Grundsätzlich fanden die Bauausschussmitglieder den Plan, die Kreuzung der Äußeren Leutstettener Straße mit der Josef-Jägerhuber- und Kaiser-Wilhelm-Straße für Fußgänger und Radfahrer sicherer zu machen und dort zugleich mehr Qualität für den öffentlichen Raum zu schaffen, nicht schlecht. Entscheiden wollten sie darüber aber nicht, bevor nicht auch die Polizei, die Regierung von Oberbayern, die Fördergeld zugesagt hat, sowie Busunternehmer, die die für lange Fahrzeuge wegen der engen S-Kurve schwierige Kreuzung befahren, um ihre Ansicht zu den Plänen befragt worden sind. Mit dem Planungsbüro soll das Rathaus klären, ob sich die Kurvenradien noch verbessern lassen. Der Ausschuss nahm die Planung nur zur Kenntnis.

Der Wunsch, an dieser Kreuzung etwas zu verbessern ist schon alt. Der ehemalige Kreisbaumeister Helmut Rauscher rannte seit 2011 von Pontius zu Pilatus um für den von ihm entworfenen Vorschlag zu werben und landete damit schließlich beim STAgenda Arbeitskreis Verkehr, der den bis dahin mehrmals überarbeiteten Plan über den Lenkungskreis in den Stadtrat einbringen wollte. Lange Zeit passierte aber gar nichts. 2016 entwickelte die STAgenda sieben Ziele für das Innenstadtverkehrskonzept, das im Rahmen des 2014 von der Stadtratsmehrheit in Auftrag gegebenen Verkehrsentwicklungsplans (VEP) erstellt werden sollte. Der Projektausschuss Verkehr hatte im März 2016 schon ein Umsetzungskonzept in Auftrag gegeben, gegen die Stimmen der CSU. Im Juli 2016 lehnte eine Mehrheit aus CSU, UWG, SPD, Grünen und DPF aber jegliche weiteren Schritte ab, bis die Entscheidung „Tunnel oder Umfahrung“ gefallen sei. In der Bürgerversammlung im Herbst wurde der Bürgerantrag gestellt, die Weiterarbeit am VEP einzustellen. Genau das beschloss die Stadtratsmehrheit am 30. Januar 2017 (siehe John: “Die Stadt ist tot”). Bis heute ist jeder Versuch gescheitert, den VEP zum Abschluss zu bringen. Damit hatte auch der Rauscher-Plan stets schlechte Karten.

Jetzt ist vorgeschlagen, die Fahrspur auf 5,50 Meter zu verengen im Bereich der Einmündung in die Josef-Jägerhuber-Straße. Verkehrsplaner haben nach Auskunft der Planerin des Büros Latz + Partner geprüft, dass sich Bus und Pkw trotzdem noch begegnen können. Als Gestaltungselemente will man die Granitsteine verwenden, die schon mehrfach in der Stadt verlegt sind. Durch unterschiedliche Pflasterungen könnte der so entstehende Platz mehr Aufmerksamkeit der Autofahrer erregen, die dadurch dann vorsichtiger fahren. Tempo 30 gilt heute schon. Fußgängerüberwege müssten barrierefrei ausgebildet sein. Parkplätze würden durch die Maßnahme nicht reduziert. Der Bereich entlang des Georgenbaches ließe sich mit Hilfe von Pflanzbeeten und Sitzkanten zum Bach aufwerten. Die Kosten betragen geschätzt 677000 Euro.

Ludwig Jägerhuber (CSU) fand: „Eine sehr gute Planung für die Belebung der Innenstadt und für mehr Sicherheit. Aber wir greifen damit nicht unerheblich in den derzeitigen Verkehrsfluss ein, obwohl es noch keine Verkehrsentlastung in der Stadt gibt.“ Er machte den Vorschlag, die Lösung mit einfachen Mitteln zunächst provisorisch umzusetzen, um zu sehen, wie sie wirkt. Dann könne man nach ein bis zwei Jahren Beobachtung entscheiden. Ein Vorschlag, den auch Maximilian Ardelt (WPS) gut fand. Er erinnerte daran, dass dieser Stadtteil nur eine einzige Erschließung habe, die nicht zu stark beeinträchtigt werden dürfe. Otto Gaßner (UWG) war der Ansicht, die Stadt solle versuchen, von privaten Anliegern der Kreuzung Flächen zu erwerben, um eine bessere Lösung erzielen zu können. Josef Pfister (BMS) berichtete von den Beobachtungen während der vor der Sitzung stattgefundenen Besichtigung vor Ort: „Das ist ein Spießrutenlauf für Fußgänger in der Rush-Hour. Wir haben schon vor sieben Jahren gewusst, dass hier etwas getan werden sollte.“ Allerdings zeigte er sich wenig optimistisch, dass es für die Planung noch Verbesserungen geben könnte: „Wir werden nie genug Platz haben, dass Busse die Kurve nicht schneiden müssen.“ Angelika Wahmke (UWG) fand Jägerhubers Vorschlag eines Probelaufes auch „gut“: „Die Leute gewöhnen sich und der Aufschrei ist nicht mehr so groß, wenn die Veränderung dann wirklich kommt.“ Angelika Kammerl (DPF) meldete „Bauchschmerzen“ an, wollte den Probelauf jedoch auch unterstützen. Zuerst sollen aber noch die Behörden und Busunternehmen ihre Meinung sagen.