Im Starnberger Feuerhaus gibt es einen Schulungsraum, der seit vielen Jahren vom Landkreis angemietet ist, damit dort Klassen der Berufsschule unterkommen, wenn im derem Hauptbau an der Von-der-Tann-Straße wie fast immer extreme Raumnot herrscht. Diesen Raum beansprucht jetzt aber auch vehement die Feuerwehr selbst. Wie deren Kommandant Markus Grasl gestern Abend im Hauptausschuss des Stadtrates betonte, gehört es zum neuen Konzept seines Führungsteams, die Ausbildung neuer Ehrenamtlicher zu flexibilisieren und durch ein attraktiveres Angebot vor allem neue Mitglieder zu gewinnen. Denn der Fehlbestand betrage nach wie vor 80 Kräfte. Deshalb habe die Feuerwehr bei der Stadt gebeten, mit dem Landkreis keine Mietverträge mehr zu schließen oder zu verlängern, berichtete Bürgermeisterin Eva John. Sie selbst fand es jedoch „nicht angemessen, das Landratsamt jetzt rauszuschmeißen, wenn wir genau wissen, dass die die Räume brauchen“. John plädierte dafür, eine gemeinsame Nutzung des Raumes zu überlegen. Für eine Übergangszeit akzeptierte dies auch Grasl am Ende. Von den Hauptausschussmitgliedern stimmte nur Michael Mignoli (BLS) gegen den Kompromiss, der vorsieht, den Bedarf der Feuerwehr, den Schulungsraum allein nutzen zu können, bei deren Zukunftskonzept berücksichtigen zu wollen.

Katja Fohrmann (CSU) unterstrich noch einmal die „extreme Raumnot“ der Berufsschule. Sie ist dort selbst Lehrerin. Winfried Wobbe (UWG) meinte: „Die Mehrfachnutzung von Räumen geht mit Augenmaß immer. Das ist in Starnberg üblich. Da muss man miteinander reden.“ Anders sieht das Mignoli: „Wenn der Kommandant sagt, da passt die Schule nicht rein, gibt es für mich keine Debatte. Der weiß schon was er braucht. Für die Schule findet sich im Gewerbegebiet bestimmt eine Ausweichmöglichkeit.“ Josef Pfister (BMS) fand den derzeitigen Zustand auch „auf Dauer nicht zielführend“. Aber man könne das nicht von heute auf morgen ändern. Der Landrat müsse halt nun über eine andere Lösung nachdenken. „Ich würde den Vertrag nicht verlängern, sondern andere Wege suchen“, sagte Pfister. John empfahl, es zumindest im laufenden Schuljahr nicht zu ändern und sich stattdessen zu arrangieren. Anton Wiesböck (FDP) bezweifelte, dass die Feuerwehr den Schulungsraum tagsüber nutzen müsse: „Die Mitglieder arbeiten doch tagsüber und haben nur am Wochenende für Ausbildung Zeit.“

Dem widersprach Grasl: „Ich will keine emotionale Debatte Feuerwehr gegen Schüler. Die Stadt Starnberg ist für den abwehrenden Brandschutz auf ihrem Gebiet zuständig. Wir beabsichtigen in unserem neuen Konzept eine Ausbildung in dreiwöchigen Blocks mit einer Freistellung der Teilnehmer von ihrem Job. Ich habe im Februar bei meinem Amtsantritt ein Personaldefizit von 80 Mann übernommen. Das muss sich ändern. Deshalb will ich keine Handlungseinschränkungen mehr hinnehmen. Ich will auch keine Schüler rausschmeißen, sondern klar machen: Schule ist Schule und Feuerwehr ist Feuerwehr.“ Zuvor hatte Grasl schon deutliche Worte fallen lassen: „Ihnen ist  Ihr Problem noch nicht bewusst. Wir brauchen unser Feuerwehrhaus, denn wir laufen dem Problem des mangelnden Personals und des erheblichen Ausbildungsbedarfs hinterher. Wenn sich das nicht ändert, braucht Starnberg eine Berufsfeuerwehr – mit allen finanziellen Folgen für den städtischen Haushalt.“

Ludwig Jägerhuber (CSU) warb für eine „provisorische Lösung“, die die momentane Notsituation der Berufsschule berücksichtige. Bei den insgesamt acht Ortsfeuerwehren, die zu Starnberg gehörten, gebe es auch noch Räumlichkeiten, die sich für Feuerwehr-Ausbildung nutzen ließen. Er wollte dem Landkreis noch eine Frist von zwei Jahren einräumen. John konnte Grasl dazu überreden, seine Bedenken zumindest für das laufende Schuljahr zurückzustellen, wenn die Stadt verspreche, im Rahmen des Grundsatzkonzeptes der Feuerwehr das Problem nochmals zu beleuchten. Martina Neubauer (Grüne) wünschte sich, dass sich auch die Stadt überlegt, ob sie Schulungsräume anbieten könnte.