Stadtbauamt und das Planungsbüro Vössing haben zwar weitestgehend die Wünsche und Anregungen der Anlieger der Petersbrunner Straße berücksichtigt (siehe Gewerbetreibende wollen Tempo 30). Die Anliegerversammlung am Mittwochabend in der Mensa der Mittelschule zeigte jedoch, dass zumindest die Wortführer der dortigen Versammlung nicht zufrieden sind. Stein des Anstoßes bleibt der kombinierte vier Meter breite Geh- und Radweg auf der Nord- und Ostseite der Straße. Der in Berg wohnende Eigentümer des Creativ-Center, Dieter Krausnick, prophezeite „Das gibt Tote dort.“ Und Carl Baasel, der seinen Betrieb von Starnberg nach Gilching verlegt hat, meinte: „Ich habe die Kreuze schon bestellt.“ Beide halten es für ein Unding, dass Beschäftigte, Kunden und anliefernde Lkw künftig bei der Einfahrt in die nördlich und am Ende der Petersbrunner Straße östlich liegenden Gewerbegrundstücke nicht nur auf Fußgänger, sondern zusätzlich auf Radfahrer Acht geben müssen, die aus beiden Fahrtrichtungen kommen können. Wie schon im Stadtrat versicherte das Stadtbauamt, der Wunsch, den Geh- und Radweg auf die Rückseite der Grundstücke ins FFH-, Landschaftsschutz-, Biotop- und wertvolle Moorgebiet zu legen sei bei der Regierung von Oberbayern nicht durchzusetzen. Das sei bereits anlässlich der Bundesgartenschau in München 2005 gescheitert. Eine Einigung war in der Anliegerversammlung nicht herzustellen. Sie endete mit der Versicherung von Krausnick: Er werde für diese Planung keinen Grund abtreten. Hätte er das getan, ließen sich Verbesserungen am Knoten mit der Gautinger Straße optimaler vornehmen. Es gehe aber auch so, sagte Bürgermeisterin Eva John auf Anfrage des Blogs.

Hier eine kleine Chronologie der Ereignisse:

Am 20. Februar 2017 fällte der Stadtrat den Beschluss „B2-Tunnel bauen, ortsferne Umfahrung planen“. In der Folge gab der damalige Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU) den Tunnelbau frei und sagte die Finanzierung zu. Seit 27. Dezember 2017 steht das Projekt im Straßenbauplan des Bundes. Am 20. Juli erfolgte der Spatenstich für den Umbau der nördlichen Zulaufstrecke zum Tunnel. Teil davon wird ab 2020 der Durchstich von der Petersbrunner Straße zur Münchner Straße sein, was in der Baugenehmigung von 2007 so festgelegt ist. Schon Altbürgermeister Ferdinand Pfaffinger hatte versucht, die Anlieger zur Zustimmung zu den Umbauplänen zu bewegen, die durch diese Faktenlage nötig wird. Damals vergeblich. Nach dem Durchstich wird die Petersbrunner Straße nämlich Staatsstraße, die Gautinger Straße verliert diese Bedeutung im Gegenzug in ihrem südlichen Abschnitt. Seit Jahren ist also bekannt, dass es im Gewerbegebiet spätestens ab Fertigstellung des Durchstichs mehr Verkehr geben wird. Prognostiziert ist eine Steigerung auf rund 7000 Fahrzeugbewegungen pro Tag, was fast einer Verdoppelung entspricht. Um unter diesen Bedingungen Sicherheit für alle Verkehrsteilnehmer herzustellen, hat die Stadt Starnberg eine Planung entwickelt, die vom Stadtrat am 29. Januar dieses Jahres in ihren Grundzügen genehmigt worden war. Zugleich erhielt Bürgermeisterin Eva John den Auftrag, mit dem Freistaat über die Aufteilung der Kosten zu verhandeln, die betroffenen Anlieger zu informieren, die Maßnahme planen, ausschreiben und ausführen zu lassen und Fördermittel des Staates zu beantragen. Die Planung wurde entwickelt  und den Anliegern am 28. Juni 2018 wie berichtet vorgestellt. Die verlangten folgende Änderungen, die in der gestern nun vorgestellten überarbeiteten Planung berücksichtigt sind:

