Gestern Abend hat die gut besuchte Anliegerversammlung für den nächstes Jahr anstehenden Umbau der Petersbrunner Straße in der Aula des Gymnasiums stattgefunden. Bürgermeisterin Eva John, Stadtbaumeister Stephan Weinl und der Vertreter des Verkehrsplanungsbüros Vössing erläuterten nochmals, wie die Straße, die nach dem Bau des Tunnels Staatsstraße werden soll und aus diesem Grund auch eine Öffnung zur Münchner Straße erhält, in Zukunft aussehen sollte. Allerdings waren und sind die Anlieger auch noch in den nächsten drei Wochen aufgerufen, ihre Anregungen und Wünsche zu benennen, damit diese noch in der Entwurfsplanung berücksichtigt werden können. Wer gestern Abend keine Zeit hatte die Versammlung zu besuchen, kann seine Vorstellungen noch schriftlich oder mündlich beim Rathaus anbringen. Die E-Mail-Adresse lautet: standortfoerderung@starnberg.de.  Drei Wünsche haben sich schon heraus kristallisiert: Wegen der zahlreichen Grundstücksein- und -ausfahrten sollte für die umgebaute Petersbrunner Straße Tempo 30 angeordnet werden. Lieber verzichte man auf Bäume, wenn dadurch mehr Parkplätze entstehen können, hieß es, und diese Parkplätze dürften gern auch in der Nutzung zeitlich beschränkt werden (Parkzeitbegrenzung).

John informierte, der Stadtrat habe die vorgelegten Pläne im Stadium einer Vorplanung gebilligt und den Baubeschluss gefasst. „Jetzt sind wir angewiesen auf Ihre Fragen, Wünsche und Anregungen, damit wir sie im weiteren Planungsprozess mitnehmen können“, sagte sie. Der Vertreter des Büros Vössing stellte die Umplanung vor, die im Wesentlichen vorsieht, auf der Nordseite der Petersbrunner Straße einen kombinierten Geh- und Radweg zu bauen, an den ein Streifen mit abwechselnd Grün und Parkplätzen angrenzt, an den wiederum die 6,50 Meter breite Straße und der etwa zwei Meter breite Gehweg auf der Südseite anschließen. Keine Umbauten soll es vorerst in der Moos- und Gautinger Straße geben, außer an der Kreuzung von Petersbrunner- und Gautinger Straße. Hier werden an der Einmündung die Fahrspuren anders verteilt: eine Rechtsabbiegespur Richtung Gauting und eine kombinierte Geradeaus- und Linksabbiegespur Richtung Leutstettener- und Münchner Straße (siehe auch 2019 Umbau Petersbrunner Straße). Die Stadt steht unter Zeitdruck. Das Staatliche Bauamt Weilheim wünscht sich laut John, dass der Umbau erledigt ist, wenn die Behörde den Durchstich von der Petersbrunner auf die Münchner Straße 2020 beginnt. Die Maßnahme ist Teil der Planfeststellung B2-Tunnel. Spätestmöglicher Zeitpunkt zur Beantragung der in Aussicht gestellten staatlichen Fördermittel für den Umbau der Petersbrunner Straße zwischen Gautinger Straße und Beginn des Wendehammers am Ende der Petersbrunner Straße ist für die Stadt heuer im November.

