Anlässlich des “ diner officiel“ für die Delegation aus Starnbergs Partnerstadt Dinard am Montag, dem 3. September 2018, im Bayerischen Yachtclub hat Bürgermeisterin Eva John vor zahlreichen Gästen sowohl aus der Bretagne als auch aus Starnberg – darunter der Ehrenbürgermeister beider Städte, Heribert Thallmair, die folgende Rede gehalten:

„Liebe Freunde aus Dinard und Starnberg,
liebe Gäste,

bei unserem Wiedersehen am Samstag im Jugendtreff fragte mich eine Journalistin, „ist es denn in der heutigen Zeit überhaupt noch notwendig, Städtepartnerschaften zu haben?“ – ich antwortete mit einem klaren „Ja, sicher, heute mehr denn je! Es ist wichtig, Partnerschaften zu pflegen. Einerseits, um gute Freunde zu treffen und mit ihnen gemeinsam etwas zu unternehmen, das gehört ja zu den schönsten Erfahrungen im Leben. Andererseits aber auch, um uns in unserem Bewusstsein als Europäer zu stärken.
Deshalb möchte ich heute Abend über Europa sprechen. Wir hatten vor zwei Wochen hohen Besuch bei uns in Starnberg. Peter Altmaier, Bundesminister für Wirtschaft und Energie, traf sich zum Bürgerdialog zum Thema Europa. Dabei hatte ich die Möglichkeit, dem Minister von unserer lebendigen Partnerschaft zu berichten, die aus meiner Sicht so etwas wie eine deutsch-französische Bürgerbewegung im Kleinen darstellt. Die deutsch-französische Freundschaft ist es auch, die für Peter Altmaier allerhöchste Priorität für die gemeinsame Zukunft Europas hat.
Emmanuel Macron hat nicht nur einen entschieden pro-europäischen Wahlkampf geführt, er präsentiert sich auch engagiert für europäische Reformen und fordert in einer Reihe von vielbeachteten Reden neuen Schwung für die Europäische Union und zwar unter anderem durch eine Neubelebung des „deutsch-französischen Motors“. Vor einem knappen Jahr startete er seine „Initiative für Europa“.
Erlauben Sie mir an dieser Stelle einige Worte dieser so vielbeachteten Rede Ihres Präsidenten zu zitieren, der wie ich glaube, mit diesen Zeilen genau das ausgedrückt hat, was den Geist und den Grundgedanken unserer Partnerschaft ausmacht:
„Europa ist eine Idee, getragen seit Jahrhunderten von Vorreitern, Optimisten und Visionären. Die schönsten Ideen, die uns voranbringen, die das Schicksal der Menschen verbessern, sind immer zerbrechlich. Und Europa wird nur von der Vorstellung leben, die wir uns von ihm machen. Es liegt an uns, es mit Leben zu füllen, es immer schöner und stärker zu machen, uns nicht von der Gestalt abhalten zu lassen, die ihm von den historischen Umständen gegeben wird. Denn diese Gestalt vergeht, doch die Idee bleibt und sein Ziel muss das unsere sein. Robert de Sorbon vertrat die Idee des partnerschaftlichen Zusammenlebens. Und von überall her strömten die Intellektuellen und die Gelehrten, die den europäischen Gedanken schmiedeten. Über Kriege und Krisen hinweg, über die Unwägbarkeiten der Geschichte hinweg, die Europa erschüttert haben, hörte dieser Gedanke nicht auf zu wachsen und zu strahlen. Und dort, wo das Chaos hätte triumphieren können, hat die Zivilisation immer den Sieg errungen.“
Ich kenne überhaupt keine anderen zwei Länder mit einem so dicht und dauerhaft geknüpften Netz von persönlichen und institutionellen Beziehungen wie Frankreich und Deutschland.
Vielleicht kann man sogar sagen: Die Institutionen und Initiativen, letztlich die Menschen, die Sie als Partnerschaftsvereine vertreten – bilden so etwas wie eine deutsch-französische Bürgerbewegung! Das ist einzigartig – auch wenn wir inzwischen dazu neigen, all das, was wir erreicht haben, für selbstverständlich zu halten. Und wie alles vermeintlich Selbstverständliche, schätzen wir es vielleicht dann gar nicht mehr so, wie wir es doch tun sollten.
Darum will ich Ihnen heute ebenso deutlich wie herzlich „Danke“ sagen für all die Zeit und die Energie, die Sie in die vielfältigsten Projekte hineingesteckt haben: ob es nun die französische Woche ist oder das internationale Jugendcamp, ob es unser Schüleraustausch ist, die gegenseitige Besuche der Feuerwehren oder die gute Zusammenarbeit zwischen den Stadtverwaltungen.
Die Begegnungen und der Austausch der Menschen aus Starnberg und aus Dinard dienen dazu, dass die Menschen in Europa, aus Deutschland und Frankreich, näher zusammenkommen. Der kulturelle Reichtum, die Vielfalt und jeweiligen Erfahrungen, die die Bürger aus Starnberg und Dinard mitbringen, bringen uns aber auch gegenseitig näher. Barrieren, auch sprachliche, werden überwunden.
Wir hatten in den letzten Tagen viele Möglichkeiten, an lange bestehende Kontakte über die Grenzen unserer beiden Länder hinweg anzuknüpfen. Und auch unsere guten Beziehungen zu stärken und aufzufrischen, neue Ideen zu entwickeln und neue Mitmacher zu gewinnen. Wir tragen damit alle dazu bei, dass auf kommunaler, lokaler Ebene ein europäisches Bürgerbewusstsein gefördert wird.
Ihnen allen, meine lieben Freunde, ist es zu verdanken, dass Europa lebt.
Ich freue mich auf unsere gemeinsame Zukunft.
Unsere ganz besondere Partnerschaft zwischen Dinard und Starnberg wollen wir heute Abend feiern. „