Betrachtet man das Ergebnis der Landtagswahl auschließlich für die Stadt Starnberg, fallen mehrere Dinge auf:

Nur in Starnberg (und Gilching) liegt die Wahlbeteiligung mit 69,4 Prozent um fast zehn Prozent unter dem Landkreisergebnis. Nur in Starnberg (und Gilching) liegt der Anteil der AFD-Wähler höher als im Durchschnitt der 14 Landkreisgemeinden, bei den Erststimmen um 0,9 Prozent, bei den Zweitstimmen um 0,6 Prozent.

Das Ergebnis der CSU bedeutet im Vergleich mit der Landtagswahl vor fünf Jahren vor allem bei den Stimmen für die Partei (Zweitstimmen) einen deutlichen Verlust von 15 Prozent. Bei den (Erst-)Stimmen für Direktkandidatin Ute Eiling-Hüting sind es 8,2 Prozent weniger. Mit nur noch weniger als der Hälfte der Stimmen, die die SPD bei der Wahl 2013 auf sich vereinen konnte, bedachten die Starnberger am gestrigen Wahlsonntag die Genossen. Sie verloren bei Erst- und Zweitstimme 8,1 und 13,5 Prozent. Dagegen konnten die Grünen ihre Stimmenanteile mehr als verdoppeln, bei den Zweitstimmen sogar um 15,1 Prozent (Erststimmen plus 13,1 Prozent). Die FDP verlor bei den Erststimmen ein Prozent, gewann bei den Zweitstimmen dagegen 1,4 Prozent dazu.

Diese Ergebnisse lassen sich sicherlich nicht eins zu eins auf die kommunale Ebene übertragen, geben aber durchaus einen Ausblick darauf, dass die Parteien und Gruppierungen nicht gelassen in den im kommenden Herbst beginnenden Wahlkampf für die Stadtratswahl 2020 gehen können. Die Starnberger CSU hat auch im Vergleich zur Bundestagswahl 2017 nochmals erheblich Federn gelassen, die SPD sich halbiert. Schon bei der Kommunalwahl 2015 war der Anteil der CSU in Starnberg nur bei 19,8 Prozent gelegen (6 Mandate), der der SPD bei 5,2 Prozent (gerade noch so 2 Mandate).

Kommentar:

„Zumindest was die Frage Tunnel oder Umfahrung angeht, hat sich der besondere Einsatz des CSU-Ortsvorsitzenden Stefan Frey für seine Partei vor Ort bisher nicht ausgezahlt. Eher das Gegenteil ist der Fall. Und die SPD muss überlegen, ob sie mit ihrem Kurs – Gemeinsam mit den Schwarzen volle Breitseite gegen die Bürgermeisterin und die sie unterstützenden Fraktionen WPS, BMS und FDP – nicht riskiert, fast ganz aus dem Stadtrat zu verschwinden. Den Grünen, die diesen Kurs ebenfalls mittragen, hat er nicht geschadet, weil die landesweit für die Partei positive Stimmung, hervorgerufen durch zwei frische und mutige neue Kandidaten Katharina Schulze und Ludwig Hartmann, auch in Starnberg für ein gutes Ergebnis gesorgt hat. Ein Sonderfall sind die Freien Wähler. Dazu muss man wissen, dass sie in Starnberg fast allein aus Mitgliedern der UWG bestehen. Die macht seit  der letzten Kommunalwahl ebenfalls mit CSU, SPD und Grünen gemeinsame Sache gegen die Unterstützer von Bürgermeisterin Eva John. Man könnte aber auch John als Parteifreie, ihre Gruppierung BMS, die Bürgerliste (BLS) und die WPS dem bayernweiten Lager der  Freien Wähler zurechnen, sind es doch im Landkreis vor allem die parteifreien Bürgermeister, die die Freien Wähler tragen. Ihre Ziele sind nicht immer die der CSU. Fazit: An der Basis der Freien Wähler, also in den Kommunen, weiß der Wähler nicht, wofür diese stehen, denn sie ziehen nicht an einem Strang, sondern arbeiten, zumindest in Starnberg, auch heftig gegeneinander. Dass die FDP ihr Zweitstimmenergebnis verbessern konnte,  ist dem Engagement ihrer Kandidaten und der Basis der Liberalen zu verdanken. Für die Kommunalwahl 2020 ist das etwas Rückenwind. Dass die Wahlbeteiligung in Starnberg niedriger lag als im Landkreis insgesamt, der AFD-Anteil höher, lässt darauf schließen, dass die Starnberger angesichts der immerwährenden Streitigkeiten und Stillosigkeiten im Stadtrat zunehmend mit Politikverdrossenheit reagieren. Man darf sehr gespannt sein, welche Schlüsse die Ratsfraktionen aus dem Ergebnis der Landtagswahl ziehen werden.“