  • Im Kreuzungsbereich Gautinger-, Leutstettener-/Petersbrunner Straße wird ein verlängerter Rechtsabbiegestreifen in Richtung Gauting geschaffen und die Anbindung des Radverkehrs an vorhandene Radwegbeziehungen berücksichtigt.
  • Stellplätze werden nicht mehr wie beabsichtigt auf der Nord- und Ostseite der Petersbrunner Straße sondern wie es heute schon ist ausschließlich auf der Süd- und Westseite angeordnet. Ihre Zahl wird nicht halbiert sondern bleibt annähernd gleich. Außerdem werden die Stellplätze von 2,12 auf 2,30 Meter verbreitert.
  • Der Kurvenbereich der Petersbrunner Straße wird um 38 Zentimeter aufgeweitet.
  • Neue Bäume werden im Bereich der Stellplätze nur dort gepflanzt, wo an Ein- und Ausfahrten Restflächen entstehen, die nicht mehr Parkplatzgröße haben.
  • Wünsche nach einer Parkzeitbeschränkung und Anordnung von Tempo 30 auf der Petersbrunner Straße können zwar von der Stadt befürwortet werden, aber nach der Umwidmung zur Staatsstraße ist dafür das Landratsamt und das Staatliche Bauamt Weilheim zuständig.
  • Was die individuellen Ein- und Ausfahrten der Anlieger angeht, befindet sich das Stadtbauamt im Gespräch mit jedem Eigentümer, der dies wünscht und hat für nächsten Donnerstag, 11 Uhr, nochmals einen Ortstermin angeboten.

Wichtige Randbedingungen: Die endgültige Planung muss das Stadtbauamt bis 1. September bei der Regierung von Oberbayern vorgelegt haben, um eine Chance auf staatliche Fördermittel für den Umbau zu haben. Es eilt also. Außerdem muss die Petersbrunner Straße umgebaut sein, bevor das Staatliche Bauamt mit dem Durchstich beginnt.

In der Stadtratssitzung am Dienstag, 24. Juli 2018, hatte Stefanie Fritz vom Stadtbauamt die Modifikationen den Stadträten vorgestellt und nochmals erläutert, warum sich der Geh- und Radweg nicht verlegen lässt. Aussage von Winfried Wobbe (UWG): „Autofahrer müssen sich daran gewöhnen, dass Radfahrer gleichberechtigt sind. An den Ein- und Ausfahrten muss es ein Miteinander geben. Für die Alltagsradler ist das der ideale Verbindungsweg.“ Alltagsradler sind all jene, die die tägliche Fahrt zur Arbeit, zum Einkaufen, in die Schule oder für sonstige wichtige Erledigungen mit dem Rad bewältigen. Bürgermeisterin Eva John betonte, man sei besonders noch mit den Unternehmern im Gespräch, die Schwierigkeiten mit dem Anlieferverkehr hätten. Teilweise wird Ware entladen, während der Lkw auf der Straße parkt. Auch vor dem Wertstoffhof des AWISTA bilden sich öfter lange Warteschlangen. Zum weiteren Schutz der Radfahrer verlangte Anton Wiesböck (FDP) Hecken an den Wegen niedrig zu halten. Markus Mooser (WPS) bat, für optische Markierungen im Bereich der Ein- und Ausfahrten zu sorgen, die signalisierten: „Achtung, ich quere jetzt einen Radweg.“