Rund 20 Parkplätze der 48 heute vorhandenen könnten nach dem Umbau weniger zur Verfügung stehen, was harsche Kritik hervorrief. Die Mehrzahl der Anlieger war der Ansicht, dass es bereits jetzt viel zu wenig Stellplätze gibt und  ein großer  zentraler Parkplatz im Gewerbegebiet fehlt. Autohaus-Vertreter machten deutlich, dass Stellplätze auch breiter als die vorgesehenen zwei Meter sein sollten, weil heutige Autos meist schon über dieses Maß hinausgehen. „Warum braucht man Bäume im Gewerbegebiet?“, fragte ein Besucher. „Warum muss überhaupt ein Radweg gebaut werden“, stellten andere in Frage. Die Rathausvertreter zeigten die Verkehrsprognosen von Professor Harald Kurzak, der für das Staatliche Bauamt den Verkehr 2025 berechnet hatte. Danach wird sich die tägliche Verkehrsbelastung in der Petersbrunner Straße auf über 7000 Fahrzeuge täglich fast verdoppeln. Da könne man Radfahrer nicht mehr auf der Straße fahren lassen. Winfried Reithmeier befürchtete, die Stadt habe nichts mehr zu sagen über die Straße, wenn diese Staatsstraße werde. „Baulich bleiben wir zuständig. Was die verkehrsrechtlichen Anordnungen angeht, wird das Landratsamt verantwortlich sein“, so die Bürgermeisterin. Aber: „Momentan werden die Interessen der Stadt vom Freistaat sehr gut gehört“, versicherte sie. Reithmeier und andere sähen den Radweg lieber auf der Nordseite der Gewerbegrundstücke entlang des Landschaftsschutzgebietes und des Leutstettener Mooses geführt, damit er nicht so viele Ein- und Ausfahrten quert. Für den schon einige Jahre alten Vorschlag gab es Beifall, aber laut Weinl spielt der Freistaat da wegen der Schutzgebiete nicht mit. Einen Unfallschwerpunkt befürchtet auch Peter Wiedemann, der Chef des Abfallwirtschaftsverbandes an der Ausfahrt des Starnberger Wertstoffhofes: „Ich will mir die Szenen gar nicht vorstellen“, sagte er und nannte Probleme, die Linksabbieger aus dem Hof mit querenden Radfahrern, Fußgängern und heftigem Lkw-Lieferverkehr im Gewerbegebiet haben würden. Sein Lösungsvorschlag: Auf jeden Fall die Durchfahrtsgeschwindigkeit runter und nachdenken über einen alternativen Wertstoffhofsstandort am Betriebshof an der Hanfelder Straße. Dort hat die Stadt eine Reservefläche.

Weitere Anregungen bezogen sich auf Verbreiterungen des Straßenraumes in der Kurve der Petersbrunner Straße, damit Lkw aneinander vorbeifahren können und auf eine Verlängerung des Radweges bis zur Kreuzung mit der Gautinger Straße. Damit dies gelingt, müsste die Stadt an der Stelle aber Grund erwerben. Aufgabe der nächsten Wochen wird sein, mit jedem Gewerbetreibenden zu klären, welche Rahmenbedingungen sein Betrieb an der jeweiligen Ein- und Ausfahrt auf die umzubauende Straße hat. Wenn die Entwurfsplanung stehe, wolle sie diese nochmals den Anliegern vorstellen, versprach John.

Das Staatliche Bauamt Weilheim teilte unabhängig davon gestern der Presse mit, dass mit dem Spatenstich am 20. Juli die Bauarbeiten für die nördliche Zulaufstrecke zum künftigen Tunnel Starnberg beginnen (siehe Tunnelbefürworter schweigenÄnderungen durch die Tunnelplanung und Flächen für Tunnel bereit stellen). Absicht sei, durch den Erhalt von vier Fahrspuren  die Verkehrsbehinderungen während dieses Umbaus an der Münchner Straße so gering wie möglich zu halten. Beauftragt sei die Firma Strommer aus Schongau mit dem Projekt zwischen Wassersportsiedlung und Eisenbahnbrücke. Außerhalb der Hauptverkehrszeit solle als Erstes zwischen Perchastraße und Strandbadstraße  auf der Seite des Landratsamtes gerodet werden. Nur an zwei Wochenenden im August werde der Verkehr im Bereich Moos-/Perchastraße auf zwei Fahrstreifen reduziert, um quer Leerrohre für Ver- und Entsorgungsleitungen zu verlegen. Digitale Hinweisschilder würden dann am Autobahndreieck darauf hinweisen. Das Staatliche Bauamt kündigt für die Bürger Infoflyer für die Bauzeit an, ebenso die Einrichtung eines Inofcenters an der Ecke Strandbadstraße. Es lädt die Starnberger zum offiziellen Spatenstich am 20. juli ab 16 Uhr auf das Gelände des Landratsamtes ein.