Die Mehrheit des Stadtrates wollte Mittwochabend nicht diskutieren. Schon Mitte Mai war es so abgelaufen: Eine von den Mehrheitsfraktionen ausgearbeitete neue Geschäftsordnung, die das Verhältnis zwischen Stadtrat und Rathaus regeln soll, war kurzfristig auf den Tisch gelegt und ohne Debatte und ohne Gelegenheit der Minderheit, sich damit befassen zu können, als künftige Geschäftsordnung beschlossen worden. Bürgermeisterin Eva John hatte damals angekündigt, das umfangreiche Regelwerk zunächst auf Rechtmäßigkeit prüfen zu lassen (siehe Geschäftsordnung erst prüfen), denn auch das Rathaus hatte die Fassung erst kurz vor der Sitzung erhalten. In der Ratssitzung am Mittwoch gab John bekannt, dass sie den Beschluss vom 17. Mai 2018 „in Teilen für materiell rechtswidrig“ hält, weshalb sie den Vollzug ausgesetzt habe und dem Stadtrat nun die Gelegenheit geben wolle, die Einschätzung des Rathauses zu fraglichen Punkten zu hören und zu diskutieren, ob man nicht doch noch etwas ändern wolle. Patrick Janik (UWG) als Sprecher der Mehrheit aus CSU, UWG, Grünen, SPD, DPF und BLS lehnte dies aber rundweg ab: „Wir sollten den Beschluss vom Mai bestätigen, um eine Stellungnahme der Rechtsaufsicht im Landratsamt zu bekommen.“

Janik sagte, die Stellungnahme der Verwaltung urteile rein juristisch. Er bestreite gar nicht, „dass wir experimentelle Bereiche betreten“. Der Stadtrat  sei sich einig, dies zu tun, schließlich lote auch die Amtsführung im Rathaus sei drei Jahren Grenzen aus „und überschreitet diese“. Zum Beispiel würden keine Besprechungen mit den Fraktionsvorsitzenden geführt. „So was fehlt uns einfach“, so Janik. Die Stadtratsmehrheit habe Ziele formuliert „wie der Stadtrat als Gremium wünscht, dass mit ihm und den Bürgern umgegangen wird“. Das sei nicht rechtswidrig. Die neue Geschäftsordnung sei „der Aufschrei des gebrannten Kindes, die Folge von Erlebtem.“ Günther Picker (WPS) hielt Janik entgegen, die Bürgermeisterin könne nur rechtmäßige Beschlüsse vollziehen. Es gehe bei der Geschäftsordnung nicht ums Experimentieren, vielmehr sei man an das Gesetz gebunden. Martina Neubauer (Grüne) unterband weitere Beiträge von Ratskollegen mit ihrem Geschäftsordnungsantrag: „Direkter Verweis an die Rechtsaufsicht.“ Diskutieren könne man nach deren Stellungnahme. An diesem Abend spare das eine Stunde Sitzungszeit. Die Stellungnahme des Rathauses zu den beanstandeten Paragrafen umfasst 34 Seiten.

John sagte, sie finde es schade, dass die Mehrheit der Diskussion aus dem Weg gehe. Die vorgelegte Geschäftsordnung der Mehrheitsfraktionen enthalte inhaltlich handwerkliche Schwächen und Punkte, die geltendem Recht nicht entsprächen. Den Juristen im Rat hielt sie vor, dass es diese vielleicht befriedigen könne, mit dem Betreiben von Spielchen die Gerichte zu beschäftigen. Dem Bürger erweise man damit aber keinen Gefallen. Überhaupt laufe das ganze Projekt doch unter dem Arbeitstitel „Misstrauen gegen die Bürgermeisterin“.

Der Stadtrat bestätigte den Beschluss vom Mai trotzdem erneut mit 14:8 Stimmen und unterstützte Neubauers Antrag mit 15:7. Jetzt muss das Landratsamt sich Punkt für Punkt damit befassen und eine Stellungnahme abgeben.