Im Planfeststellungsbescheid für den B2-Tunnel ist der Stadt schon 1999 ein Mitspracherecht zugesichert worden, wenn es beim Bau um die Gestaltung des Zugangs zur Lüftungszentrale, des Abluftkamins am Schlossgarten, der Tunnelportale Nord und Süd, der Notausstiege und sonstiger Betriebsgebäude geht. Die Stadtratsmehrheit aus CSU, UWG, Grünen, SPD, DPF und BLS  (19:10) hat den vom Stadtbauamt erarbeiteten Vorgaben für das in der Verantwortung des Staatlichen Bauamtes Weilheim laufende Verfahren zugestimmt – mit der von Martina Neubauer (Grüne) gemachten Einschränkung: „Die Vorgaben dürfen denen des Staatlichen Bauamtes nicht widersprechen.“ Die Weilheimer Behörde wird nun eine Mehrfachbeauftragung an Architekten ausschreiben und soll nach dem Willen des Rates den Ausschreibungstext spätestens im September zur Genehmigung vorlegen (23:6). Mit 22:7 Stimmen wurde entschieden, die am Ende auswählende Jury um Annette von Czettritz (Grüne) sowie Angelika Kammerl (DPF) als Sachpreisrichter zu ergänzen. Ansonsten gehören der Jury von Seiten der Stadt Bürgermeisterin Eva John und Stadtbaumeister Stephan Weinl an. Die Kosten des Verfahrens trägt die Weilheimer Behörde.

„Bei Veränderungen am Planfeststellungsbeschluss wird Weilheim aber nicht mitgehen“, berichtete John. Das habe die Behörde bereits klar signalisiert. Laut Weinl ist der Gestaltungsspielraum sehr eng, weil das Staatliche Bauamt kein Risiko eingehen wolle, eine neuerliche Tektur und/oder Genehmigung der Planung beantragen zu müssen. So hätte er sich mehr Spielraum bei der Verlängerung des Deckels über dem Nordportal des Tunnels gewünscht, damit man die Kreuzung mit der Leutstettener Straße besser gestalten könne, sagte Weinl. „Die Erfolgsaussichten sind deutlich gering“, so die Bürgermeisterin. Der Antrag, die Jury zu erweitern, stammte von Martina Neubauer (Grüne). Iris Ziebart (FDP) warb um eine Vertagung des Beschlusses, bis Weilheim durch ein neues Immissionsgutachten Aussagen dazu treffen kann, ob der Abluftkamin trotz nachweislich gesunkener Luftschadstoffe unabdingbar gebaut werden muss. Ihre Bitte, die Stadträte möchten sich die Pläne für den Kamin und die große dazugehörige Steuerungszentrale doch genau ansehen um deren Maße besser zu kennen und beurteilen zu können, lehnte die CSU-Fraktion ab. Stefan Frey (CSU) meinte, die Stadt solle zwar ihre Spielräume nutzen, aber der Abluftkamin mache Sinn, schon um Abgase zu minimieren und im Brandfall Rauchgase ableiten zu können. Ziebart gehe von falschen Annahmen aus. „So weit sind wir noch längst nicht, dass wir saubere Luft in den Straßen haben“, sagte Frey.

Auf Franz Sengls (Grüne) Einwurf, die Stadt dürfe nicht lamentieren, wenn ihre Wünsche die Kosten, die sie selbst tragen müsse, in die Höhe treiben, sprach Markus Mooser (WPS) von „Wahlbetrug Nummer 2“: Gesagt worden sei doch immer, der Tunnel werde die Stadt nichts kosten. Seine Fraktion wolle die Bevölkerung darüber aufklären, dass das nicht stimme. Sieglinde Loesti (DPF) wünschte sich einen „möglichst kleinen Abluftturm“. Schließlich sei doch die Josefskirche das Wahrzeichen der Stadt. Die Pläne stehen aber längst fest. Der Turm wird ohne ein eventuell noch zu ergänzendes Dach schon zehn Meter Höhe haben. Gerd Weger (CSU) glaubt auch an eine Fernwirkung des Turms in der denkmalgeschützten Schlossgartenmauer, will aber erst mal sehen, „wie das dann ausschaut“. Er plädierte im Gegensatz zu Weinl für eine möglichst kurze Überdeckelung der Nordportals. Mooser warf dem ehemaligen Tunnelgegner Weger deshalb „Brunnenvergiftung“ vor. Ziebart erinnerte daran, dass der Denkmalschutz den Abluft-Turm im Planfeststellungsverfahren Tunnel klar abgelehnt habe und sich deshalb auch nicht am Architektenwettbewerb beteiligen wolle, es sei denn, die Weilheimer Behörde rücke von der Mauer ab. Ein entsprechendes Schreiben zitierte John. Laut Lutz Janssen, dem Erfinder des Kompakt-Bahn-Tunnels für die Seeanbindung und ehemals in der Autoindustrie tätig, haben sich die Abgasimmissionen beim Stickoxid gegenüber 2002, dem Jahr in dem das Immissionsgutachten für die Planfeststellung des Tunnels erstellt worden ist, auf nur noch ein Viertel reduziert. Unter der Rubrik „Bürger fragen“, wollte Janssen deshalb wissen: Kennt der Stadtrat die Kriterien, nach denen das neue Gutachten von Weilheim ausgeschrieben worden ist? Antworten gab es keine. Bürgermeisterin John sagte, Weilheim werde die neuen Ergebnisse wohl im Herbst präsentieren.

Hier ein paar Vorgaben, die die Stadt der Weilheimer Behörde für die Mehrfachbeauftragung zur Gestaltung der Anlagen mit auf den Weg gegeben hat:

  • Der Abluftkamin soll möglichst wenig in Konkurrenz zur denkmalgeschützen Mauer des Schlossgartens treten
  • Das Nordportal soll gestalterisch hochwertig ausfallen. Eine Verlängerung der Einhausung hat Weilheim bereits abgelehnt. Die Barrierewirkung soll aber veringert werden, die Rampen sich in die Topographie einfügen, einheitliche durchgehende Grün- und Freiraumgestaltung entlang der Münchner Straße entstehen und eine Optimierung der Querung der B2/Leutstettener Straße für Fußgänger und Radfahrer unter Berücksichtigung der Funktion als Schulweg erfolgen
  • Am Südportal soll das dort entstehende Betriebsgebäude architektonisch gestaltet werden. Portal und Gebäude sind in den Übergang vom Stadtgebiet in die freie Landschaft einzubinden
  • „Kunst am Bau“ ist ausdrücklich erwünscht
  • Die Vorgaben des Starnberger Standards zur Barrierefreiheit sind grundsätzlich zu beachten

Die Jury wird die Gestaltung der baulichen und technischen Anlagen prüfen, ebenso die Funktionen für Verkehr und Erschließung sowie die Grün- und Freiflächengestaltung.