Wolfgang Ziebart macht Ernst. Er sucht Mitstreiter in seinem Bestreben, den Abluftkamin am Starnberger Schlossgarten zu verhindern. Der ist Teil der Baugenehmigung für den B2-Tunnel. Ziebart, der zwar stellvertretender Vorsitzender des FDP-Ortsverbandes ist, diese Aktion aber ausdrücklich privat betreibt,  hält den Kamin angesichts drastisch gesunkener Luftschadstoffe aus dem Verkehr für überflüssig und hatte am 1. August 2018 zu einem Treffen mit Gleichgesinnten in den Bayerischen Hof eingeladen. Etwa 45 Starnberger waren gekommen. In einem zweiten Treffen soll, sobald das vom Staatlichen Bauamt Weilheim in Auftrag gegebene neue Immissionsgutachten vorliegt, festgelegt werden, wie man weiter vorgehen kann. Das könnte in etwa zwei Wochen der Fall sein.

So die Einladung vom August im Wortlaut:

„RETTET DEN SCHLOSSGARTEN

An der Schlossgartenmauer ist der Abluftkamin des B2-Tunnels geplant. Er ist 13 m hoch und so „dick“ wie der Kirchturmsockel von St.Joseph. Die Abluft aus dem Tunnel strömt mit bis zu 64 km/h aus, Windstärke 7 Bft. Der Energieverbrauch entspricht dem von 500 Haushalten in Starnberg!! Das darunter liegende Bauwerk dazu kostet einen 2-stelligen Millionenbetrag.

Damit ist der Schlosspark als einer der letzten Oasen der Ruhe in Starnberg zerstört. Niemand wird neben einem solchen Kamin mehr sitzen wollen. Aber das Schlimmste ist: Er ist vollständig überflüssig. Er war für eine Tunnel-Eröffnung im Jahre 2010 berechnet und geplant worden. Nun soll der Tunnel erst im Jahre 2026 eröffnet werden, aber schon heute sind die Abgaswerte der Fahrzeuge soviel besser geworden, dass die gängige Tunnel-Längslüftung ausreicht und man auf den Kamin vollständig verzichten kann.

Wir wollen als Starnberger Bürger diese Zerstörung des Schlossgartens nicht hinnehmen. Daher bitte ich alle Betroffenen und Interessierten zu unserem Treffen am 1. August 2018, 19:30 Uhr, Hotel Bayerischer Hof, Frühstückszimmer, zu kommen. Ich werde dort die Sachlage erläutern, Fragen klären und wir können besprechen, ob und wie wir gemeinsam diesen Kamin verhindern können.“

 

