Der Starnberger Ortsteil Percha soll einen eigenen Verkehrsentwicklungsplan bekommen, weil er weder durch den Bau des B2-Tunnels noch durch eine ortsferne Umfahrung vom Verkehr entlastet würde. Eher ist das Gegenteil der Fall, haben vergangene Untersuchungen gezeigt. Geholfen hätte nur eine ortsnahe Umfahrung der Stadt, die der Stadtrat aber nicht weiter verfolgen will. Am Dienstagabend präsentierte August Janello vom Ingenieurbüro Vössing – schon seit den Runden Tischen 2002 noch unter Altbürgermeister Ferdinand Pfaffinger für die Stadt tätig – ein mögliches Entlastungskonzept im Umwelt-, Energie- und Mobilitätsausschuss des Stadtrates. Sein Fazit: Derzeit mache nur die Verfolgung eines Halbanschlusses an die Autobahn A 952 bei Buchhof einen Sinn. Aber heute schon ließe sich mit einfachen Maßnahmen ohne größere Umbauten die Situation und Sicherheit für Fußgänger und Radfahrer verbessern. Einstimmig  entschieden die Ausschussmitglieder, für den Halbanschluss und die vorgeschlagenen Maßnahmen am Knotenpunkt Würm-/Berger-/Buchhofstraße eine Entwurfsplanung erarbeiten zu lassen. Über einen späteren möglichen Umbau der heutigen Autobahnanschlussstelle Percha wollen die Fraktionen zunächst intern beraten.

Laut Janello ist Percha „eingezwängt zwischen Autobahn, Staats(Berger)straße und sehr großer Verkehrsnachfrage“. Sein Büro habe auch einen Autobahnvollanschluss südlich des Parkplatzes der Munich International School untersucht, sei aber zu dem Ergebnis gekommen, dass ein solcher, abgesehen von dem dafür nötigen sehr großen Flächenverbrauch (insgesamt rund 38000 Quadratmeter), nur im Zusammenhang mit einer „ziemlich aussichtslos erscheinenden“ Umfahrung Perchas im Südosten Sinn machen würde. Hinzu kämen die hohen Kosten mit geschätzt 4,64 Millionen Euro. Ein Halbanschluss würde im Vergleich dazu nur rund 935500 Euro kosten und nur 4110 Quadratmeter Fläche benötigen. Aufgefallen ist dem Ingenieurbüro bei seiner Analyse, dass es in Percha „breite Fahrbahnen und schmale Gehwege“ gibt, dazu einen starken Verkehrsstrom über die Würm- in die Berger Straße sowie vom Süden her über die Berger Straße Richtung Autobahn. Die Leistungsfähigkeit des Knotens liege auf der Skala von A bis F hier bei E, was bedeute: „Gerade noch leistungsfähig, die Reserve liegt nur noch bei fünf Prozent“. Ein wichtiger Verkehrserzeuger sei die Internationale Schule, deren Schüler aber zu 80 Prozent den Bus benutzten. Hinzu kämen die rund 300 Lehrer, die zu 70 Prozent mit dem eigenen Auto kämen. Als weitere Verkehrserzeuger nannte Janello die Marianne-Strauß-Klinik und das Gymnasium Kempfenhausen. Ein wichtiger Verkehrsstrom sei auch der aus Richtung Wangen, der ebenfalls am Knoten auftreffe und nach Starnberg wolle.

Der Halbanschluss an die Autobahn würde eine Ableitung südlich des MIS-Parkplatzes aus Richtung Starnberg und eine Auffahrtsmöglichkeit von Wangen her Richtung Starnberg im Bereich der bestehenden Brücke bedeuten, mit der die „alte B2“ die Autobahn südlich von Wangen unterquert. Stellung genommen hat Janello auch zu einer etwa 10 Jahre alten Planung von Ingenieur Dieter Gier, die nach dem Stand 2009 damals 2,15 Millionen Euro gekostet hätte. Sie würde aber einen Umbau der heutigen Autobahnanschlussstelle Percha bedeuten, der zu einer deutlichen Entlastung der Würmstraße führen könnte. Das hieße, die Würmstraße als Einbahnstraße Richtung Berger Straße mit Zwei-Richtungs-Fahrradspuren zu führen. Die Leistungsfähigkeit des Knotens stiege in dem Fall auf „C“, der Verkehr auf der Berger Straße nähme aber zu. Die Geschäfte und das neue Parkhaus an der Würm wären nicht mehr im gleichen Maße erreichbar, was im Gremium einhellig dazu führte, sich diese Variante erst noch einmal genauer ansehen zu wollen. Viel Gestaltungsspielraum sieht Janello im Bereich Würmstraße und den südlich daran angrenzenden Gebieten jetzt bereits: durch die Anordnung von Tempo 30 und die Verschmälerung des Straßenraums dort, wo er heute überbreit ist. So könnte für mehr Sicherheit von Fußgängern und Radfahrern gesorgt werden. Unter die Lupe nehmen will man zudem die Ampelschaltung am Knoten.

Bürgermeisterin Eva John empfahl nach der Präsentation vordringlich den Halbanschluss und den Knotenumbau weiter zu verfolgen. Tim Weidner (SPD) und Winfried Wobbe (UWG) verlangten, nicht nachzulassen, in dem Bemühen, die Autobahndirektion Süd zu bearbeiten, die bisher jegliche zusätzliche Anschlüsse an die A 952 strikt abgelehnt hatte. Der Halbanschluss fand auch die Zustimmung von Stefan Frey (CSU). Dieser und die kurzfristig möglichen Maßnahmen seien zu planen und, wo möglich, in Angriff zu nehmen, sagte er. Fremder Grund soll laut John aber nicht in Anspruch genommen werden. Das wäre zum Beispiel bei der Lösung Gier nötig, weshalb Frey da mit „massivem Widerstand“ rechnet. John versicherte, nichts überstülpen zu wollen, sprich: nichts ohne die Anlieger zu unternehmen. Franz Sengl (Grüne) wollte die kleineren Maßnahmen „am liebsten sofort beschließen“. Gegen die Gier-Planung sprach sich Anton Wiesböck aus: „Ab in die Schublade damit!“ Das bedeute sechs Fahrspuren zwischen Percha Nord und Percha Süd. Außerdem müsse noch nachgearbeitet werden, um den Badeverkehr außerhalb von Percha führen zu können, forderte er. „Weitermachen, nicht nachlassen“ war die Devise von Josef Pfister (BMS), der über die Gier-Lösung zunächst einmal mit betroffenen Grundstückseigentümern und grundsätzlich über alle Lösungen mit der Autobahndirketion reden möchte. Denn bisher sei „eine wirkliche Entlastung Perchas noch nicht in Sicht“.