Kurz vor dem Spatenstich für den B2-Tunnel am Freitag haben sich heute noch einmal der stellvertretende FDP-Ortsvorsitzende Wolfgang Ziebart und die Kreisrätin der Liberalen, Britta Hundesrügge, in Vertretung ihres Fraktionsvorsitzenden Oswald Gasser,  zu Wort gemeldet. Beide machten keinen Hehl daraus, dass sie für Starnberg lieber nur eine Umfahrung gewünscht und den Tunnel bisher abgelehnt hätten. „Ich bedauere, dass der Tunnel gebaut wird“, sagte Hundesrügge. Aber die Mehrheitsverhältnisse pro Umfahrung hätten sich im Stadtrat geändert und ein Bürgerbegehren sei nicht zugelassen worden. Ihrer Ansicht nach hätte dessen Durchführung – wie das Beispiel Gauting zeige – am Ende zur Akzeptanz des Ergebnisses geführt. Aber in Starnberg habe im Februar 2017 die Ratsmehrheit den Doppelbeschluss „B2-Tunnel bauen, ortsferne Umfahrung planen“ gefasst. Die FDP in Stadt und Landkreis sei in der Lage, sich Mehrheiten zu beugen. Das gehöre zu ihrem demokratischen Selbstverständnis. „Wir werden den Bau des Tunnels nun konstruktiv und kritisch begleiten, dafür sorgen, dass es tatsächlich eine Entlastung vom Verkehr gibt und die Stadt die Möglichkeit zur Verschönerung bekommt“, so die Kreisrätin, die auch Landtagskandidatin ihrer Partei und Gemeinderätin in Gauting ist. Wie diese Begleitung aussehen soll, erläuterte Ziebart, der die verhinderte Ortsvorsitzende Heike Barall-Quiring vertrat.

„Es müssen einige essentielle Dinge korrigiert werden“, so Ziebart. Punkt eins: Ohne zusätzliche Umfahrung bringt der Tunnel nicht genug Nutzen. Weder sei damit das Durchfahrtsproblem durch die Stadt gelöst noch gebe es eine wirkliche Entlastung. Der Tunnel helfe lediglich den Durchfahrtsverkehr besser zu bewältigen, der aber nur 30 Prozent des gesamten Starnberger Verkehrs ausmache. Größter Brocken bleibe der Ziel- und Quellverkehr, den man nur mit einer Umfahrung aus der Stadt heraushalten könne, an die dann die nach Starnberg führenden Staatsstraßen angebunden würden. Weil der Tunnel durch Ampeln vor und nach den Portalen nicht genug „Durchsatz“ habe, müsse die Frage erlaubt sein, ob die 200 Millionen Euro dafür gerechtfertigt seien. Professor Peter Kirchhoff habe mit seinem Gutachten gezeigt, dass die Verkehrswirksamkeit des Bauwerks nicht ausreiche. Auch Hundesrügge glaubt, dass ähnlich wie am neuen Tunnel am Luise-Kiesselbach-Platz der Verkehr wieder an die Oberfläche ausweicht, sobald es im Tunnel nicht mehr flüssig vorangeht. Punkt zwei: Bisher beruhe das Sicherheitskonzept des Bundes auf dem Prinzip der Selbstrettung, sollte es im Tunnel zu einem Unfall oder Brand kommen. Die Tunnelplanung entspreche zwar dem Gesetz, nicht aber dem Stand der Technik. „Wir versuchen da das Maximum rauszuholen“, so Ziebart, der die Vertreter des Staatlichen Bauamtes Weilheim als konstruktive Gesprächspartner lobte.

Punkt drei ärgert den FDP-Vize „grenzenlos“: „Es ist mein ganz persönlicher Punkt – der Abluftkamin am Schlossgarten“. Ein altes Gutachten von 2002, das zu dem Ergebnis gekommen sei, am nördlichen Tunnelportal würden die Grenzwerte für Luftschadstoffe in die Nähe des Grenzwertes rücken, habe dafür gesorgt, dass der Bund vor der Erteilung der Baugenehmigung für den Tunnel noch einmal das Entlüftungskonzept geändert habe. Statt der Längslüftung sei man auf die Ansaugung der Luft von den Portalen zu einem Kamin  – in die Schlossgartenmauer integriert  – umgeschwenkt, der die Dimension eines Kirchturms bekommen solle und zudem mit einer „gigantischen“ unterirdischen Steuerzentrale verbunden sei. Der zehn Meter hohe Turm schleudere die Abluft mit 60 Kilometer pro Stunde heraus und sei dementsprechend laut. Die dafür benötigten zwei Gebläse  verbrauchten täglich die elektrische Energie von 500 Vier-Personen-Haushalten, also fast zehn Prozent des privaten Stromverbrauchs in Starnberg. Dabei hätten neuere Messungen und Untersuchungen belegt, dass der Ausstoß von Stickoxyd durch neue Fahrzeugtechnik drastisch gesunken sei. Bis zur Fertigstellung des Tunnels in 2026 würden es wohl nur noch ein Drittel der 2010 prognostizierten Werte sein. „Der Grund für den Kamin ist damit vollständig weg. Dieses Thema muss auch aus der Planung weg“, sagte Ziebart, der es unverantwortlich fände, so viel Geld – „im zweitelligen Millionenbereich“ – in ein völlig sinnloses Bauwerk und dem damit verbundenen Energieverbrauch zu stecken. Es gehe somit darum, Schäden durch die alte Planung zu minimieren und diese so zu verbessern, dass die Starnberger maximalen Nutzen erhielten.

Hundesrügge sieht gute Chancen, dass man das mit der Regierung von Oberbayern hinbekommt. Beim Brandschutz ist sie weniger optimistisch, aber „Wir werden darauf drängen, dass maximale Sicherheit gegeben ist.“ Die Weilheimer Behörde habe zugesagt, bis Ende dieses Monats das damalige Gutachten zur Lüftung zu überarbeiten, so Ziebart. Er geht davon aus, dass man zur Längslüftung zurückkehrt und auf den Kamin verzichtet. Der Bauherr habe doch sicher selbst ein Interesse, dass der Tunnelbau nicht von ständigen Protesten begleitet werde. Und der Bau einer ortsfernen Umfahrung ist in den Augen der beiden Liberalen „nur einer Frage des Wollens“. Schließlich koste die nur ein Bruchteil des Tunnels. Man müsse mit ihrem Bau auch nicht warten bis der Tunnel fertig sei. Auf die schon in Auftrag gegebene Trassenplanung müsse zeitnah ein entsprechender Stadtratsbeschluss folgen, forderten sie im Gespräch mit der Presse.