Kurz haben die Befürworter der Schaffung von bezahlbarem Wohnraum auf der 3,5 Hektar großen, der Stadt gehörenden und bisher landwirtschaftlich genutzten Fläche „Am Wiesengrund“ gestern Abend im Bauausschuss des Stadtrates den Atem angehalten. Erneut ist ein Problem aufgetreten, das die schnelle Rechtskraft des nötigen Bebauungsplanes verzögert. Aber nach dem Vorschlag des Rathauses, den Satzungsbeschluss unter Vorbehalt zu fassen und gleichzeitig beim Kreistag die Herausnahme einer kleinen, im Landschaftsschutzgebiet (LSG) liegenden Fläche zu beantragen, fiel der „Satzungsbeschluss unter Vorbehalt“ dann einstimmig. Bürgermeisterin Eva John rechnet mit einer Klärung der LSG-Angelegenheit im Kreistag spätestens im Januar 2019. Auf Anfrage versicherte sie heute, dass sich der Start für das offizielle Bewerbungsverfahren für Interessenten an einem Reihenhaus im Einheimischenmodell dadurch nicht, wie von Otto Gaßner (UWG) festgestellt, weiter verzögert. Es solle nun im November 2018 beginnen, sagte John.

Wie berichtet hatte der Bebauungsplanentwurf nochmals öffentlich ausgelegt werden müssen, weil zuvor Änderungen, zum Beispiel mehr Flexibilität bei einem der drei Haustypen und anderes, vorgenommen worden waren (siehe auch Am Wiesengrund: Neue Auslegung). In der gestrigen Ausschusssitzung stand die Abwägung der im Rahmen der neuen Auslegung eingegangenen Einwendungen und Anregungen auf der Tagesordnung. Laut Peter Meinert vom Stadtbauamt ging es dabei um Themen wie den ergänzten Haustyp, die Abwicklung des Baustellenverkehrs und redaktionelle Ergänzungen oder Änderungen. Mehr Bedeutung hatte aber die erst am 12. Oktober 2018 eingegangene Einwendung der Unteren Naturschutzbehörde des Landratsamtes, die darauf hinwies, dass von den 35000 Quadratmeter des gesamten Gebietes 505 Quadratmeter dem angrenzenden Landschaftsschutzgebiet zugehörig seien, und ein offizielles Herausnahmeverfahren aus dem LSG empfahl. Der Umstand ist nicht neu. Betroffen ist eine Fläche für Geschosswohnungsbau. Im Bebauungsplanentwurf hatte die Stadt bereits darauf hingewiesen. Eine Ausnahmeregelung schien bisher möglich. Hintergrund für die nun geänderte Haltung der Unteren Naturschutzbehörde sei eine neue Rechtsprechung, sagte Meinert, meinte aber auch, die Stadt könne den Antrag auf Herausnahme aus dem LSG der im Verhältnis zum Gesamtprojekt relativ kleinen Fläche  mit dem dringenden Wohnraumbedarf in der Stadt und der damit nötigen optimalen Ausnutzung der zur Verfügung stehenden Flächen begründen. Nach Angaben von John ist der Antrag bereits gestellt. Die Kreisbehörde wolle ihn ab November behandeln.

Angelika Wahmke (UWG) wollte nochmals über Spielplätze im neu geplanten Wohngebiet diskutieren und wurde dabei von Gerd Weger (CSU) unterstützt. Ein heutiger Bolzplatz falle weg, der neu geplante Kinderspielplatz am südöstlichen Ende des Baugebietes ersetze diesen in keiner Weise, kritisierten sie und verwiesen darauf, dass sich der Bedarf der heute angrenzend schon bestehenden Wohngebiete durch die Neubauten und dort einziehende Familien noch vergrößere. Meinert sah keinen freien zusätzlichen Raum für einen Bolzplatz. Stadtbaumeister Stephan Weinl ist sicher, dass die Kinder sich Spielflächen in der umgebenden Natur und auf den verkehrsberuhigten Flächen im Gebiet suchen werden. Das werde besonders auf die größeren Kinder zutreffen, glaubt auch Iris Ziebart (FDP). Sie fand es „nicht mehr zeitgemäß, alles zu reglementieren“. Außerdem würden die Bewohner bei Bedarf schon ihre Wünsche äußern.

„Wir haben sehr sportlich gearbeitet. Wir können uns sehen lassen,“ lobte Ludwig Jägerhuber (CSU) die Rathausverwaltung und den Stadtrat. Statt der üblichen drei bis fünf Jahre sei der Bebauungsplan „Am Wiesengrund“ innerhalb von zwei Jahren zur Satzungsreife geführt worden. Man komme der Bevölkerung damit sehr entgegen, so Jägerhuber, der auch daran erinnerte, dass das Bemühen um eine noch bessere Erschließungsvariante noch fortbestehe (siehe auch Wiesengrund: Ampel am Waldspielplatz). Ziebart nahm das zum Anlass, zu fordern, sich nicht auf diesem Lob auszuruhen. Solche Verfahren dürften keine drei bis fünf Jahre dauern. Es sei dringend erforderlich, dass es Am Wiesengrund vorwärts gehe, denn die Bewerber säßen auf heißen Kohlen, müssten befürchten, dass Hypothekenzinsen und vor allem die Baukosten gravierend steigen. „Das muss jetzt rasant auf den Weg kommen“, forderte Ziebart.

„Deshalb wünschen wir uns von Ihnen den Satzungsbeschluss“, schloss sich John an, die sich aber auch für Jägerhubers Lob bedankte. Das Vorgehen sei mit dem Landratsamt bereits abgestimmt, sagte sie und empfahl den Beschluss unter dem Vorbehalt zu fassen, dass die Herausnahme aus dem LSG gelinge. Ansonsten müsse dieser Einwand nochmals zur Abwägung gestellt werden. Die Kreisräte unter den Stadträten forderte die Bürgermeisterin auf, sich im Kreistag und seinen Gremien für die Herausnahme einzusetzen.