Auch der Stadtrat hat in der jüngsten Sitzung die Erkenntnis gewonnen, dass die künftigen Bewohner des geplanten Einheimischenmodells „Am Wiesengrund“ nur über die Straße „Am Waldspielplatz“ zu ihren Häusern und Wohnungen fahren können. Nur so lässt sich das Projekt nämlich in absehbarem Zeitraum verwirklichen. Gleichwohl hat der Rat immer noch Hoffnung, dass sich mittel- und/oder langfristig doch noch weitere Zufahrtsmöglichkeiten realisieren lassen könnten. Deshalb wurde auf Betreiben der Mehrheitsfraktionen wie berichtet ein umfangreicher Beschluss mit Aufträgen an die Rathausverwaltung gefasst.

 

Schon zur aktuellen Sitzung hatte das Rathaus auftragsgemäß Gespräche mit dem Pöckinger Bürgermeister und dem Staatlichen Bauamt Weilheim geführt. Es ging um deren Bereitschaft, an anderen Lösungen mitzuwirken, die im Wesentlichen zum Ziel haben, den Bewohnern des Einheimischenmodells eine Zu- und Abfahrt direkt über und zur Bundesstraße 2 zu verschaffen. Dazu war eine gutachterliche Beurteilung von fünf verschiedenen Erschließungsvarianten durch ein Ingenieurbüro in Auftrag gegeben worden. Diese sind:

  • Über den bestehenden, aber dann verschwenkten Wirtschaftsweg vom Gut Schmalzhof  – bisher parallel zur B2 verlaufend – zu einem Anschluss an den Maxhof-Kreisverkehr
  • Über eine neue Straße durch das Gut Schmalzhof und anschließend das von Pöcking neu geplante Gewerbegebiet zum Maxhof-Kreisverkehr
  • Vom Oberen Seeweg kommend eine südliche Umfahrung von Pöckings Gewerbegebiet zum Kreisverkehr
  • Im nördlichen Abschnitt über den Wirtschaftsweg, im letzten Teil  über ein Grundstück im Pöckinger Gewerbegebiet zum Kreisel
  • Über den Oberen Seeweg, der im Bereich der B2 einen neuen Kreisverkehr zur Anbindung erhält

Das Gutachten hätte die beiden letzten Varianten am besten beurteilt, macht aber die Rechnung ohne betroffene Beteiligte. Nachdem die Gemeinde Pöcking jahrelang um den Bebauungsplan zur Realisierung des seit langem von mehreren örtlichen Betrieben händeringend ersehnten Gewerbegebietes gekämpft hat, ist man dort jetzt aus verständlichen Gründen nicht erbaut, sollte diese Bauleitplanung nochmals geändert werden müssen, was einen neuen Zeitverlust bedeuten würde. Darüberhinaus verweigert die Eigentümergemeinschaft des Gut Schmalzhof die Zustimmung zu den ersten vier Varianten. „Diese Zustimmung können wir nicht erzwingen“, so Stadtbaumeister Stephan Weinl. Was einen neuen Kreisverkehr auf der B2 an der Einmündung des Oberen Seewegs angeht, kann die Stadt nicht mit grünem Licht des Staatlichen Bauamtes Weilheim rechnen. Dies aus mehreren Gründen: Ein weiterer Kreisel in nächster Nähe zum Maxhof-Kreisverkehr würde den Verkehrsfluss auf der B2 behindern. Außerdem ist auch bei der Weilheimer Behörde die Erkenntnis gereift, dass die Kreuzung Waldspielplatz/B2/Mozartstraße spätestens dann nicht mehr genug Kapazität zur Bewältigung des anfallenden Verkehrs in den Abendstunden bietet, wenn der geplanten Tunnel in Betrieb gegangen ist. Das haben Verkehrsprognosen für 2030 gezeigt. Das Starnberger Rathaus hat daraus die Konsequenz gezogen und empfohlen, diesen Verkehrsknoten in Kooperation mit Weilheim „dringend ertüchtigen zu lassen“, bevor die Leistungsfähigkeit nicht mehr gewährleistet ist. Man wolle eine Planungs- und Verwaltungsvereinbarung mit Weilheim schließen, die den Knotenumbau ermöglicht. Das Rathaus bevorzugt eine Vollbeampelung. Dazu noch ein weiterer Kreisverkehr am Oberen Seeweg wäre für den Verkehr auf der B2 also Hindernis Nummer Drei.

Angelika Kammerl (DPF) hatte offenbar am Rathaus und der Bürgermeisterin vorbei eigene Gespräche mit dem Pöckinger Bürgermeister und dem Staatlichen Bauamt Weilheim geführt. Sie zweifelte Aussagen von Weinl und John an und behauptete: „Pöcking ist verhandlungsbereit, und Weilheim würde Varianten über den Wirtschaftsweg prüfen.“ Auf Johns Nachfrage konnte Kammerl jedoch nicht das genaue Datum der von ihr geführten Gespräche nennen. Weinl sagte nach der Auflistung aller vom Rathaus in dieser Angelegenheit erfolgten Kontakte: „Wir können keine anderen Inhalte der Gespräche übermitteln. Außerdem stehen diesen Varianten eigentumsrechtliche Gründe entgegen.“