Nach den Erläuterungen von Fritz zog Angelika Kammerl (DPF) den Antrag ihrer Fraktion, den Geh- und Radweg zu verlegen, zurück und betonte: „Weil jetzt eine vernünftige Planung da ist.“ Sie bat nur noch darum, abgerundete Bordsteinkanten zu verwenden, zum Schutz der Autoreifen, was laut John schon in die Planung aufgenommen worden ist. Gestern Abend wollte Kammerl von der Rücknahme am Abend vorher aber offenbar nichts mehr wissen. Gemeinsam mit Angelika Wahmke (UWG) stellte sie sich auf die Seite der unzufriedenen Gewerbetreibenden. Kammerl und Wahmke gehören zu den fünf Stadträten, die sich vom Tunnelgegner zum Tunnelbefürworter gewandelt hatten.

Baasel vertrat die Ansicht, der Radverkehr werde zunehmen und wegen der E-Bikes auch sehr viel schneller werden. „Diese Lösung füllt die Krankenhäuser“, sagte er. Wer mitwirke, mache sich schuldig. Für Winfried Reithmeier ist es das Staatliche Bauamt Weilheim, das den Umbau verursache. Deshalb müsse man dort Druck ausüben „damit der Radweg auch in der sauern Wiese geht“. Er würde dafür sämtliche Hebel in Bewegung setzen, meinte er. Stadtbaumeister Stephan Weinl bat zu bedenken, dass der Radweg gepflastert und somit keine Rennstrecke werde: „Mit gegenseitiger Rücksichtnahme muss es gehen. Ich bin mir sicher, dass wir das guten Gewissens machen können.“ Baasel brachte noch einmal den nach seinen Angaben nicht geschützten verrohrten Graben auf der Rückseite der Gewerbegrundstücke zwischen dem Sichtschutzwald und den Grundstücksgrenzen ins Gespräch und bot an, für einen Radweg hier auch Grund zur Verfügung stellen zu wollen. Weinl warnte: Dann müssten alle Grundstücke auch Zu- und Ausfahrten auf dieser Seite erhalten. Es funktioniere nur, wenn alle mitmachen. „Eine Sisyphusarbeit“, so der Bauamtsleiter. An der Stelle tauchte dann die Frage auf, ob ein Radweg überhaupt nötig sei. Die Radler könnten doch auch auf der Straße mitfahren. „Ob wir wollen oder nicht, der Tunnel wird gebaut und damit auch der Durchstich zur Münchner Straße. Deshalb müssen wir an der Petersbrunner Straße den Raum so aufteilen, dass alle Verkehrsarten sicher sind“, mahnte Weinl. Der Planer vom Büro Vössing erteilte  weiteren Überlegungen einen Absage: „Wenn wir den Radweg teilen und je Fahrtrichtung einspurig mit dem jeweiligen Gehweg führen oder auf der Fahrbahn abmarkiert anordnen, reicht der Straßenraum nicht und es bleibt kein Platz mehr für Parkplätze. John fasste zusammen: „Wir stellen Ihnen hier die Planung vor, die die meisten Interessen am besten vertritt.“ Dazu Krausnick: „Gegenseitige Rücksichtnahme ist keine Planungsgrundlage.“ „Ich kann Sie nicht überzeugen“, stellte die Bürgermeisterin daraufhin fest. Sie bot an, noch bestehende Probleme mit Hilfe der individuellen Gestaltung der Einfahrten zu bewältigen und versicherte: „Wir versuchen die bestmögliche Variante umzusetzen.“ Gebaut werden solle 2019, so anliegerfreundlich wie möglich.

Ein weiterer Punkt für Verärgerung war für die Anlieger, dass sie das Gefühl hatten, die Planung sei durch die Billigung im Stadtrat längst vorgegeben und könne durch ihre Anregungen oder Kritik eigentlich gar nicht mehr verändert werden. Johns und Weinls Hinweis auf all die Punkte, die seit Ende Juni noch in die Planung aufgenommen worden seien, und die Möglichkeit die Gestaltung der Ein- und Ausfahrten zu beeinflussen, trug nicht zur Befriedung bei.