aus der ganzen Welt und schauen auf die Standortfaktoren ihres Arbeitsplatzes.“

„Am Forstenrieder Park zu bauen, ist eine Herausforderung“, so Schulte-Middelich. Man werde auf die natürliche Topografie des Geländes ebenso eingehen, wie auf den nahen Forst. Nicht geknausert werden soll bei den Ausgleichsflächen: Wenn 3,5 Hektar Bannwald (Monokultur Fichte) für die Bebauung fallen müssen, sollen sechs Hektar ökologisch wertvollerer Mischwald aufgeforstet werden, dies unmittelbar im fraglichen Gebiet, nicht wie sonst üblich anderswo in Bayern. Man führe bereits Gespräche mit der  Unteren Naturschutzbehörde im Landratsamt. Die Bürgermeisterin betonte, die Stadt suche für das Projekt die Kooperation mit dem Landkreis. Im Mai sei ein Brief an den Landrat gegangen, in dem er um wohlwollende Unterstützung des Verfahrens und die fachliche Vorbereitung der nötigen Kreistagsentscheidung gebeten werde. Die Erweiterungsfläche für das Gewerbegebiet ist Teil des Landschaftsschutzgebietes „Starnberger See Ost“. Der Kreistag müsste als Voraussetzung für die Realisierung der Pläne einer Herausnahme der Fläche aus dem Schutzgebiet zustimmen. Mit der Stadt Starnberg hat ASTO bisher einen städtebaulichen Vertrag, nach dem Workshop soll ein Durchführungsvertrag das Ziel sein, der vom Stadtrat dann genehmigt werden muss. Dabei legt John nach eigenen Worten großen Wert auf ein Vorgehen „im Konsens“, auch was Bedenken in Nachbarkommunen wie Schäftlarn angeht: „Je konkreter die Planung wird, desto konkreter können die Informationen werden, die auf den Tisch gelegt werden.“ Um den vom Bund zugesagten Halbanschluss an die Autobahn A95, seine Planung, Ausschreibung, den Bau und die Bezahlung, kümmert sich übrigens auch ASTO. Der ankommende und abfließende Verkehr soll über diesen Anschluss abgewickelt werden. Stadtbaumeister Stephan Weinl sagte: „Wir arbeiten jezt sehr produktiv inhaltlich, danach soll das Ergebnis mit der Politik und den Bürgern diskutiert und konkrete Maßnahmen umgesetzt werden. Alles möglichst im Einklang mit den regionalen Zielen.“