Auch wenn sich im vergangenen Jahr die Mehrheit des Stadtrates vehement dafür ausgesprochen hatte, am neuen „Seebad Starnberg“ den vorhandenen Parkplatz in ein mehr Stellplätze bietendes Parkhaus zu verwandeln, damit dort auch die dem Landratsamt auf Grund seiner Erweiterung fehlenden Stellplätze nachgewiesen werden können – jetzt stimmte der Bauausschuss einstimmig dafür, sich vor Anfang 2020 nicht über solche Pläne unterhalten zu wollen (siehe Soll Stadt Parkplätze für Landkreis bauen?)

Weil CSU, UWG, Grüne, SPD, DPF und BLS im November 2017 darauf bestanden hatten, mit dem Landkreis einen entsprechenden Vertrag über den Bau eines solchen Parkdecks anzugehen – obwohl der Kreistag lediglich beschlossen hatte, Interesse an der Anmietung von 50 Stellplätzen anzumelden, falls die Stadt ein solches Parkdeck bauen sollte – hatte das Rathaus dafür die nötige Altlastenuntersuchung vorgenommen und ein Grobkonzept für die dann nötige neue Straßen-Entwässerung entwickelt. Das Ergebnis war finanziell eher ernüchternd, denn der Untergrund weist, wie in dem Bereich fast überall, teerhaltige Altlasten auf, die zudem das Grundwasser verunreinigt haben. Vermutet wird, dass zu früherer Zeit hier teerhaltige Bauschuttreste als Auffüllmaterial verwendet worden sind. Die Schadstoffe könnten mobilisiert werden, sollte in den Boden eingegriffen werden, heißt es in der Vorlage des Rathauses, weshalb vermutlich eine Sanierung oder Sicherung des Schadens vorzunehmen sei. Die Kosten belaufen sich nach ersten Schätzungen auf 720000 bis 850000 Euro brutto. Hinzu kämen für die neue Straßenentwässerung rund 170000 Euro netto.

Der Parkplatz des Seebades weist derzeit exakt die Stellplätze aus, die für das Bad erforderlich sind, also 115. Sollte ein Parkdeck gebaut werden mit einer weiteren Ebene, könnten 180 entstehen, bei bis zu drei Ebenen 220. Der Skaterpark wäre zu verlegen. Im Rahmen des Architektenwettbewerbs für das Seebad beinhaltete der Siegerentwurf bereits ein Parkhaus mit Erd- und Obergeschoss. Die Kosten waren damals mit rund 2 Millionen Euro (ohne Altlasten- und Entwässerungsproblematik) benannt worden.

Iris Ziebart (FDP) stellte in Anbetracht dieser  Aussagen und des noch nicht gelösten Defizits für den Haushalt 2019 von 13,5 Millionen Euro die Frage, ob nicht andere Projekte wichtiger seien und man dieses schieben sollte: „Zumal die Plätze für das Bad ausreichen und der Landkreis mit seinem Erweiterungsbau nicht so schnell fertig wird.“ Bürgermeisterin Eva John machte sich zum wiederholten Mal dafür stark, während der Bauzeit für das Landratsamt keine zweite Baustelle im fraglichen Bereich auf zu machen. In diesem Punkt sei sie mit dem Landrat einig, sagte sie. Sie stellte eine neuerliche Beratung des Projektes für Ende 2019/Anfang 2020 in den Raum. Angelika Kammerl (DPF) konnte sich dagegen ein weiteres Mal düstere Prognosen nicht verkneifen: „Dass die 115 Parkplätze für das Seebad reichen, halte ich nicht für richtig. Wir brauchen da Frequenz, damit das Bad nicht noch mehr in die Unkosten reinläuft.“ John dazu: „Das Defizit betrug vor dem Umbau eine Million Euro und jetzt genauso viel.“ Ziebart kritisierte, solche negativen Äußerungen wie die von der Kollegin Kammerl dürften nicht von Stadträten kommen, die die Stadt doch nach außen vertreten sollten. Aber Kammerl verlangte außerdem auch noch Parkplätze für den Bürgerpark (am Nepomukweg) im Parkdeck zu schaffen. Der Bürgerpark soll jedoch  nach dem Willen des Stadtrates bisher ausdrücklich nicht mit dem Auto angefahren werden, auch dann nicht, wenn es irgendwann die Baugenehmigung für den schon lange geplanten Kiosk geben sollte. Ein entsprechender Bebauungsplan ist in Arbeit. Kammerl drohte nun aber: „Ich werde den Antrag stellen, den Kiosk nur ohne Tische und Stühle im Außenbereich zu erlauben, so lange es keine Parkplätze gibt.“ Die Planung für das Parkhaus, und Gespräche mit dem Landrat, wie er sich an dessen Bau finanziell beteiligen wolle, könnten schon 2019 geführt werden, meinte sie.

Patrick Janik (UWG) beendete die Diskussion mit seinem Beitrag: „Das ist ein Projekt, das wir uns zwar wünschen, es uns aber nicht leisten können. Ich bin wie Ludwig Jägerhuber (CSU) für eine Zurückstellung um ein Jahr.“ Jägerhuber meinte: „Wir können von der Verwaltung nicht eine Planung verlangen für etwas, was irgendwann umgesetzt wird. Der Erweiterungsbau am Landratsamt geht noch mindesten bis 2021.“