Stefan Frey (CSU) befürchtet, die mit einer Ampel versehene Kreuzung Waldspielplatz/B2/Mozartstraße allein könnte für das neue Verkehrsaufkommen nicht ausreichen. Deshalb solle das Ziel einer anderen Anbindung nicht aufgegeben werden. Die Stadt solle mit Weilheim in Kontakt bleiben und klären, ob mit den Eigentümern des Schmalzhof doch noch eine Lösung möglich ist. Er selbst habe auch nichts gegen einen weiteren Kreisverkehr an der Einmündung Oberer Seeweg. Sein Fraktionskollege Ludwig Jägerhuber wollte Lösungen auf den bestehenden Wirtschaftsweg beschränken. Dem erteilte die Bürgermeisterin aber eine Absage: „Für eine regelkonforme Lösung reicht die Fläche nicht aus.“ Sie freute sich, dass die Weilheimer Behörde jetzt gesprächsbereit hinsichtlich der Ampel am Waldspielplatz-Knoten ist und vermutet den Grund in der  „verkehrsanziehenden Wirkung des B2-Tunnels“. Die bestätigte auch Frey, will aber, dass auch die Vorschläge der Bürgerliste geprüft werden: Den Wirtschaftsweg als Einbahnstraße in Richtung Maxhof-Kreisverkehr nutzen, aus dem Oberen Seeweg eine Einfädelspur in Richtung Starnberg ergänzen, oder diese Kreuzung ebenfalls mit einer Ampel zu versehen. John verwies nochmals darauf, dass das Staatliche Bauamt Letztgenanntes kritisch sieht.

Jägerhuber dachte langfristig: Irgendwann werde Pöcking sein neues Gewerbegebiet voraussichtlich um die Fläche von Gut Schmalzhof vergrößern. Spätestens dann lasse sich eine Zu- und Abfahrt über dieses Areal realisieren. Er wünschte für die Waldspielplatzkreuzung jetzt einen Kreisverkehr statt der Vollbeampelung, „weil dieser Kreuzung mit Blick auf die Stadtentwicklung noch ganz andere Bedeutung zukommen wird“. Gemeint sind frühere Überlegungen, auch  Wohngebiete im Bereich der Ottostraße sowie die dortige Sportanlage direkt mit der B2 zu verbinden.  Von einem Kreisverkehr an dieser Kreuzung hält aber John nichts: Zum einen gebe es die Platzprobleme, zum anderen lasse sich mit einem Kreisel keine ausreichende Sicherheit für die ebenfalls zu berücksichtigenden Fußgänger und Radfahrer herstellen. Die heutige Unterführung für diese Verkehrsteilnehmer sei nicht barrierefrei. „Eine Ampel ist wesentlich sicherer“, sagte John.

Maximilian Ardelt (WPS) erinnerte daran, dass bei den Diskussionen um das Pöckinger Gewerbegebietsprojekt im Stadtrat stets Einigkeit darüber bestanden habe, dass kein weiterer Verkehr über den Oberen Seeweg geführt werden dürfe. Schon heute sei das ein Schleichweg vom Süden zum Bahnhof See in Starnberg, was in der engen, unübersichtlichen Straße, die auch keinen Gehweg aufweise, sehr gefährlich sei. Man denke nur über die Optimierung der B2 nach und vernachlässige diese Probleme. „Darüber sollten wir noch einmal genauer nachdenken“, so Ardelt, der eine umfassende Verkehrsbetrachtung forderte. Für Franz Sengl (Grüne) lief die ganze Diskussion sowieso in die verkehrte Richtung: „Nicht immer neue Straßen bauen. Wir müssen ganz anders denken, nicht nur an den motorisierten Individualverkehr.“ Die Bürgermeisterin sah ihre Annahme bestätigt, die sie nach der Vertagung dieses Tagesordnungspunktes in der letzten Bauausschusssitzung wie berichtet schon genannt hatte: „Eine Vorberatung im Ausschuss wäre hilfreich gewesen, dann hätte der Stadtrat heute nicht eine ganze Stunde diskutieren müssen.“ Alle Anregungen sind nun Teil des umfangreichen Beschlusses mit folgendem Inhalt:

Im Moment bleibt es bei der rechtlich gesicherten Zufahrt über die Straße „Am Waldspielplatz“, wobei deutlich gemacht wird, dass die Kreuzung B2/ Am Waldspielplatz/Mozartstraße zügig verkehrssicher für alle Verkehrsarten ausgebaut werden muss. Untersucht werden sollen hier die Varianten mit einem neuen Kreisverkehr (18:9) oder einer Ampelanlage (26:1). Geprüft werden sollen auf Anregung von Franz Heidinger und Michael Mignoli (beide BLS) zusätzlich, die Möglichkeit vom Oberen Seeweg Richtung Süden über den bestehenden Wirtschaftsweg im Einbahnverkehr zum Kreisverkehr am Maxhof zu gelangen und zugleich Richtung Norden eine Einschleifspur vom Oberen Seeweg an die B2 nach Starnberg zu ergänzen. Auf Antrag von Ludwig Jägerhuber (CSU) wird zudem langfristig nicht aus den Augen verloren, dass sich eine Anschlussmöglichkeit des Einheimischenmodells über den Oberen Seeweg und das Gut Schmalzhof ergeben könnte, wenn die Gemeinde Pöcking in ferner Zukunft ihr südlich anschließendes Gewerbegebiet um die Schmalzhoffläche erweitern sollte (20:7). Neubauer beantragte, für alle Varianten den Flächenverbrauch darzustellen (einstimmig). Grundsätzlich sollen auf Antrag von Maximilian Ardelt (WPS) die Auswirkungen aller Maßnahmen auf den Oberen Seeweg verkehrsplanerisch betrachtet werden (einstimmig). Das Staatliche Bauamt Weilheim, die Gemeinde Pöcking und betroffene Grundstückseigentümer sind fortlaufend über die Planungen zu informieren, mit dem Ziel der gemeinsamen Abstimmung. Das Staatliche Bauamt wird gebeten alle obigen Varianten zu prüfen und zu bewerten, wobei an den Gesprächen die Verkehrsreferenten des Stadtrates, Stefan Frey und Klaus Rieskamp zu beteiligen sind (24:3).