Keine Transparente, kein Geschrei, keine Häme – die diesjährige Bürgerversammlung ist gestern Abend in der Schlossberghalle ruhig und sehr sachlich verlaufen. Nach dem etwas mehr als eine Stunde dauernden Rechenschaftsbericht von Rathauschefin Eva John gab es für die rund 250 interessierten Besucher noch eine lange Runde für Fragen und Anträge aus der Bevölkerung. Über elf Bürgeranträge wurde abgestimmt, die meisten davon erhielten die Unterstützung einer Mehrheit. Angenommene Anträge müssen nun innerhalb von drei Monaten dem Stadtrat zur Beratung vorgelegt werden. Er entscheidet dann, wie weiter verfahren wird. Um was es dabei ging, ist Thema eines weiteren Berichtes, der demnächst hier folgt.

„Zahlen, Daten, Fakten“ hatte John ihren Rechenschaftsbericht überschrieben. Starnberg hat seit den zuletzt veröffentlichten  Zahlen 150 Einwohner mehr. 168 Geburten standen 266 Sterbefälle gegenüber. Seit 1. Januar dieses Jahres sind im Rathaus 262 Gewerbeanmeldungen eingegangen, was zu etlichen Veränderungen in der Welt der Geschäfte und der Gastronomie geführt hat. Die Bürgermeisterin erläuterte die hohe Steuer- und Umlagekraft der Stadt, freute sich, dass die Pro-Kopf-Verschuldung inzwischen  unter der des Landesdurchschnitts vergleichbarer Gemeinden liegt und verwies darauf, dass dank einer jährlichen Schuldentilgung im Rahmen von rund 1,7 Millionen Euro die Stadt derzeit den niedrigsten Schuldenstand seit 2014 aufweise. „Nun zeige ich Ihnen, was mit Ihrem Geld hier passiert“, leitete sie den Blick auf die Arbeit der Verwaltung und abgearbeitete Projekte.

Die Erfolge in den einzelnen städtischen Einrichtungen wurden dargestellt. So gab es im Museum Starnberger See mit über 9000 Besuchern einen Rekord. Die nun moderne Bücherei mit erweiterten Öffnungszeiten – aus samstags -, der Kulturbahnhof, Jugendtreff und dann die Schulen, die sich die Stadt wie immer wieder berichtet heuer viel kosten ließ, wurden benannt. Bei der Kinderbetreuung gibt es keine Warteliste. Die „Spielinsel“ kann, nachdem die provisorische Container-Anlage an der Ecke Ludwig-Straße/Bahnhofsplatz nur noch innen fertig zu stellen ist, voraussichtlich im Januar dorthin umziehen. Wenn der Neubau am Seufzerberg (Bahnhof-/Dinardstraße ) fertig gestellt ist, wird die Einrichtung dort neue Räume beziehen können. Vieles erneuert und ergänzt worden ist auf Spielplätzen und vor allem auf Friedhöfen. Mit dem Beginn der Umsetzung des neuen Parkpflegewerkes konnte man dem Mausoleum in Söcking – „dem schönen Denkmal“ zu mehr Aufmerksamkeit verhelfen. Dank der Tatsache, dass der Freistaat Bayern derzeit relativ viel Geld über die Städtebauförderung zu verteilen hat, entschied der Stadtrat die Sanierungen in der Ortsmitte von Söcking, rund um den Bahnhof Nord und in der Innenstadt von Starnberg zu planen. Beifall erntete die Stadtverwaltung für die barrierefreien Umgestaltungen von Gehwegen, zum Beispiel an der Musikschule, die neuen Buswartehäuschen, verbesserten Grünanlagen mit neuen, in der Schreinerei des eigenen Betriebshofes hergestellten Bänken. Für private Baumpflegemaßnahmen hat die Stadt laut John heuer schon 22000 Euro Zuschüsse auf Grund von 17 Anträgen ausgezahlt. Die Stadtgärtnerei und der Betriebshof säen wo immer es geht Blühwiesen an und stellen Insektenhotels auf. Einen Preis des Landkreises bekamen die Stadtgärtner für die Gestaltung des Rondells vor dem Bayerischen Hof.

