Einstimmig hat der Hauptausschuss des Stadtrates in seiner jüngsten Sitzung beschlossen, den ausgewiesenen Feuerwehr-Experten und Branddirektor Dirk Schneider mit einem Gutachten zu betrauen, das zur Notwendigkeit einer Brandbekämpfungsanlage im geplanten B2-Tunnel sowie von Feuerwehr-Aufzügen in den Rettungsschächten Stellung nimmt.

Nachdem Feuerwehrkommandant Markus Grasl von seiner ursprünglichen Forderung nach dem Einbau einer Mittelwand zwischen den beiden Fahrspuren und einem Rettungsstollen zum künftigen Tunnel Abschied nehmen musste, weil diese nach Aussagen des Staatlichen Bauamtes Weilheim zum einen nicht in der Baugenehmigung des Tunnels enthalten sind und zum anderen aus Platzgründen nicht gebaut werden können, fordert er den Einbau einer Schaumlöschanlage in der Röhre und in den Treppenhäusern für die Rettungsausgänge, die zum Teil sehr hoch sein werden, Aufzüge für die Feuerwehr. Schließlich müsse diese ihre Ausrüstung im Ernstfall an den Einsatzort bringen können, was sich nicht gegen den Strom der aus dem Tunnel über die Rettungstreppen flüchtenden Verkehrsteilnehmer realisieren lasse. Das Einfahren der Feuerwehr im Falle eines Brandes in den Tunnel hält Grasl bei den voraussichtlichen baulichen Gegebenheiten für unverantwortlich gegenüber den Rettungskräften.

Wie es Bürgermeisterin Eva John formulierte, sind Details für ein Sicherheitskonzept bei Erstellung der Planung des Tunnels in den 1990er Jahren noch nicht  in diesem Maße berücksichtigt. Aber in der Baugenehmigung (Planfeststellung) stehe, dass im Rahmen der Ausführungsplanung ein Brandsicherheitskonzept zu erarbeiten sei. Sicherheitskräfte allgemein arbeiteten derzeit in einem Arbeitskreis Sicherheit mit dem Staatlichen Bauamt Weilheim zusammen. Bisher hätten die Behörden auf das Selbstrettungsprinzip abgestellt. Das heißt, im Unglücksfall versuchen die Verkehrsteilnehmer im Tunnel die Notausgänge zu erreichen. Schließt sich dort die Tür hinter ihnen, sind sie in Sicherheit. An die Erdoberfläche gelangen sie über Treppen. „Für die Feuerwehr sind diese Treppen, und die zum Teil auch sehr hohen Treppen untragbar“, sagte John. Das für die Bauausführung zuständige Staatliche Bauamt Weilheim habe zugesagt, für Forderungen der Stadt Starnberg, die fachlich begründet seien, beim Bundesverkehrsministerium eine technische Tektur der Pläne zu beantragen. Die Notwendigkeit der zusätzlichen Maßnahmen, die die Stadt schriftlich formuliere, müsse aber von einem fachlich geeigneten Gutachter nachgewiesen sein.

Dieses Gutachten vorlegen zu können, ist auch Intention des Antrags, den Stefan Frey (CSU) vorgelegt hatte. Über seinen Vorschlag, die Stadt solle sich beim Bund und beim Freistaat dafür einsetzen, dass die Kosten der Brandbekämpfungsanlage und der Aufzüge aus deren Haushalt finanziert werden, fand die Zustimmung aller Fraktionen. Nicht jedoch sein Zusatz: „gegebenenfalls anteilige Finanzierung“. Das fand Martina Neubauer (Grüne) „taktisch nicht besonders zielführend“. Die Stadt solle besser mit der Forderung nach voller Kostentragung in die Verhandlungen gehen, forderte sie, und bat, dies so abzustimmen. Auch die Bürgermeisterin war der Ansicht: „Bezahlen sollte der Verursacher.“ Für Michael Mignoli (BLS) ist die anteilige Kostentragung durch die Stadt „ein völlig falscher Weg“.  Anton Wiesböck (FDP) sind Treppenhäuser in den Notaufgängen suspekt: „Die werden dann nicht regelmäßig unterhalten. Besser sollte man einen Rettungsstollen neben dem Tunnel prüfen.“

„Als ausgesprochener Tunnelgegner geht es mir doch um die Sicherheit unserer Feuerwehr“, meldete sich Josef Pfister (BMS) zu Wort. In Freys Antrag müsse der Zusatz „gegebenenfalls anteilige Kostentragung“ gestrichen werden. Das unterstützte auch Günther Picker (WPS), der zudem der Ansicht war, Bund oder Freistaat müssten auch die Kosten für das Gutachten übernehmen. Er formulierte dies als Antrag, der später mit 6:7 Stimmen abgelehnt wurde. Den Betrag hatte John mit „mittlerer vierstelliger Betrag“  als „sehr erträglich“ beziffert. Sollte den Argumenten der Stadt Gewicht gegeben werden, müsse sie in Vorleistung gehen, sagte sie. Maximilian Ardelt (WPS) verlangte: „Der Bund ist verpflichtet, uns einen sicheren Tunnel zu liefern.“ Ludwig Jägerhuber (CSU) erklärte für den nicht anwesenden Antragsteller Frey, dass man den strittigen Passus streichen könne. Das sei selbstverständlich. Er hatte vorher gemahnt, bei der Debatte nicht wieder in Grundsatzdiskussionen zu verfallen, sondern „zielgerichtet und emotionslos zu arbeiten“. Auch wer den Tunnel ablehne, könne bei Einzelfragen mitarbeiten. Er erinnerte daran, dass der Bund das Recht habe, den Tunnel wie im Planfeststellungsbeschluss beschrieben zu bauen. Verhandlungen mit dem Bund sollten nicht an der Frage scheitern, ob der auch die Kosten des Gutachtens übernehmen müsse.

Grasl betonte, bei der Planfeststellung 2007 sei die Starnberger Feuerwehr nicht eingebunden gewesen. Er sei sehr froh, dass die Weilheimer Behörde nun nicht einfach baue, sondern sich an den Gesprächen beteilige, wie die vorhandenen Mängel beim abwehrenden Brandschutz kompensiert werden können. Sehr optimistisch klang er aber auch nicht: „Bei anderen Tunnel in Deutschland hat der Bund die Kosten für solche Anlagen nicht getragen, sondern das Land. Weilheim räumt der Kostenübernahme wenig Chancen ein.“ Es gehe wohl um die Befürchtung, Präzedenzfälle zu schaffen, die dazu führten, dass Forderungen aufkämen, alle Tunnel entsprechend nachzurüsten. „Die Kostentragung ist nicht mein Thema“, sagte der Kommandant. Aber die Stadt müsse eine rechtssichere und fachlich einwandfreie Richtung fahren.

Mitbeschlossen hat der Hauptausschuss, von Grasl einen Zwischenbericht  über die Bemühungen im Arbeitskreis Sicherheit für den Tunnel erhalten zu wollen. Dort arbeiten alle Rettungsorganisatoren und das Staatliche Bauamt Weilheim zusammen.