„So ein Tag, so wunderschön wie heute…“, begann der Reim, mit dem heute am frühen Nachmittag Bürgermeisterin Eva John das neue „Seebad Starnberg“ für die Öffentlichkeit frei gegeben hat. Ab 14 Uhr hatten rund 150 geladene Gäste Gelegenheit sich umzusehen  – alle mit orangenen, grünen oder blauen Flip-Flops ausgestattet, die sie gegen ihre eigenen Straßenschuhe getauscht hatten. Ein Anblick, der vielfach zur Heiterkeit beitrug, besonders als sich die beiden Pfarrer, die das neue Bad segnen wollten, ebenfalls mit schwarzem Anzug und bunten Flip-Flops unter die Gäste mischten. Die zeigten sich genauso begeistert wie die sechs Buben und Mädchen, die das Seebad mit einem beherzten Sprung vom Drei-Meter-Brett dann seiner endgültigen Bestimmung übergaben. Betriebsleiter Christian Herrmann ließ sich nicht lumpen und folgte der nachdrücklichen Aufforderung von Moderator Thorsten Castle und John und sprang in schwarzer Hose und weißem Hemd hinterher. Ab 16 bis 21 Uhr war das Bad für alle Starnberger frei gegeben, die schon eine ganze Zeit vorher neugierig vor der Tür auf den Einlass warteten.

Im Oktober 2015 war der 40 Jahre alte Wasserpark geschlossen worden um ihn in der folgenden Bauzeit in diesen „Diamant“ zu verwandeln, als den WPS-Stadtrat Markus Mooser das Bad bezeichnet. John sprach von einem „Schmuckstück“ und erinnerte an die lange Planungs- und Diskussionszeit bis zum heutigen Tag. Sie freute sich, Heribert Thallmair und seine Frau begrüßen zu können. Der langjährige ehemalige Starnberger Bürgermeister sei immer stolz gewesen, dass die Stadt Starnberg ein Hallenbad habe, in dem jedes Kind schwimmen lernen kann. Der Architektenwettbewerb, den das Münchner Büro Seifert Hugues für sich entscheiden konnte, fand 2012 statt. Das Projekt umzusetzen war danach mehrmals gefährdet. Altbürgermeister Ferdinand Pfaffinger räumte lieber der Seeanbindung Priorität ein, als es 2014 um die Verabschiedung des städtischen Haushalts ging. Unterstützung erhielt er von Franz Sengl von den Grünen und Bernhard Beigel (CSU). Andere wie Martina Neubauer (Grüne) stellten damals in Frage, ob eine Sauna  überhaupt nötig sei. Und in jüngerer Zeit hatten etliche Stadträte, ganz besonders Angelika Kammerl (DPF), keinen Versuch ausgelassen, den Verantwortlichen noch Sand ins Getriebe zu streuen. Die Saunaanlage mit direktem Zugang zum Starnberger See ist jetzt das Prunkstück des Seebades geworden. Berater in Sachen Wirtschaftlichkeit hatten stets vertreten, dass die Stadt damit die Rentabilität des Bades verbessern könne. John, damals noch CSU-Stadträtin, setzte sich gemeinsam mit ihrem Fraktionskollegen Ludwig Jägerhuber vehement für das Projekt ein. Sie war es auch, die dann als Bürgermeisterin in der stadtratslosen Zeit nach der ungültigen Kommunalwahl 2014 den Baubeschluss fällte:“Mit 1:0″, erinnerte sie sich heute lachend.

Die Bauzeit bezeichnete die Bürgermeisterin als „steinige Wegstrecke“. Da seien viele Hürden zu überwinden gewesen, angefangen mit den unerwartet aufgefundenen Altlasten im Boden, die für eine Million Euro hätten teuer entsorgt werden müssen, über Hochwasser im See bis zu beteiligten Firmen, die insolvent wurden, und am Ende auch noch Undichtigkeit am Dach und Schaden am Fliesengrund des großen Beckens. Deutschlandweit sei die Geschichte von der Ufermauer bekannt, die nun allen Unkenrufen und nächtelangen Diskussionen im Stadtrat zum Trotz doch noch zur Eröffnung durch Sitzstufen zum See vor den Saunahütten ersetzt worden ist. Noch nicht ganz fertig sind laut John die Außenanlagen, und auch der Nepomukweg zur gleichnamigen Zugbrücke an der Würm muss im Bereich des Bades wieder hergestellt werden. Die Bürgermeisterin sprach von einer „übergroßen Arbeitsbelastung“ für alle am Bau Beteiligten während der zweieinhalbjährigen Phase, in der „die außergewöhliche Verwandlung des alten Wasserparks, der Quantensprung zum Seebad“ stattgefunden habe. Alle könnten nun „wahnsinnig stolz“ auf ihre Leisung sein. Besonders Architektin Anne Hugues für ihr „durchdachtes Konzept“, mit dem nun nicht irgendein beliebiges Spaßbad“ sondern etwas Außergewöhnliches entstanden sei. John und später auch Hugues hoben das hervor, was die Planer zum Thema gemacht hatten: „Den unvergleichlichen See- und Gebirgsblick“, den man aus allen Bereichen als Badbesucher hat, auch in der neuen Gastronomie. Seeblick auch dann, wenn es so regnerisch ist wie heute Mittag. John dankte allen an dem rund 23 Millionen Euro teuren Werk Beteiligten, auch der Standortförderin im Rathaus, Sarah Buckel, die das schöne Eröffnungsfest organisiert hat. Hugues sagte in dem Interview, das Castle mit ihr führte, es sei gelungen, „gestern, heute  und morgen zu verbinden“. Nicht die Technik stehe im Vordergrund, sondern der „besondere Ort“.

Für den katholischen Stadtpfarrer Andreas Jall war die Segnung der neuen Einrichtung „die erste gottesdienstliche Handlung in ungewöhnlichem Schuhwerk“. Sein evangelischer Kollege Stefan Koch las aus dem Johannes Evangelium die Geschichte vom heilenden Bad. Wasser habe eben eine sehr vitale Bedeutung für alle Lebensfunktionen. „Wenn das Seebad wie der alte Wasserpark wieder 40 Jahr gut bleibt, um so besser. Gottes Segen auch für viele Jahre“ sagte er. Das Nichtschwimmerbecken war ein besonderer Anblick, denn darauf schwammen  1000 Bälle in weiß mit orangenen, grünen und blauen Farbflächen, die auch die drei Bereiche des Seebades symbolisieren – Sauna, Hallenbad und Strandbad. Für die sechs Kinder, die schon ungeduldig auf dem Sprungturm auf ihren Auftritt warteten, war keine Sprungtechnik vorgegeben. „Es darf auch eine A…bombe sein“, meinte Moderator Castle. Die Kleinen – der Älteste war zwölf Jahre alt –  schafften nicht, was Betriebsleiter Herrmann anschließend spielend gelang: Die Gäste am Beckenrand durch seinen Sprung naß zu spritzen. Er wünschte jetzigen und künftigen Besuchern „eine wunderschöne Saison“.