Die erste Beratung über den städtischen Haushalt des Jahres 2019 sowie des Finanzplanes 2020 bis 2015 erbrachte noch keinerlei Hinweis darauf, wie die Stadträte das derzeit im Entwurf noch bestehende Defizit im Vermögenshaushaushalt von 13,5 Millionen Euro ausgleichen möchten. Niemand stellte Anträge, auch nicht dafür, das eine oder andere Projekt zu streichen. Dafür entbrannte eine Diskussion über die Kosten für das B2-Tunnel-Projekt, die von der Stadt Starnberg zu tragen sind. Im betroffenen Zeitraum summieren sie sich geschätzt auf rund 8 Millionen Euro.

Während Markus Mooser und Günther Picker (beide WPS) an Aussagen von Tunnelbefürwortern erinnerten, das Bauwerk werde die Stadt „keinen Cent“ kosten, hielt ihnen allen voran Ludwig Jägerhuber (CSU) entgegen, alte Hasen im Stadtrat hätten schon immer gewusst, dass die Stadt mit einem bestimmten Anteil einen Beitrag zu leisten habe. Dazu hatte es im Protokoll der Obersten Baubehörde über das Gespräch mit der Stadt Starnberg – inzwischen versandt an alle Haushalte – geheißen: „Frage: Muss sich die Stadt Starnberg an den Kosten für den B2-Entlastungstunnel beteiligen (z.B. für im Zusammenhang mit dem B2-Tunnel erforderliche Änderungen an bestehenden Knotenpunkten)?“ Antwort: „Grundsätzlich gilt, dass der Straßenbaulastträger (hier: Bundesrepublik Deutschland) neben den eigentlichen Projektkosten auch die Kosten für alle erforderlichen, im Zusammenhang mit dem Projekt notwendig werdenden Folgemaßnahmen im nachgeordneten Netz zu tragen hat. Laut letzter Kostenberechnung (Kostenstand 2014) ist die Kommune mit einen Kostenanteil von 3,2 Millionen Euro an der Maßnahme beteiligt (Gesamtkosten für Bau und Grunderwerb 162 Millionen Euro, die Planungskosten sind in diesem Betrag nicht enthalten). Das Staatliche Bauamt Weilheim wird der Stadt Starnberg die ihrem Kostenanteil zugrundeliegenden Einzelmaßnahmen in der am 20.2.2017 geplanten Stadtratssitzung näher aufschlüsseln.“ Unter der Rubrik „Fragen und Antworten zum B2-Tunnel“ auf der Internetseite des von CSU und UWG geprägten Vereins „Umweltbewusste Verkehrsentlastung Starnberg“  ist aktuell Folgendes zu lesen. „Frage: Wer bezahlt den B2-Tunnel? „Antwort: „Der Bund übernimmt 95 Prozent der Kosten.Die Bahn übernimmt die Kosten der Verbreiterung der Bahnbrücke und die Stadt übernimmt lediglich die Kosten für vorbereitende und nachbereitende Maßnahmen an der Münchner Straße.“ Weitere Frage: „Wer zahlt, wenn der Tunnelbau teurer als heute veranschlagt wird?“Antwort: „Jeder der drei beteiligten Baulastträger (Bund, Deutsche Bahn, Stadt Starnberg) ist für seinen Teilbereich verantwortlich. Steigende Kosten werden vom jeweils betroffenen Baulastträger übernommen. Die Stadt Starnberg zahlt keine Gelder, wenn der Tunnel teurer wird.“ Auf der gleichen Homepage heißt es an anderer Stelle zum Thema Finanzierung: „Die Kosten der Errichtung des Tunnels sowie des laufenden und des künftigen Betriebs trägt der Bund. (Am Umbau der einmündenden Straßen sind der Freistaat Bayern, die Deutsche Bahn und die Stadt Starnberg beteiligt.)

Moosers Frage, warum überhaupt Kosten für den Tunnel im städtischen Haushalt stünden, löste die Diskussion aus, in der es zeitweise hoch her ging, so dass Bürgermeisterin Eva John dazwischen gehen musste, um die weitere Beratung fortsetzen zu können. Sie erläuterte, es gehe um den Umbau der Kreuzungen zwischen der Bundesstraße und städtischen Straßen. Die Kreuzungen an der Strandbadstraße, Moosstraße und Gautinger Straße seien im Moment betroffen, wenn das Staatliche Bauamt Weilheim die nördliche Zulaufstrecke zum Tunnel umbaue. Insgesamt sei derzeit mit vier Millionen Euro zu rechnen, so John. Hinzu kämen noch die Kosten für den Umbau der Petersbrunner Straße, wenn Weilheim den Durchstich von dieser zur Münchner Straße umsetze. Wie berichtet müssen dann Geh- und Radwege so angepasst werden, dass die Wegenetze geschlossen bleiben. Kosten hierfür 2,2 Millionen Euro, wovon der Freistadt eventuell 49 Prozent übernehmen will. Eine feste Zusage oder einen genauen Zuschussbetrag gebe es aber noch nicht (siehe 2019 Umbau Petersbrunner Straße). Vollkommen offen sind auch noch eventuelle weitere Kostenbeteiligungen am Umbau der Kreuzung mit der Leutstettener Straße oder der Forderung nach weiteren Radwegen entlang der B2 nach Westen hin. Zwischen der Petersbrunner- und Leutstettener Straße sind bisher nämlich keine vorgesehen (siehe Schmölzer bittet um Nachbesserung). Für Angelika Kammerl (DPF) ist das alles jedoch „keine Beteiligung an den Tunnelbaukosten“. Für sie zählen somit nur die reinen Aufwendungen für das Tunnelbauwerk, nicht jedoch die Bereiche vor und nach dem Tunnel.