Im Juli 2018 hatte „Lokales-aus-Starnberg“ dem Staatlichen Bauamt Weilheim zur Notwendigkeit des Abluftkamins eine Frage gestellt und die folgende Antwort erhalten:
Frage: In der heuer neu aufgetretenen Diskussion ist nun der Abluftkamin am Starnberger Schlossgarten. Für den Fall, dass sich herausstellen sollte, dass dieses Bauwerk nicht mehr benötigt wird, weil angesichts sinkendem Schadstoffausstoß der heutigen Fahrzeuge auch eine Längslüftung ausreicht  – die ja auch schon einmal geplant war, dann aber mit einer Tektur durch die Mittenabsaugung mit Kamin ersetzt worden ist : Wäre in diesem Fall wegen der Änderung an den Planfeststellungsunterlagen ein förmliches Änderungsverfahren mit Beteiligung der Öffentlichkeit – neue Tektur – nötig?
Antwort Weilheim: „Das Staatliche Bauamt Weilheim strebt den Bau eines Tunnels nach neustem Stand der Technik an. Daher wurde beschlossen, im Sinne einer möglichen Optimierung des Bauwerksentwurf den Lüftungskamin noch einmal überprüfen zu lassen. Das Immissionsgutachten (Stand 2002, 2005) wird aktuell überarbeitet. Basierend auf den Ergebnissen erfolgt im Anschluss die Überarbeitung des Lüftungsgutachtens (Stand 2002, 2005). Dieses aktualisierte Lüftungsgutachten wird dann ausweisen, ob und inwiefern bauliche Optimierungen möglich sind. Planungsrechtliche Aspekte sind derzeit noch nicht Gegenstand der Überlegungen.“
Unter den Gästen von Ziebarts Info-Veranstaltung war auch Kreisheimatpfleger Gerhard Schober. Er mahnte, den bisher geplanten Abluftkamin nicht fälschlicherweise mit einem der kleinen Wassertürme in der Schlossgartenmauer zu verwechseln. Der Abluftkamin hätte laut Ziebart ein Maß von vier mal fünf Meter Grundfläche, wäre ab seinem Austritt aus dem Erdreich zehn Meter hoch, wobei das Dach – sollte es ein solches überhaupt geben, was die geplante hohe Ausblasgeschwindigkeit von 36 bis 64 Kilometer pro Stunde eher unwahrscheinlich erscheinen lasse – noch nicht mitgerechnet sei. Die Lüftungstechnik solle täglich zwischen 7 und 19 Uhr in Betrieb sein und werde 2,321 Millionen Kilowattstunden Energie pro Jahr verbrauchen. So viel, wie 500 Vier-Personen-Haushalte pro Jahr. Ziebart zeigte die Baupläne des Staatlichen Bauamtes, auch für das Betriebsgebäude unter dem Kamin, das im Schlossberg versenkt gebaut werden muss. „Ein gigantisches Bauwerk“, so der Ingenieur, „mit zwei Gebläsen mit je drei Meter Durchmesser, Transformatoren und einem sehr tiefen Schacht. Kosten locker im zweistelligen Millionenbereich.“ Gebaut würde das Betriebsgebäude unter der Schlossbergstraße bis in die Hangkante hinein. Es hätte Außenmaße an der breitesten Stelle von etwa 40 mal 20 Meter und eine Höhe von sechs Meter. Alles unter der Erde, weshalb der Schlossberg dafür abgetragen werden müsse. Das eigentliche Lüftungsrohr, von unten aus dem Tunnel kommend, habe als mehrschaliges Bauwerk 11,25 Meter Durchmesser und gehe 40 Meter in die Tiefe. Das entspreche einem zwölfgeschossigen Hochhausturm, schreibt Ziebart aktuell an seine Mitstreiter und bittet sie, die Bevölkerung über diese angeblich wenig bekannten Pläne zu informieren. Denn noch sei ja drei Jahre Zeit, bis der Bau des B2-Tunnels beginne. Also könne die Planung noch geändert werden. Er sehe die Möglichkeit, die Änderung durch öffentlichen Druck in Gang zu bringen, damit nicht wie beim Kramertunnel vor Garmisch Änderungen an der Planung erst nach dem Baubeginn vorgenommen werden müssen, weil es Probleme gibt. Ziebart zeigte auch Grafiken, die das Umweltbundesamt im Rahmen der Weiterentwicklung von Prognosen für Luftschadstoffe zur Luftqualität 2020/2030 veröffentlicht hat. Demnach werde sich der Ausstoß von NOx (Stickoxid) allein aus dem Personenverkehr auf Straßen von 330 Kilotonnen pro Jahr in 2005 bis zum Jahr 2020 auf etwa 130 Kilotonnen, im Jahr 2030 auf 90 Kilotonnen reduzieren. Werde auch der Güterverkehr auf Straßen berücksichtigt sinke die insgesamte NOx-Belastung von 750 auf etwa 110 Kilotonnen pro Jahr. Der B2-Tunnel soll bekanntlich erst 2026 in Betrieb gehen und ab 2021 begonnen werden.
„Der Denkmalschutz hat dieses Vorhaben vehement abgelehnt – nicht nur wegen der Störung des Schlossgartens, sondern wegen der großen Tragweite, die der Abluftkamin für die Stadtsihouette hätte“, berichtete Schober. Er verlangte, mit einem Ballon zu simulieren, wo der Turm mit welcher Höhe zu Stehen komme. Iris Ziebart, FDP-Stadträtin in Starnberg, berichtete von der letzten Stadtratssitzung, in der sie versucht habe, die Kollegen dazu zu gewinnen, den Architektenwettbewerb für die Gestaltung des Abluftkamins noch nicht zu beschließen, bevor die Weilheimer Behörde das Lüftungsgutachten neu überarbeitet hat (siehe Stadt soll bei Gestaltung mitreden). Die Stadtratsmehrheit habe das verhindert. Maximilian Ardelt, WPS-Stadtrat, sprach sich im August dafür aus, nochmals einen entsprechenden Antrag im Stadtrat zu stellen oder eine Petition an den Landtag zu starten.