Adi Herrmann hat den jahrelangen Kampf gegen die heimtückische Krankheit am Ende nicht gewinnen können. Am 9. November 2018 ist er nur einen Monat vor seinem 77. Geburtstag gestorben. Adi Herrmann ist einer der wenigen, wirklich charismatischen Kommunalpolitker Starnbergs gewesen. Aber nicht nur in der Politik stand er aufrecht für seine Überzeugung ein. Seine Sorge galt generell seiner Heimatstadt Starnberg, in der er aufgewachsen war. Nicht besonders wohlgebettet, denn seine Mutter habe mit ihrem Milchladen zu kämpfen gehabt, den Lebensunterhalt für die Familie zu verdienen, erzählte er immer. Da hat er wohl schon als Bub gelernt, was es heißt, das Ohr buchstäblich am Bürger zu haben, zuzuhören und seine Schlüsse daraus zu ziehen. Aber auch heraus zu bekommen, was den Starnbergern Freude macht. Zum Beispiel deftige Reden im bayerischen Dialekt. Viele Jahre war Herrmann Spielleiter bei der Heimatbühne Starnberg, wurde 2013 mit der goldenen Ehrennadel des Verbandes der Bayerischen Amateurtheater ausgezeichnet. Engagiert war er auch im Eis- und Stockschützenverein ESV 96 und bei der Königlich privilegierten Feuerschützengesellschaft Starnberg.

Den meisten Starnbergern ist Adolf „Adi“ Herrmann aber als Stadtrat der Bürgerliste in Erinnerung. Er , der sich selbst einmal als „Starnberger mit Haut und Haaren“ bezeichnet hat, saß für die Gruppierung von 1990 bis 2014 im Stadtrat. Zusammen mit Walter Jann, Ferdinand Pfaffinger und insgesamt zwölf Gleichgesinnten hatte er die Bürgerliste (BLS) am 17. Mai 1989 gegründet. Markenzeichen war immer, den damals schon diskutierten B2-Tunnel zu verhindern und stattdessen eine Umfahrung für die Kreisstadt durchzusetzen. Später gehörte die BLS zu den ersten Gruppierungen, die deutlich sagten, dass sie am Bahnhof See keine Gleisverlegung nach den von Otto Gaßner (UWG) ausgehandelten Verträgen zwischen Deutscher Bahn und Stadt Starnberg wollten, sondern eine finanzierbare „gedämpfte Seeanbindung“. Sehr zu schaffen machte es Adi Herrmann, als Pfaffinger, nachdem die Bürgerliste diesem mit einem engagierten Wahlkampf in das Amt als Bürgermeister der Kreisstadt verholfen hatte, schon kurz nach der Wahl 2002 in das Lager der Tunnelbefürworter und zur UWG wechselte und bis 2014 auch Pläne für die große Seeanbindung mit Gleisverlegung verfolgte.

Herrmann machte im Stadtrat aus seinem Herzen nie eine Mördergrube. Auch wenn er in seinen Redebeiträgen mehr als deutlich wurde, ließ er nie den Respekt vor anders Denkenden vermissen. Auch dann nicht, wenn er richtig wütend wurde. Denn er bevorzugte „klare Ansagen“, hasste Unehrlichkeit und Stellungnahmen, die wie die Katze um den heißen Brei schlichen. Stundenlange Debatten ohne greifbares Ergebnis am Ende brachten seine Nerven zum vibrieren. Dann hielt er den Kollegen gern den Spiegel vor. Erst machte er sie „rund“, dann schloss er meist mit einer bayerischen Redensart, die alle zum Schmunzeln brachte und half, schlechte Stimmung verrauchen zu lassen. Wäre es nach ihm gegangen, hätten Lösungen schnell und unbürokratisch umgesetzt werden müssen. Als einziges unabdingbares Handwerkszeug für einen Stadtrat ließ er nur den „gesunden Menschenverstand“ gelten, und natürlich gradliniges Denken.

Das alles vermisste Adi Herrmann, als er von der Mehrheitsentscheidung des Stadtrates vom 20. Februar 2017 „B2-Tunnel bauen – ortsferne Umfahrung planen“ hörte. Dass auch drei der fünf BLS-Stadträte  – Klaus Rieskamp, Johannes Bötsch und Angelika Wahmke  – für den Tunnelbau gestimmt hatten, ließ in seinen Augen die Gradlinigkeit vermissen, weshalb er seine Mitgliedschaft bei der Bürgerliste nach 28 Jahren aufkündigte.

Der Trauergottesdienst für Adi Herrmann findet am Freitag, 16. November 2018 um 9 Uhr in der Stadtpfarrkirche St. Maria in Starnberg statt, die Beerdigung am gleichen Tag auf den Friedhof an der Hanfelder Straße um 10 Uhr. Von Beileidsbezeigungen am Grab bittet die Familie Abstand zu nehmen.