Mooser unkte aber: „Mal sehen, was da noch alles kommt.“ Sein Fraktionskollege Günther Picker rechnete schon weiter: „65000 Euro für das Brandschutzgutachten.“ „Was die Feuerwehr anmelden wird?“, überlegte Michael Mignoli (BLS) laut. „Da sind wir bald bei 10 Millionen Euro. Wie soll die Stadt das bezahlen?“, fragte Picker. Laut John sind 480000 Euro für den Umbau des Feuerwehrhauses für 2019 angemeldet. Eine konkrete Planung sei aber noch nicht ausgearbeitet. Dass die Straßenbeleuchtung an der dann neu gestalteten B2 kommunale Aufgabe sei, hatte Uwe Fritsch, Leiter des Staatlichen Bauamtes Weilheim schon im Februar vor dem Stadtrat gesagt (siehe Tunnelbefürworter schweigen). Nach Johns Aussage kommt die Stadt an der Kostenbeteiligung an den Kreuzungen nicht vorbei, weil dies gesetzlich so geregelt sei. Für diese Teile werde es jedoch keine staatlichen Zuschüsse geben. Das tue natürlich weh. „Finanzpolitisch gesehen, wäre zu erwarten, dass solche Kosten von dem getragen werden, der sie veranlasst“, sagte sie.

Aufgebracht reagierte Jägerhuber: „Dass der Tunnel gebaut wird, war ein politische Mehrheitsentscheidung. Da müssen nicht unnötig Emotionen geschürt werden. Auch bei einer Umfahrung hätten solche Kosten entstehen können.“ Dem steht aber entgegen: Die Umfahrung wäre nach den Vorgaben der Obersten Baubehörde ohnehin nur in der Regie der Stadt und somit auf deren Kosten denkbar gewesen. Jägerhuber appellierte, nicht immer wieder von vorn Grundsatzdebatten zu führen. „Wir wollen keine Grundsatzdebatten, sondern die Öffentlichkeit aufklären“, hielt ihm Mooser entgegen. „Alte Stadträte wussten von Beginn an, dass uns der Tunnel was kostet. Neu ist nur die Brandschutzgeschichte. Aber das ist gut investiertes Geld“, sagte Jägerhuber.

John beendete die Diskussion mit der Bemerkung: „Es gibt andere Projekte, die der Stadt etwas bringen und auch etwas kosten. Werden Anträge gestellt?“ Antwort von Winfried Wobbe (UWG): „Nächstes Mal vielleicht.“

Dies sind einige Unwägbarkeiten in Sachen Tunnelkosten:

Der damalige Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU) sagte beim Spatenstich für den B2-Tunnel am 20. Juli 2018: „Wir hoffen, dass wir die Verkehrsentlastung bis 2026 schaffen.“ Für das Bauwerk gibt es noch keine Ausführungsplanung, weshalb alle bisher genannten Kosten nicht detailliert sind. Bis 2011 ging man von Gesamtbaukosten von 162 Millionen Euro ohne die Planungskosten aus. Im Bundeshaushalt 2018 steht das Projekt mit 193,7 Millionen Euro. Gebaut wird es laut Staatlichem Bauamt Weilheim aber erst ab frühestens 2021. Bis dahin können die Bau- und Planungskosten nochmals kräftig steigen, somit auch der Anteil, der auf die Stadt Starnberg entfällt. Offen ist auch noch, ob der Bund sogenannte Sonderwünsche der Stadt bezahlt. Zum Beispiel beim Sicherheitskonzept für die Rettungsdienste, die bisherige Planungen teils kritisch sehen und Nachbesserungen fordern (siehe Tunnel: Gutachten zum Brandschutz). Oder bei der Gestaltung der Tunnelportale. Auf Nachfrage des Blogs im Juli 2018 hatte der Leiter der Weilheimer Behörde geantwortet: „Der Tunnel Starnberg ist Bestandteil einer Bundesstraße. Daher liegt die Kostentragung nahezu ausschließlich beim Bund. Der Bund lässt dieses Bauwerk nach einem einheitlich festgelegten (sehr hohem) Sicherheitsstandard bauen und ausstatten. Darüber hinausgehende Sicherheitsausstattung ist grundsätzlich nicht durch die aktuelle Finanzierung gedeckt. Die Kostenträgerschaft (durch Dritte) ist im Einzelfall zu klären.“