In einem Gespräch mit der Presse haben heute Wolfgang Ziebart und sein Mitstreiter Markus Lehmann-Horn zu der kürzlichen Mitteilung des Staatlichen Bauamtes Weilheim Stellung genommen und an das Ministerium von Ilse Aigner für Bauen, Wohnen und Verkehr appelliert, beim Bau des B2-Tunnels doch auf den Abluftkamin am Schlossberg zu verzichten und hinsichtlich der rechtskräftigen Baugenehmigung für den Tunnel eine Tektur durchzuführen. Beides hat die Behörde wie berichtet für bisher abgelehnt. Hintergrund für den nochmaligen Vorstoß jetzt ist das aktualisierte Lüftungsgutachten für den Tunnel, aus dem die Weilheimer Behörde die Erkenntnis gewonnen hatte, dass es ohne den Kamin nicht geht. Ziebart und Lehmann-Horn ziehen aber einen ganz anderen Schluss. Ihrer Ansicht nach kann man auf das riesige Bauwerk verzichten. (Siehe auch Abluftkamin Tunnel: Ziebart macht Ernst und „Abluftkamin unverzichtbar“)

Hier der Text der Presseerklärung:

B2-Tunnel: Abluftkamin doch überflüssig!

Für den B2-Tunnel durch Starnberg ist ein Abluftkamin direkt am Schlossgarten geplant, aus dem dann die Tunnelabluft mit bis zu 64 km/h austritt. Die Baukosten entsprechen denen von drei großen Kindergärten und der Verbrauch an elektrischer Energie kann bis zu 10% des Verbrauches aller Starnberger Haushalte betragen.

Wie kam es dazu?

Die ursprüngliche Planung des Tunnel sah eine normale Längslüftung vor. Im Jahre 2002 wurde dann in einem Gutachten festgestellt, dass bei einer damals angenommenen Tunneleröffnung in 2010 die NO2-Werte an den Häusern am nördlichen Tunnelausgang über den damals neuen Grenzwerten (von 40 𝛍g/m3 im Jahresmittel) liegen würden. Als eine von mehreren Möglichkeiten entschied man sich dann für eine Absaugung der Abluft am nördlichen Tunnelausgang über einen mittigen Kamin am Schlossgarten.

Der Abluftkamin … überflüssig

Nachdem aber der Tunnel nun frühestens in 2026 eröffnet werden wird und sich die NO2 Emissionen der Fahrzeuge kontinuierlich verbessert haben und dies auch in den kommenden Jahren weiter tun werden, wurde das Gutachten im September 2018 auf einen neuen Stand gebracht. Allerdings wurde in diesem neuen Gutachten eine Tunneleröffnung im Jahre 2020 angenommen. Selbst mit dieser völlig unrealistischen Annahme wurde in dem neuen Gutachten nachgewiesen, dass die Grenzwerte an der Bebauung am nördlichen Tunnelausgang nun auch ohne mittigen Abluftkamin eingehalten werden. Der Abluftkamin am Schlossgarten ist also aus gesetzlicher Sicht nicht mehr erforderlich.

Gleichzeitig stellt das Gutachten, wie auch das Umweltbundesamt, fest, daß die NO2 Emissionen bis 2025 um weitere 40% sinken werden. Damit sind zum frühesten Zeitpunkt der Tunneleröffnung im Jahre 2026 nicht nur die gesetzlichen Grenzwerte eingehalten, sondern das gesamte Problem der NO2 Belastung existiert nicht mehr.

Warum besteht man trotzdem auf dem Bau des Kamins?

Wie aus dem Umfeld des Bayerischen Staatsministeriums für Wohnen, Bau und Verkehr zu erfahren ist, hat man von dort das Bauamt Weilheim angewiesen, den B2 Tunnel wie geplant umzusetzen. Das Ministerium nimmt damit, drei Jahre vor Baubeginn des eigentlichen Tunnels und acht Jahre vor dessen Fertigstellung, eine unglaubliche Verschwendung von Steuergeldern und eine Zerstörung des Starnberger Schlossgartens in Kauf. Auch von der Stadt Starnberg ist keine Aktivität dagegen zu erwarten, denn der von CSU, SPD und Grünen dominierte Stadtrat hat der Stadtverwaltung auferlegt, alles zu tun, den Tunnel, wie geplant, umzusetzen.

Das Bauamt Weilheim argumentiert, dass, obwohl alle gesetzlichen Grenzwerte auch ohne den Kamin am Schlossgarten eingehalten werden, sich die Luftqualität verbessert, wenn die Tunnelabluft nach oben ausgeblasen würde, so der Kamin überhaupt eingeschaltet werden würde. Die vom Tunnelverkehr erzeugten Emissionen sind aber weder am Nordportal, noch am Südportal ein Problem der Einhaltung der gesetzlichen Grenzwerte, noch wären sie es, wenn sie über den Kamin am Schlossgarten ausgestoßen würden. Man löst also mit hohem finanziellen Aufwand, mit einer Großbaustelle im Stadtzentrum und unter Inkaufnahme einer dauerhaften Schädigung des Schlossgartens ein Problem, das nicht existiert.

Was ist zu tun?

Wir appellieren daher an das Bayerische Staatsministerium für Wohnen, Bau und Verkehr, diesen Unsinn des Abluftkamins am Schlossgarten zügig zu beenden, keine Steuergelder zu verschwenden und den Starnbergern ihren Schlossgarten als Oase der Ruhe zu erhalten. Über eine Tektur muß das Entlüftungssystem des B2 Tunnels wieder auf den ursprünglichen Planungszustand der Längslüftung zurückgeführt werden. Bis zum Baubeginn der Tunnelröhre in ca. drei Jahren sollte dafür ausreichend Zeit sein.“