Der 20. Juli 2018 soll nach dem Willen vieler in die Annalen der Geschichte eingehen. Die Beweggründe sind jedoch höchst unterschiedlich, ebenso die Ansichten, ob es ein Tag der Freude oder Enttäuschung wird. Noch am wahrscheinlich unkompliziertesten: Am betreffenden Freitag beginnt das erste, vier Tage andauernde Starnberger Stadtfest mit der langen Kultur- und Einkaufsnacht (siehe http://www.starnberg.de). Das zweite für dieses Datum geplante Ereignis wird die Bürgerschaft vermutlich genauso gespalten beurteilen, wie dies der geplante Bau des B2-Entlastungstunnels schon seit Jahrzehnten tut: Das Staatliche Bauamt Weilheim hat den feierlichen Spatenstich für das Projekt ebenfalls für diesen 20. Juli angesetzt und Gäste eingeladen: Laut Zeitungsberichten haben Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer (CSU), die Bayerische Verkehrsministerin Ilse Aigner (CSU) und Landrat Karl Roth (CSU) ihr Kommen zugesagt, ebenso, dass sie Grußworte sprechen. Genau dies will die ebenfalls eingeladene Starnberger Bürgermeisterin, eine bekennende Verfechterin einer anderen Lösung als der mit Tunnel, nicht sprechen und wird aus den Reihen der Tunnelfreunde deshalb harsch kritisiert. Das Ganze gipfelte jüngst in einem von Stefan Frey (CSU) eingebrachten Dringlichkeitsantrag, unterzeichnet von einer Stadtratsmehrheit, den diese Mehrheit im Gremium auch durchsetzte. Ob der Beschluss rechtmäßig ist, lässt John prüfen.

Was war geschehen? Auf Nachfrage einer Zeitung hatte John geantwortet, sie werde die Einladung zum Spatenstich annehmen, dort aber kein Grußwort sprechen. Aufschrei unter den Tunnelverfechtern, kopfschüttelnde Äußerungen des Leiters des Staatlichen Bauamtes Weilheim, Uwe Fritsch, gegenüber den lokalen Medien und dann der besagte Dringlichkeitsantrag von 18 Stadträten, unterzeichnet von allen Mitgliedern der CSU-, UWG-, DPF- und SPD-Fraktion sowie Martina Neubauer und Annette von Czettritz von den Grünen und Johannes Bötsch (BLS). Der Antrag liegt Lokales-aus-Starnberg nicht im Wortlaut vor. Der örtlichen Presse war zu entnehmen, dass er darauf abzielte, dass Klaus Rieskamp (DPF), der auch vom Stadtrat gewählter Vize-Bürgermeister ist, in Vertretung der Stadt ein Grußwort sprechen solle. Eines der Argumente der Antragsteller: John vertrete die Stadt als Vertreterin aller Bürger und solle deshalb den am 20. Februar 2017 „demokratisch gefassten Beschluss des Rates“(siehe Ein denkwürdiger Tag und Eine denkwürdige Sitzung), sich für den Bau des Tunnel auszusprechen, umsetzen. Schließlich vertrete sie als Bürgermeisterin alle Bürger. Markus Mooser (WPS), der seit Jahren für den Bau einer Umfahrung kämpft – statt Tunnel -, hielt den 18 Räten entgegen, Rieskamp könne nicht in Vertretung Johns sprechen, wenn diese selbst anwesend sei. Dem Vernehmen nach unterstützte in der Stadtratssitzung vom 18. Juni 2018 die Mehrheit (16:12) den Beschluss, Rieskamp mit dem Grußwort zu beauftragen. In welcher Eigenschaft, da gehen die Ansichten auseinander: Er solle „aus der Mitte des Stadtrates“, oder „als Privatperson für die Starnberger“ sprechen, hieß es unter anderem. Rieskamp war 2014 und 2015 als vehementer Tunnelgegner bei der Kommunalwahl angetreten. Überraschend hatte er im Februar 2017 das  Lager gewechselt und für den Bau des Tunnels gestimmt. Von der BLS-Fraktion, die auch dank seinem Wirken heute in der Frage gespalten ist, wechselte er zur DPF, deren Begründerinnen Angelika Kammerl und Sieglinde Loesti zur gleichen Zeit wie Rieskamp ins Lager der Tunnelbefürworter gewechselt hatten.

„Lokales aus Starnberg“ hat deshalb beim Staatlichen Bauamt Weilheim nachgefragt, wie dieses am Tag des Spatenstichs vorgehen wird. Hier Frage und Antwort im Wortlaut:

 Frage Blog: Sind Berichte zutreffend, nach denen Ihre Behörde den stellvertretenden Bürgermeister Klaus Rieskamp eingeladen habe, beim Spatenstich am 20. Juli 2018 ein Grußwort für die Stadt Starnberg zu sprechen?

Antwort aus Weilheim: Nachdem die 1. Bürgermeisterin der Stadt Starnberg, Frau Eva John, die Übernahme eines Grußworts anlässlich des feierlichen 1. Spatenstichs abgelehnt hatte, beschloss der Stadtrat der Stadt Starnberg am 18.06.2018, dass das Staatliche Bauamt den 2. Bürgermeister, Herrn Dr. Klaus Rieskamp hierzu einladen soll. Dieser hat sich uns gegenüber zur Übernahme eines Grußwortes bereit erklärt und wird eine entsprechende Einladung zur Veranstaltung erhalten.