Am Montagabend war noch heftig über das Thema gestritten und diskutiert worden, teilweise hinter verschlossenen Türen. DPF-Stadträtin Angelika Kammerl hatte wie berichtet in den vergangenen Monaten immer wieder behauptet, im Rahmen der Sanierung und Ertüchtigung des ehemaligen Wasserparks zum künftigen „Seebad Starnberg“ sei es zu einem „Deckenabsturz“ mit gravierenden Folgen gekommen. Das Rathaus widersprach (siehe Kammerls Behauptung ist falsch). Kammerl hatte im April einen 18 Punkte umfassenden Fragenkatalog an das Rathaus gesandt. Die Fragen wurden am Montag in der Stadtratssitzung beantwortet, Kammerl gab sich aber erneut nicht zufrieden damit. Sie warf Bürgermeisterin Eva John vor, diesen Vorgang und einen Wassereintritt durch das Dach dem Stadtrat zwei Jahre lang „verheimlicht“ zu haben und behauptete erneut, sie habe Informationen und Beweise. Außerdem brachte sie den „Straftatbestand der Baugefährdung“ ins Gespräch. Mittwochabend war die Angelegenheit nochmals Thema im Rahmen der Fortsetzung der Stadtratssitzung vom Montag. Dabei stellte nun Kammerls Fraktionskollege Klaus Rieskamp den Antrag zur Geschäftsordnung, sich nicht weiter mit diesem Punkt zu befassen, sofern nicht weitere Tatsachen auftreten.

Bürgermeisterin und Stadtbaumeister Stephan Weinl präsentierten dem Rat mit Datum versehene Fotos vom vermeintlichen „Tatort“ – vor der Sanierung, während der Erstellung der Beckenabdeckung, von der Stelle, an der Wasser durch das Dach eingetreten war und vom jetzigen Istzustand. Deutlich zu sehen war, dass das große Schwimmbecken nicht wie mehrmals von verschiedenen Personen in sozialen Medien behauptet nur mit einer dünnen Folie abgedeckt worden war, als die Sanierung des gesamten Bades begann, sondern eine auf massiven Holzständern aufgelegte Holzabdeckung für den Schutz des Beckens gesorgt hatte. Der Absturz leichter Alu-Paneelen hätte also den Fliesenboden gar nicht berühren können. Der angebliche „Deckenabsturz“ sei somit keineswegs Ursache für die am Ende nötigen Arbeiten am Fliesenboden und an der Abdichtung des Daches. Außerdem sei kein Schaden entstanden, für den man irgendjemanden hätte verantwortlich machen können.  Rieskamp stellte fest, die Verwaltung habe Kammerls Fragen beantwortet. „Ich meine, um einen Schlussstrich zu ziehen, sollten wir heute die weitere Nichtbefassung beschließen“, sagte er und stellte seinen Antrag zur Geschäftsordnung. John machte deutlich, dass es dem Rathaus sehr darauf ankomme, die mit Fotos untermauerte Darstellung zu dokumentieren. Daraufhin beantragte Martina Neubauer (Grüne) eine Sitzungsunterbrechung von zwei Minuten, damit sie sich mit den Kollegen beraten könne. Vor der Tür des Sitzungssaales steckten Vertreter von UWG, DPF, Johannes Boetsch (BLS), Stefan Frey (CSU) und die Grünen die Köpfe zusammen und beratschlagten.

Wieder im Saal zurück meldete sich Otto Gaßner (UWG) zu Wort: „Wir wollen Fairness walten lassen. Es ist richtig, wenn durch Fragen Sachverhalte angesprochen werden, ob jemand für etwas verantwortlich ist. Wir haben nichts dagegen, wenn im Protokoll festgehalten wird, dass die Verwaltung Fotos präsentiert hat, die den Vorwürfen entgegentreten.“ So einfach wollte Markus Mooser (WPS) die Kollegin Kammerl aber doch nicht davon kommen lassen: „Wenn wir von Fairness sprechen erinnere ich an die Vorwürfe von Frau Kammerl und ihre permanenten falschen Behauptungen, in der Öffentlichkeit,  im Stadtrat und im Rechnungsprüfungsausschuss.“ Die hätten dazu geführt, dass die Verwaltung die Zusammenhänge mehrmals habe erläutern müssen, die Architektin und der Projektsteuerer des Seebades massiv verunglimpft worden seien. Mooser forderte: „Frau Kammerl soll offiziell alles zurücknehmen und sich bei den Betroffenen entschuldigen.“ Ihre Behauptungen hätten auch die Bevölkerung verunsichert, die teils befürchte, von dem neuen Bad gehe ein Gefahrenpotenzial aus. An dieser Stelle meldete sich Stefan Frey (CSU): „Ich will die Diskussion nicht noch einmal. Ich beantrage Ende der Debatte.“

Die Bürgermeisterin schlug den in ihren Augen „mildesten“ Schritt zur Beilegung der Angelegenheit vor: Eine Protokollnotiz mit dem Inhalt, dass die Verwaltung den Bauablauf geschildert und Bilder dazu gezeigt habe, dass kein materieller Schaden entstanden sei und es „keinen Deckenabsturz“ gegeben habe.  Niemand sprach sich dagegen aus. Danach ließ John über Rieskamps Geschäftsordnungsantrag, nicht weiter über den Punkt zu reden, abstimmen. Nur Günther Picker (WPS) war dagegen. Seiner Erinnerung nach habe die Architektin doch schon von Rufschädigung gesprochen. John empfahl Kammerl, mit den Betroffenen Gespräche zu führen, die den Gedanken der Fairness berücksichtigten.