Was die Luftqualität in der Haupt- und Hanfelder Straße angeht, wird gerade der Jahresbericht über die dort durchgeführten Messungen erstellt. Der werde dem Stadtrat vorgelegt und „dann werden wir sehen, welche Konsequenzen daraus zu ziehen sind“, sagte John. Sie lobte die hohe Einsatzbereitschaft der Feuerwehr und wies auf die Informationsveranstaltungen des Staatlichen Bauamtes Weilheim in der nächsten Woche (27. und 28. November ab 19 Uhr in der Schlossberghalle) hin, bei der die Bürger auch Fragen zur Sicherheit im geplanten B2-Tunnel stellen könnten.

Zum Schluss der Ausblick auf das nächste  Jahr 2019:

  • Nach dem Willen des Stadtrates soll der Verkehrsentwicklungsplan neu ausgeschrieben werden.
  • Anfang 2019 wird das beauftragte externe Büro erste Erkenntnisse zu Trassenvarianten einer ortsfernen Umfahrung vorstellen.
  • Erste Maßnahmen zur Verkehrsentlastung Perchas sollen in Angriff genommen werden.
  • Der Straßenbau nach dem Kanalbau in Hanfeld wird im Frühjahr abgeschlossen
  • Für den Bayerischen Hof werden private Investoren gesucht. Verkaufen wird die Stadt die Immobilie nicht.
  • Auch für das Gebäude Bahnhof See wird ein Investorenwettbewerb ausgeschrieben
  • Was die Mediation zwischen Stadt und Bahn AG in Sachen Seeanbindung angehe, sei man „in der letzten Kurve“. Ergebnisse würden dann der Öffentlichkeit zur Diskussion gestellt.
  • Als „sehr belastend“ prophezeite die Bürgermeisterin den Umbau der Petersbrunner Straße, der schon im August/September fertig sein müsse, bevor das Staatliche Bauamt mit der Realisierung des Durchstichs auf die Münchner Straße beginne, die Teil der Planfeststellung für den B2-Tunnel ist.
  • An der Himbselstraße gestaltet die Stadt gemeinsam mit der Genossenschaft Starnberger See den Straßenraum neu.
  • Die geplanten bezahlbaren 15 Wohneinheiten Am Schlosshölzl müssen eine weitere Rund drehen, weil die erste Suche nach einem privaten Investor nicht von Erfolg gekrönt war. „Wir lassen nicht locker“, versprach John.
  • Zwei neue Bushaltestellen werden eingerichtet, eine an der Kaiser-Wilhelm-Straße auf Höhe der Evangelischen Kirche, eine in Percha im Bereich der Kirche, die auch für die Schüler des Gymnasiums Kempfenhausen Erleichterung bringt.
  • Nach der Inbetriebnahme der Westumfahrung und der darauf folgenden Abstufung von Söckinger- und Hanfelder Straße zu Ortsstraßen sind die Anlage von Fahrrad-Schutzstreifen und die gerechtere Aufteilung des Straßenraumes für alle Verkehrsteilnehmer geplant, so dass auch das Radwegenetz der Stadt verbessert werden kann.
  • In Perchting beginnt der Bau des neuen Kinderhauses.
  • Am Wiesengrund startet das Bewerberverfahren für Grundstücke im Einheimischenmodell. Die Bürgermeisterin benannte den Kaufpreis mit „knapp unter 500 Euro pro Quadratmeter“, die Höhe des Erbbauzinses mit 14, 58 Euro.

„Die Mitarbeiter der Stadt geben jeden Tag ihr Bestes“, versicherte John, so dass ein ansehnliches Gemeinschaftswerk für alle Bürger entstehe. Sie dankte allen, die sich für Starnberg engagieren.